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09.04.2009
 

Scheidender Bahn-Chef

Mehdorn pocht beim Gehalt auf Vertragserfüllung

Hartmut Mehdorn gibt nicht nach: Erstmals hat sich der scheidende Bahn-Chef jetzt zur Auszahlung des ihm bis 2011 zustehenden Salärs geäußert. Es gehe um Vertragserfüllung, so Mehdorn, von Maßlosigkeit könne keine Rede sein. Auf eine Abfindung will er aber verzichten.

Berlin - In seiner Zeit als Bahn-Chef galt Hartmut Mehdorn als harter Hund, Nachgeben war seine Sache nie. Und auch nach dem Rückzug aus der Konzernspitze scheint er sich diese Eigenschaft bewahrt zu haben. In Sachen Gehaltsfortzahlung jedenfalls bleibt Mehdorn stur.

Hartmut Mehdorn: "Das ist jetzt so eine Welle"
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Hartmut Mehdorn: "Das ist jetzt so eine Welle"

"Es geht um keine Abfindung, will ich auch gar nicht, es geht einfach um Vertragserfüllung", sagte der scheidende Bahn-Chef der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwochabend. Daher seien auch Vorwürfe der Maßlosigkeit abwegig. "Das ist jetzt so eine Welle."

Hintergrund: Laut einem Bericht des "Handelsblatts" droht Mehdorn der Bahn mit juristischen Schritten, sollten die Regelungen seines bis Mai 2011 laufenden Vertrags finanziell nicht vollständig erfüllt werden. Demnach hat der Manager, der infolge der Spitzelaffäre bei dem Staatskonzern seinen Posten räumte, aus seinem Vertrag nicht nur Ansprüche auf ein Fixgehalt, sondern auch auf variable Bezüge. Das Fixgehalt habe 2008 bei 750.000 Euro gelegen. Der Bonus sei aber teils weit höher gewesen.

Mehdorns Haltung hatte zuletzt beim Bund für Irritationen gesorgt. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte an ihn appelliert, angesichts der Diskussion um Managerbezüge ein "gewisses Gebot zur Mäßigung zu berücksichtigen". Auch Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) forderte mehr Fingerspitzengefühl. "In diesen Zeiten muss er mit solchen Fragen sehr sensibel umgehen und genau differenzieren", sagte Guttenberg.

Lob für Nachfolger Grube

"Da wird Stimmung gemacht, da kann man sich nicht wehren, das ist eben das Problem", sagte der offiziell noch amtierende Bahn-Chef jetzt dazu in seinen ersten öffentlichen Äußerungen nach dem angekündigten Rückzug. Mehdorn, der zurzeit in Frankreich Urlaub macht, sagte, der Aufsichtsrat wolle am 25. April tagen. Dann werde auch sein Nachfolger Rüdiger Grube formal bestellt: "Ich glaube, das ist ein guter Mann, ich schätze ihn sehr, der geht da mit Herz ran. Ich glaube, der kann das schaffen."

Allerdings müsse Grube sich auf das gewaltige Medieninteresse einstellen: "Er muss ein dickes Fell mitbringen", riet Mehdorn. Auch müsse sein Nachfolger fleißig sein. Davon, dass dies der Fall sei, habe er sich überzeugen können, als Grube einst als sein Büroleiter in der Luftfahrtindustrie arbeitete, sagte er. Er werde Grube jedenfalls zur Verfügung stehen, um ihn in seine Aufgaben einzuarbeiten.

Mehdorn warnte zudem vor zu starker Einflussnahme von außen auf die Bahn: "Man muss mal sehen, was das ganze Umfeld macht, wenn diese Welt da plötzlich einen volkseigenen Betrieb Bahn macht", sagte er. "Dann wird es schwierig werden." Wichtig sei daher, dass die Politik sich zurückhalte: "Die Bahn muss man privatwirtschaftlich, marktkonform führen. Eine Bahn verwalten, das bringt nur die alte Bundesbahn."

"Ich bin ja noch ganz perplex"

Mehdorn räumte gegenüber Reuters ein, dass er bis vor kurzem selbst mit den derzeitigen Entwicklungen und seinem Abschied noch nicht gerechnet habe: "Das kam ja alles auch überraschend, das hätte ich ja nie gedacht, dass sowas so möglich ist. Ich bin ja noch ganz perplex."

In der Datenaffäre, über die er letztlich gestolpert ist, erwarte er keine großen Ergebnisse mehr: "Ich habe jedenfalls zu keiner Zeit irgendetwas getan, wo ich ein schlechtes Gewissen haben müsste", betonte der Manager erneut. Es sei aber klar, dass man "als Vorstandsvorsitzender nicht in jeder Ritze" sein kann.

Mehdorn hatte wiederholt betont, dass bei Kontrollen zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität "keine strafrechtlich relevanten Fehlhandlungen" festgestellt worden seien. Der Vorstand habe Datenabgleiche, E-Mail-Untersuchungen und Aufträge an Detekteien weder veranlasst noch davon gewusst.

Dennoch hat der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix Unternehmen und Vorstand nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" schwere Verstöße vorgehalten. Die mit Kontrollen von Mitarbeiterdaten beauftragte Revision habe "völlig auf rechtliche Prüfungen verzichtet", heißt es demnach in dem vorläufigen Bericht des Datenschützers. Ein Bahn-Sprecher wies die Vorwürfe zurück.

Dem Bericht zufolge spricht in einem Fall, in dem die Kölner Detektei Argen für Kontrollen eingeschaltet worden sei, "einiges dafür", dass ein amtierender Vorstand in die Zusammenarbeit involviert gewesen sei. Außerdem seien Daten rechtswidrig gespeichert oder verarbeitet worden. Dix hatte seinen Bericht vor einigen Tagen an Vorstand und Aufsichtsrat übersandt.

Der Bahn-Sprecher sagte, die aus dem nur vorläufigen Bericht des Datenschutzbeauftragten zitierten Behauptungen hinsichtlich der Zusammenarbeit eines Bahn-Vorstandsmitglieds mit der Firma Argen entbehrten einer sachlich fundierten Grundlage. Aus den vorliegenden Unterlagen ergäben sich auch keine strafrechtlich verfolgbaren Tatbestände.

Mehdorn selbst kündigte unterdessen seine Rückkehr in die Wirtschaft an. Das Ende seiner beruflichen Laufbahn werde der Rückzug von der Bahn-Spitze nicht sein, sagt er Reuters, ohne konkrete Pläne zu nennen. "Für das Altenteil bin ich sicher noch ein bisschen zu jung", so der 66-Jährige.

suc/Reuters/dpa-AFX

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