Osnabrück - Der traditionsreiche Fahrzeugbauer Karmann muss Insolvenz anmelden. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte entsprechende Angaben der IG Metall. Die Mitarbeiter seien am Mittwoch schriftlich darüber informiert worden, sagte der Firmensprecher.
Autoproduktion bei Karmann: Keine ausreichende Finanzierungskraft
Die Geschäftsführung verweist darauf, dass die Zahl der bei Karmann gefertigten Fahrzeuge drastisch gekürzt worden sei. Die IG Metall machte indes nicht nur die aktuelle Wirtschaftskrise für den Zusammenbruch verantwortlich. Die Insolvenz sei "einer verfehlten Unternehmenspolitik geschuldet", sagte ein Gewerkschaftssprecher am Mittwoch. "Den Beschäftigten jetzt die Verantwortung zuschieben zu wollen, ist unverantwortlich", fügt er hinzu.
Nach Angaben der IG Metall sind von der Insolvenz insgesamt 3470 Mitarbeiter betroffen. Karmann hatte erst Anfang März die Entlassung von 1340 Beschäftigten angekündigt und dies vor allem mit der Stilllegung des Fahrzeugbaus begründet.
Der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens wurde nach Firmenangaben beim Amtsgericht Osnabrück eingereicht. Ziel sei es, gemeinsam mit dem vom Gericht zu bestellenden Insolvenzverwalter "die neu strukturierte Karmann Unternehmensgruppe in eine gesicherte Zukunft zu führen und dabei so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten".
Das Sanierungskonzept der Karmann-Geschäftsführung vom vergangenen September sah für das Geschäftsjahr 2009 noch ein ausgeglichenes Ergebnis vor. In diesen Planungen seien die Kosten für den Interessenausgleich und den Sozialplan enthalten gewesen. "Die weltweite Finanzkrise und der dramatische Einbruch der Automobilnachfrage haben die ursprüngliche Planung zunichte gemacht", sagte ein Firmensprecher.
Die niedersächsische Landesregierung hat mit Bestürzung auf die Insolvenz reagiert. "Das ist ein trauriger und ernster Tag", sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei am Mittwoch in Hannover. Die Landesregierung stehe dem Betriebsrat für Gespräche zur Verfügung. Es bestehe die Chance auf eine Transfergesellschaft für die Beschäftigten.
kaz/dpa/AP/Reuters
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