Hamburg - Die Ausgangslage bei der Suche nach einem Nachfolger für Bahn-Chef Hartmut Mehdorn war verzwickt: Gesucht wurde ein Kandidat, der es allen in der Großen Koalition recht macht. Zudem sollte der neue Mann an der Spitze des Staatskonzerns ein erfahrener Manager sein, der auch in der Wirtschaft einen guten Ruf genießt und das Unternehmen durch die Rezession führt.
Manager Grube: "Hanseatischer Kaufmann" mit Ingenieursdiplom
Angeblich hat Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) den 57-jährigen Manager vorgeschlagen, weil er Erfahrung in der Führung eines großen Konzerns habe. Merkel sei einverstanden gewesen, weil Grube ihr bei mehreren Gesprächsrunden über die Zukunft der europäischen Luftfahrt und des Flugzeugbauers Airbus positiv aufgefallen sei, heißt es. Anderen Informationen zufolge hat Merkel selbst den Namen Grube genannt.
Grube gilt als Manager mit politischem Geschick, der zudem als Ingenieur ein großes Technikverständnis hat: Der gebürtige Hamburger studierte an der Fachhochschule der Hansestadt Fahrzeugbau und Flugzeugtechnik, anschließend Wirtschaftspädagogik an der Hamburger Uni. Nach einer Promotion 1986 wechselte er drei Jahre später in die Industrie: Er arbeitete als Marketing- und Vertriebsmanager beim Luft- und Raumfahrtunternehmen Messerschmidt-Bölkow-Blohm (MBB), das noch 1989 in der Deutschen Aerospace (Dasa) aufging, dem Vorgängerunternehmen des europäischen EADS-Konzerns. Der damalige Dasa-Chef Hartmut Mehdorn machte Grube zu seinem Büroleiter. Wie es heißt, hält Mehdorn bis heute viel von Grube.
Aber auch dem späteren Dasa-Chef Jürgen Schrempp fiel der als freundlich und verbindlich geltende Grube auf: Er förderte ihn, holte ihn 1996, inzwischen selbst Chef der Daimler Benz AG, in die Stuttgarter Zentrale des Autokonzerns und ließ ihn die Übernahme des US-Autokonzerns Chrysler planen. 1999 wurde Grube mit der Konzernstrategie betraut, die er mit kurzzeitiger Unterbrechung verantwortete, seit Oktober 2001 als Vorstandsmitglied, seit April 2007 hat er zudem den Vorsitz im EADS-Verwaltungsrat inne.
Den Willen zum Aufrücken an die Spitze eines großen Konzern hat Grube: Schon 2005, als Schrempp bei DaimlerChrysler aufgab, wurden Grube Ambitionen auf den Chefposten nachgesagt. Seine Kritiker erwähnten, dass Grube die letztlich gescheiterte Strategie der "Welt AG" zu verantworten hatte: Sowohl die Chrysler-Fusion als auch die Übernahme von Mitsubishi waren gescheitert. Schrempp-Nachfolger Dieter Zetsche hielt dennoch an Grube fest.
Nach Informationen des manager magazin hat Zetsche jetzt dem Wechsel Grubes zugestimmt. Am Donnerstag werde er sich nun mit Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller treffen, um Details zu besprechen. Bis zur endgültigen Entscheidung über den künftigen Bahn-Chef seien noch "weitere Gespräche zu führen", heißt es aus Regierungskreisen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE werden auch dem Chef des Frankfurter Flughafens Fraport, Wilhelm Bender, 64, oder dem ehemaligen Staatssekretär und Energiemanager Alfred Tacke, 57, Chancen eingeräumt. Wahrscheinlich ist ihre Ernennung aber nicht.
kaz
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