Kampf gegen Steueroasen
OECD setzt vier Staaten auf Schwarze Liste
Uruguay, Costa Rica, Malaysia und die Philippinen: Die OECD hat einen wichtigen Beschluss des G-20-Gipfels sofort umgesetzt und vier Staaten auf eine Schwarze Liste von Steueroasen gesetzt. Die Schweiz kommt dank ihrer Zugeständnisse beim Bankgeheimnis noch einmal davon.
Paris - Kurz nach dem Ende des G-20-Gipfels in London hat die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die von den Teilnehmerländern geforderte, aber im Vorfeld umstrittene Schwarze Liste von Steueroasen veröffentlicht. Als Steuerparadiese, die international nicht kooperieren, wurden nur Costa Rica, Uruguay, Malaysia und die Philippinen genannt.
Auf einer
separaten Grauen Liste sind Ländern aufgeführt, die eine
bessere Transparenz angekündigt, entsprechende internationale
Abkommen aber noch nicht unterzeichnet haben. Dazu zählen unter
anderem Luxemburg, die Schweiz, Österreich, Belgien, Singapur,
Chile, Liechtenstein, Monaco und die Cayman-Inseln, wie aus der
am Donnerstag
im Internet veröffentlichten Aufstellung
hervorgeht. China steht auf einer dritten, Weißen Liste von
Staaten, die die internationalen Standards bereits zu großen
Teilen umgesetzt haben.
In den vergangenen Monaten hatte eine drohende Aufnahme der Schweiz auf die Schwarze Liste für internationale Verstimmungen gesorgt.
Vor allem Bundesfinanzminister Peer Steinbrück bekam die Wut der Eidgenossen zu spüren.
Die Schweiz, Österreich und andere Nationen hatten letztlich jedoch zugestimmt, ihr Bankgeheimnis teilweise zu lockern. Eine völlige Aufgabe kommt jedoch zumindest für die Schweiz nicht in Frage:
"Das Bankgeheimnis bleibt aber bestehen und einen automatischen Informationsaustausch lehnen wir entschieden ab", erklärte Wirtschaftsministerin Doris Leuthard.
Insgesamt haben laut OECD 38 Staaten die Umsetzung der internationalen Steuerstandards zugesagt, aber noch nicht ausreichend vollzogen. Wesentlich umgesetzt werden die Regeln von 40 Staaten und Einheiten, darunter Deutschland, die USA und China, aber auch die Isle of Man, Guernsey und die US Virgin Islands. Die Steuerstandards waren von den Finanzministern der G20 bereits 2004 in Berlin vereinbart worden.
An den
Börsen lösten die G20-Beschlüsse am Donnerstag ein Kursfeuerwerk aus.
G-20-BESCHLÜSSE VOM APRIL 2009
Bis Ende 2010 sollen Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur im Volumen von fünf Billionen Dollar umgesetzt werden. Zugleich stützen die stärksten Wirtschaftsnationen der Erde (G20) die ärmsten Länder und den Welthandel zeitnah mit mehr als tausend Milliarden Dollar - gut 817 Milliarden Euro. Das Geld fließt in den Internationalen Währungsfonds (IWF), der geschwächte Schwellen- und Entwicklungsländer dann mit frischem Kapital versorgen kann.
Die G-20-Gruppe will Steueroasen austrocknen. Deswegen haben die Staats- und Regierungschefs im April in London konkrete Maßnahmen gegen Länder ins Auge gefasst, die in Steuerfragen nicht kooperieren. Steuerparadiese, die künftig nicht mit den Behörden anderer Länder zusammenarbeiten wollen, werden auf eine schwarze Liste gesetzt.
In Zukunft sollen die Bonuszahlungen für Manager gedeckelt werden. Die G20 wollen so vermeiden, dass die Manager aufgrund der Jagd nach Boni risikoreiche Geschäfte tätigen. Wie die Managerbezüge gedeckelt werden sollen, führt der Entwurf des Dokuments allerdings nicht aus - bis heute ist dieser Punkt strittig. Mehrere Länder beschränkten bereits die Bonuszahlungen an Unternehmen, die in der Krise Staatsgelder erhalten.
Weitere nationale Konjunkturpakete sollen zunächst nicht geschnürt werden. Entgegen den Forderungen der USA setzten sich Deutschland und Frankreich mit ihrer Position durch, wonach die bereits beschlossenen Maßnahmen zunächst einmal ihre Wirkung entfalten sollen.
Um weitere Krisen zu vermeiden, sollen Märkte, Akteure und Produkte des Finanzmarktes in Zukunft besser kontrolliert werden. Dazu gehören hochspekulative Fonds, die bislang weitgehend unbewacht arbeiten konnten. Auch Rating-Agenturen sollen in Zukunft besser beaufsichtigt werden: Die Agenturen waren in die Kritik geraten, weil sie mit ihrer wohlwollenden Bewertung von wertlosen Papieren zu den Turbulenzen an den Finanzmärkten entscheidend beigetragen haben. Zugleich müsse das Bankgeheimnis abgeschafft werden, sagte Großbritanniens Premier Gordon Brown bei der Vorstellung der Ergebnisse.
Bei der IWF-Reform handelt es sich um die größte Neuerung seit
Gründung des Währungsfonds im Jahr 1944. Dadurch sollen
aufstrebende Wirtschaftsnationen wie China, Indien und Brasilien mehr
Gewicht im IWF erhalten. Die Reform wird von diesen Ländern schon
lange angemahnt.
hut/dpa/AFP/Reuters