Hamburg - Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht nach SPIEGEL-Informationen in seinem neuen Weltwirtschaftsausblick, der Ende April erscheinen wird, von einem Minus des deutschen Bruttoinlandsprodukts von fünf Prozent aus. Als Folge würden Arbeitslosigkeit und Defizite in den öffentlichen Haushalten drastisch steigen.
Bauarbeiter in Berlin: Fünf Prozent minus in Deutschland
Nach den Auftaktberatungen in dieser Woche zeichnet sich ab, dass die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten ebenfalls ein Minus in ähnlicher Größenordnung für Deutschland erwarten.
Skeptisch äußert sich unter anderem auch Gustav Horn, der Leiter des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Offiziell prognostiziert er für dieses Jahr ein um fünf Prozent rückläufiges Bruttoinlandsprodukt. Gleichzeitig schränkt Horn aber ein, dass diese Erwartung "zugegebenermaßen optimistisch" sei.
In der Minus-fünf-Prozent-Prognose seien die Konjunkturpakete I und II bereits enthalten. Horn plädiert deshalb für weitere Staatsausgaben: "Ich halte ein Konjunkturpaket III für nötig." Nur so lasse sich die Rezession überwinden - "sonst rutschen im kommenden Jahr Tausende Menschen in Hartz IV ab".
Auch Kreditinstitute rechnen mit einer schrumpfenden Wirtschaft. Die Deutsche Bank erwartet für 2009 ebenfalls eine um fünf Prozent schrumpfende Wirtschaftsleistung, die Commerzbank hält sogar ein Minus von sieben Prozent für möglich. Die meisten Forschungsinstitute erwarten einen Rückgang um vier bis fünf Prozent.
Nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) wird sich die Konjunktur im gesamten Euroraum erst 2010 allmählich erholen. Im laufenden Jahr dürfte die Nachfrage global sehr schwach bleiben, die Wirtschaft weltweit als auch im Euroraum befinde sich "in einem schwerwiegenden Abschwung", schreibt die Notenbank in ihrem Monatsbericht April. Im Kampf gegen die Krise hatte die EZB vor einer Woche den Leitzins um 0,25 Punkte auf 1,25 Prozent gesenkt. Das ist der niedrigste Stand seit dem Zweiten Weltkrieg. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet schloss weitere Zinsschritte nach unten nicht aus.
kaz/wal/dpa
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