Wirtschaft



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20.04.2009
 

Popel-Skandal

Möglicher Anzeigen-Boykott bringt Media Markt in Verruf

Die "Braunschweiger Zeitung" und der Elektroriese Media Markt liefern sich einen bizarren Schlagabtausch: Der Handelskonzern soll dem Blatt mit Anzeigenboykott gedroht haben - Hintergrund ist eine skurrile Geschichte um verschmutzte Toiletten und angedrohte Gen-Tests bei Mitarbeitern.

Hamburg/München - Die Vorwürfe, die die "Braunschweiger Zeitung" gegen Media Markt erhebt, sind hart: "Der Media Markt in Wolfsburg wollte unserer Redaktion schaden, ganz klar", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" den Chefredakteur des Blattes, Paul-Josef Raue.

Media Markt (in Düsseldorf): Unappetitliche Geschichte
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DPA

Media Markt (in Düsseldorf): Unappetitliche Geschichte

Demnach hat der Geschäftsführer der Wolfsburger Media-Markt-Dependance der "Braunschweiger" mit Werbestopp gedroht, weil die Zeitung über seltsame Vorgänge in der Filiale berichten wollte. Anzeigen habe es anschließend keine mehr gegeben, sagte Raue der "SZ", wobei sich der Vorfall auf den Wolfsburger Ableger beschränkt habe, ein Braunschweiger Media Markt habe wie gewohnt Werbung geschaltet. Dennoch rechneten die Verantwortlichen mit einem Schaden von bis zu 300.000 Euro, sollten die Wolfsburger bis Jahresende keine Anzeigen mehr schalten.

Hintergrund ist eine ebenso skurrile wie unappetitliche Geschichte, die die Media-Märktler aus der VW-Stadt im Herbst vergangenen Jahres in Atem gehalten hatte. Damals recherchierte die "Braunschweiger Zeitung" eine Story darüber, dass die Geschäftsführung den Mitarbeitern Gen-Tests angedroht hatte.

Auslöser war laut "SZ" ein Schreiben der Geschäftsführer an die Belegschaft des Marktes vom Oktober 2008. Der Brief richtete sich "an alle männlichen Mitarbeiter". In dem Schreiben heißt es, man habe wiederholt feststellen müssen, "dass es einen Mitarbeiter in unseren Reihen gibt, dem es Spaß zu machen scheint, seine Popel an die Toilettentüren der Herrentoilette zu schmieren".

Das Management drohte einen DNA-Test an, den "die exzellenten Verbindungen der Geschäftsleitung zu unserem Klinikum" möglich machten - "um diesen Drecksack zu überführen". Die Leitung kündigte dem Täter an: "Wir werden Sie fristlos entlassen!"

Vor allem die angedrohte DNA-Analyse veranlasste die "Braunschweiger Zeitung", sich mit dem Thema zu beschäftigen. Angesichts wiederholter Datenschutzskandale bei Lidl, der Bahn oder der Telekom ein verständlicher Schritt - zumal Gewerkschaften und Arbeitsrechtler auch in diesen Fall das Vorgehen der Unternehmensleitung stark kritisierten.

"Wir bedauern den Vorfall ausdrücklich"

Ärger bekam in der Folge allerdings nicht Media Markt, sondern die "Braunschweiger Zeitung". Es sei gar nicht so außergewöhnlich, dass Journalisten eingeschüchtert werden sollen, erzählt Chefredakteur Raue in der "SZ". In dem speziellen Fall sei man allerdings schon überrascht gewesen, "als die Ernst gemacht haben". Schon während der Recherche habe einer der Geschäftsführer des Media Marktes mit der Kündigung von Anzeigen gedroht. Dabei hatte die Redaktion sogar darauf verzichtet, den Firmennamen zu nennen und schrieb stattdessen von "einem Einzelhandelsgeschäft".

Media Markt widerspricht dieser Darstellung. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte die Konzernführung in Ingolstadt: "Den Vorwurf, dass Media Markt Wolfsburg der 'Braunschweiger Zeitung' wegen ihrer Berichterstattung Anzeigen storniert hat, weisen wir zurück." Vielmehr habe es einen Wechsel in der Anzeigenleitung bei der Zeitung gegeben, der zu Verzögerungen geführt habe. An diesem Montag werde man sich aber zusammensetzen, damit "wieder Anzeigen geschaltet werden".

Bei Media Markt agieren die Geschäftsführer der einzelnen Filialen weitgehend selbständig. So fällt die Vergabe von Werbeaufträgen in ihren Aufgabenbereich.

Für den angedrohten Gentest entschuldigt sich die Media-Markt-Zentrale indes. "Wir bedauern den geschilderten Vorfall ausdrücklich", teilte das Unternehmen mit. "Nach Bekanntwerden dieses Falls haben wir sofort reagiert und dafür Sorge getragen, dass dies ein absoluter Einzelfall bleibt."

suc/wal

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