SPIEGEL ONLINE: Sollte der Gesetzgeber mehr fordern als die Unternehmensverbände freiwillig anbieten?
Mattern: Die Festlegung von Grenzwerten funktioniert nicht allein am Markt. Die Entscheidung darüber fällt letztlich auf politischer Ebene. Entscheidend ist, dass die Industrie ausreichende Übergangsfristen eingeräumt bekommt, um sich realistischen Vorgaben anzupassen.
SPIEGEL ONLINE: Viele Verbraucher werden mit Sicherheit das Verbot der Glühbirne als extreme Gängelung empfinden.
Mattern: Immerhin haben sich die Energiesparlampen in der letzten Zeit erheblich weiterentwickelt: Sie sehen besser aus und machen ein angenehmes Licht.
SPIEGEL ONLINE: Es bleibt ein Beleg dafür, dass die Marktteilnehmer anders entscheiden würden, wenn der Gesetzgeber nicht limitierend eingreifen würde.
Mattern: Das ist sicherlich richtig. Und ich würde nicht bestreiten, dass durch gesetzliche Vorgaben wünschenswerte Entwicklungen befördert haben, die unter reinen Marktbedingungen anders verlaufen wären. Man denke nur an den Katalysator. Ich glaube aber, dass ein Bewusstseinswandel der Marktteilnehmer - seien es nun Verbraucher oder Unternehmer - am ehesten durch die Realitäten des Marktes ausgelöst wird. Die Veränderung der Nachfrage aufgrund der gestiegenen Energiepreise ist dafür ein Beispiel.
SPIEGEL ONLINE: Der stolze Lamborghini-Besitzer wird wahrscheinlich auf die Einsparerfolge der Motorenentwickler verweisen, obwohl sein Auto immer noch exorbitant viel verbraucht.
Mattern: Sportwagenfahrer bezahlen für ihr Vergnügen eine Menge Geld, auch an der Zapfsäule. Wir sollten es den Menschen überlassen, wofür sie ihre Ersparnisse ausgeben. Ich bin überzeugt, dass sich Dirigismus mit dem Grundgedanken der Demokratie nicht verträgt - auch wenn er noch so wohlmeinende Ziele verfolgt.
SPIEGEL ONLINE: Speziell die deutschen Autoproduzenten haben sich lange Zeit mit intensiver Lobbyarbeit gegen allzu strenge Limits gewehrt.
Mattern: In einer Demokratie ist es legitim, dass Interessengruppen ihre Position geltend machen. Auch die deutsche Industrie hat Stellung bezogen. Das heißt aber nicht, dass die Konzerne nicht begriffen hätten, dass sich die Nachfrage und Märkte verändern werden. Sie investieren massiv in neue verbrauchsarme Verbrennungsmotoren und elektrische Alternativen.
SPIEGEL ONLINE: Marktchancen könnte auch der Handel mit CO2-Zertifikaten bieten. Ist ein Spareffekt festzustellen, oder konnten nur die Stromkonzerne ihre Kassen füllen?
Mattern: Die CO2-Zertifikate haben bei allen Unvollkommenheiten und Problemen den Vorteil, zur Preisbildung für ein knappes Gut beigetragen zu haben. Das knappe Gut ist das Recht, in der Produktion CO2 auszustoßen. Eine knappe Ressource muss mit einem Preis versehen sein, damit die Unternehmen sie in ihre Kalkulation einbeziehen können und die Verteilung dieser CO2-Rechte fair erfolgt.
SPIEGEL ONLINE: Die steigenden Energiepreise und die Ziele zur CO2-Reduktion haben zu einer Renaissance der Atomkraft geführt. Welche Argumente sprechen dafür, sich auf diese Risikotechnik einzulassen?
Mattern: Man muss einfach zur Kenntnis nehmen, dass die Atomkraft eine Schlüsselrolle spielt, in der Energiewirtschaft weniger CO2 zu produzieren. Sie birgt alle möglichen anderen Probleme, bis hin zur nicht abschließend geregelten Endlagerung, aber sie hilft ohne Zweifel, den CO2-Ausstoß zu verringern. Der Ausstieg bleibt jedoch beschlossene Sache, und auch wir gehen in unseren Studien davon aus. Über die Verlängerung der Laufzeiten sollte man aber reden können.
SPIEGEL ONLINE: Kritiker befürchten, dass dadurch die eigentlich zukunftsträchtigen regenerativen Energien wieder zurückgedrängt werden.
Mattern: Deren Anteil ist durch das Energieeinspeisungsgesetz EEG gesichert. Im Übrigen werden sie erheblich subventioniert - was auch richtig ist, damit sie sich entwickeln können.
SPIEGEL ONLINE: Das größte Sparpotential birgt Ihrer Studie zufolge nach wie vor die Wärmedämmung von Wohn- und Geschäftshäusern. Trotzdem geschieht in diesem Bereich vergleichweise wenig. Wo liegen die Gründe dafür?
Mattern: Bei den gewerblichen Bauten passiert relativ viel. Hier hat sich das Geschäftsmodell des Energie Contracting etabliert, bei dem zum Beispiel der Energieanbieter die notwendigen Investitionen vorstreckt und dies durch geringeren Energieverbrauch eingespartes Geld finanziert. Bei Wohngebäuden sieht es schlechter aus, auch weil Hauseigentümern häufig die Kenntnis fehlt. Ein Hinderungsgrund ist auch das Mietrecht. Wenn es für Vermieter einfacher wäre, wirtschaftlich sinnvolle Chancen zum Klimaschutz zu realisieren, wären wir ein Stück weiter.
Das Interview führte Michael Kröger
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Augenwischerei und Ablenkung ist Deine Bemerkung. Verbraucht ein Mensch in Indien pro Kopf mehr fossile Brennstoffe, als einer in Deutschland? Und hilft es dem Leser, wenn man nach Ausreden sucht, die gar nichts mit der Aussage [...] mehr...
Allenfalls, wenn man die gesetzlichen Vorgaben und Regeln so einrichtet, dass tatsächlich energiesparende und schadstoffarme Produktion rentabel sind, könnte der Markt beim Klima- und Umweltschutz helfen; in allen anderen Fällen [...] mehr...
So ist er halt, der mündige VERBRAUCHER.... mehr...
Das hat nichts mit hysterische Augenwischerei zu tun - die Kunden sollen kaufen, auch wenn die alten Geräte noch brauchbar sind. Und McK & Co. propagieren genau diesen Schwachsinn. mehr...
Diesen Satz kann man gar nicht groß genug schreiben! Danke dafür! Immer wieder lustig, wenn sich unsere Weltverbesserer darüber aufregen, daß ich ein Auto fahre, daß 2 Liter mehr als der Durchschnitt verbraucht. Und danach [...] mehr...
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