Anfang des Olympia-Jahres 2008 überlegte Chinas Regierung noch, wie sie die boomende Wirtschaft vor Überhitzung schützen konnte. Dann sorgten die Schneestürme und das Erdbeben in Zentralchina für einen heftigen Dämpfer. Schließlich wurde klar, dass auch die Volksrepublik in den Strudel der Finanzkrise geraten war. Statt zu bremsen, muss Peking nun die Wirtschaft stützen. Ein gewaltiges Konjunkturpaket von rund 450 Milliarden Euro soll helfen.
Trotz der massiven Staatshilfen wird sich Chinas Wachstum aber abschwächen: Sieben Prozent mehr Wirtschaftsleistung sagt die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) für 2009 voraus - zwei Jahre zuvor waren es noch 13 Prozent. Immerhin: China gehört gemeinsam mit Indien zu den wenigen großen asiatischen Volkswirtschaften, die in diesem Jahr überhaupt noch Wachstum vorweisen können.
Einbrüche in Taiwan und Hongkong
Auf dem Inselstaat Taiwan - nach offizieller Pekinger Lesart eine chinesische Provinz - wird die Wirtschaft dagegen um vier Prozent schrumpfen. Früher war das noch anders: Taiwan hatte, auch mit amerikanischer Hilfe, das chinesische Mutterland wirtschaftlich abgehängt. Nun steht der Inselstaat schlechter da. Das gleiche gilt für die ehemalige britische Kolonie Hongkong, die China von den Engländern geerbt hat: Die ADB prognostiziert für 2009 einen Konjunktureinbruch von zwei Prozent.
Selbstvertrauen schöpfte China traditionell aus seinen üppigen Devisenreserven. Die Chinesen sitzen auf dem größten Dollar-Schatz außerhalb der Vereinigten Staaten - bedeutende Teile ihrer Exporterlöse haben sie in amerikanische Staatsanleihen gesteckt. Doch der Reichtum ist bedroht, denn die US-Regierung pumpt angesichts der Krise immer mehr Geld in die heimische Wirtschaft. Die Folge: Inflation. China muss nun fürchten, dass sich die USA mit billigem Geld leicht ihrer Schulden entledigen. "Wir wissen, dass der Dollar an Wert verlieren wird, also hassen wir euch", schimpfte der Chef von Chinas Bankenaufsicht auf die Amerikaner.
Schwachpunkt Exportwirtschaft
Diese Angst erklärt auch Chinas jüngsten Vorstoß: Notenbankchef Zhou Xiaochuan sorgte mit einem Vorschlag für Überraschung, den Dollar als weltweite Leitwährung abzuschaffen. Eine Recheneinheit aus Dollar, Euro, Yen und britischem Pfund soll demnach den amerikanischen Greenback ablösen.
Auch in der Realwirtschaft hat China einen Schwachpunkt: Das Land hängt stark von Exporten ab. Die gesunkene US-Nachfrage hat deshalb auch die Chinesen hart getroffen. Anfang des Jahres haben die Exporteinbrüche zu einem Fabrikensterben in den industrialisierten Küstenregionen geführt: 20 Millionen arbeitslose Wanderarbeiter zogen zurück aufs Land. Doch dort sind Jobs noch knapper. Schon der nächste Einbruch könnte das Heer der Arbeitslosen weiter vergrößern und soziale Unruhen auslösen - ein Horrorszenario für die kommunistischen Machthaber.
maf
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