Essen - Beim Essener Handels- und Touristikkonzern Arcandor, dem so namhafte Kaufhäuser wie das legendäre Berliner KaDeWe und das Alsterhaus in Hamburg gehören, geht es ums Ganze. Der neue Vorstandsvorsitzende Karl-Gerhard Eick will den Konzern sanieren und fordert dafür auch massive Zugeständnisse der Arbeitnehmer. Doch Gewerkschaftsvertreter sehen stattdessen den Staat in der Pflicht.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di fordert Staatshilfe für den angeschlagenen Konzern mit seinen Marken Karstadt, Quelle und Thomas Cook. "Staatshilfen, die dazu beitragen, Arbeitsplätze zu retten, unterstützen wir ausdrücklich", sagte die stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Margret Mönig-Raane der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ). "Alle Möglichkeiten, Arcandor zu stabilisieren, sollten genutzt werden. Dazu gehören auch Bürgschaften oder erleichterte Kredite", betonte Mönig-Raane.
Bedenken gegen eine mögliche Belastung der Steuerzahler wies sie zurück. "Dass bei einer Staatsbürgschaft Steuergelder eingesetzt werden, wäre keine Besonderheit von Arcandor", sagte die Ver.di-Vizechefin. Zugeständnisse der Mitarbeiter lehnte Mönig-Raane strikt ab. "Ein weiterer Sparbeitrag der Beschäftigten ist nicht mehr drin", betonte sie.
Arbeitnehmervertreter und Vorstand hatten sich im Herbst 2008 auf einen Sanierungsvertrag geeinigt, mit dem der Konzern über drei Jahre 345 Millionen Euro beim Personal sparen will. Mitarbeiter von Arcandor verzichten auf bis zu zwölf Prozent ihres Jahreseinkommens, im Gegenzug soll keiner von ihnen vor die Tür gesetzt werden. Bereits 2004 hatten Beschäftigte der Warenhäuser und im Versandhandel auf tarifliche Lohnerhöhungen und übertarifliche Leistungen verzichtet.
Damit geht sie auf Konfrontationskurs zum neuen Arcandor-Chef Eick, der mit einem harten Sanierungskonzept den angeschlagenen Konzern umstrukturieren und finanziell auf eine solide Basis stellen will. Dafür benötigt Eick in den nächsten fünf Jahren zusätzliche Mittel von bis zu 900 Millionen Euro.
Zudem geißelte Ver.di-Funktionärin Mönig-Raane im "Tagesspiegel" Bonuszahlungen an den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und kündigte an, sich für mehr Transparenz im Aufsichtsrat einzusetzen. Sie werde beantragen, dass künftig alle Vertragsbestandteile der Vorstandsmitglieder im gesamten Aufsichtsrat offengelegt werden, sagte sie.
Arbeitnehmervertreter hatten zuvor bereits die von Eick vorgelegten Pläne zur Sanierung des angeschlagenen Konzerns scharf kritisiert. Die geplante Ausgliederung von 12.500 Mitarbeitern in eine eigenständige Gesellschaft unter dem Namen "Atrys" sei nicht nachvollziehbar, hieß es in der am Dienstag in Berlin verbreiteten Erklärung von Ver.di und den Gesamtbetriebsräten der betroffenen Handelstöchter Karstadt und Quelle.
Bei den Mitarbeitern werde der Eindruck hinterlassen, dass Zusagen des Vorstands nicht belastbar und verlässlich seien. Die Zustimmung zu einem mit den Beschäftigten im vergangenen Herbst geschlossenen Zukunftspakt sei gekoppelt gewesen an die Zusicherung einer weitgehenden Standort- und Beschäftigungssicherung.
Eick hatte angekündigt, neben drei profitablen Luxus-Warenhäusern auch acht in den roten Zahlen steckende Karstadt-Häuser und ein Sporthaus in die Gesellschaft ausgliedern zu wollen, da es ich dabei nicht mehr um ein Kerngeschäft handele. Auch Standortschließungen könnten nicht ausgeschlossen werden, hieß es. Angaben zu einem möglichen Personalabbau machte er nicht.
Zudem sondierte der Konzernlenker nach Informationen der "Financial Times Deutschland" bereits vor zwei Wochen in Berlin Möglichkeiten staatlicher Hilfe. Dabei würden "sehr unterschiedliche Baustellen" zusammengefasst, kritisierten die Arbeitnehmervertreter. Ein Verkauf der Premium-Häuser KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger wäre dabei sogar schädlich. Die aktuelle finanzielle Situation des Konzerns sei zudem seit November 2008 bekannt gewesen. Bezogen auf das operative Geschäft habe sich seitdem nichts verschlechtert. Eick hatte sein Amt Anfang März dieses Jahres von dem scheidenden Konzernchef Middelhoff übernommen.
Ver.di-Vertreterin Mönig-Raane zeigte sich empört über Bonuszahlungen an Middelhoff. "Für mich ist es eine Zumutung, dass es für den Verkauf der Immobilien einen Bonus gab", sagte sie. "Ich bin gespannt, wie sich die Kapitalseite dazu verhält. Ich war jedenfalls über den Bonus für Herrn Middelhoff nicht informiert."
Middelhoff hatte im zurückliegenden Geschäftsjahr neben seinem Grundgehalt von 1,2 Millionen Euro einen Sonderbonus von knapp 2,3 Millionen Euro bezogen. Hintergrund sei das Erreichen zuvor vereinbarter Ziele, hatte Arcandor-Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen im vergangenen Monat bei der Hauptversammlung gesagt.
beb/AP/Reuters/dpa-AFX
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Muffin Man hat das gut beobachtet, was in der 'industriefeindlichen" Hansestadt Bremen so abläuft. Und ja, Bremen ist eine Fahrradstadt wie Oldenburg auch und man kann fast alles mit dem Rad erledigen, weil die Stadt [...] mehr...
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