Wirtschaft



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23.04.2009
 

Probleme bei VW-Übernahme

Porsche-Chef Wiedeking verliert Rückhalt

Für Porsche-Chef Wiedeking könnte es eng werden. Einem Pressebericht zufolge verliert der einst gefeierte Manager das Vertrauen der Eigentümerfamilien. Hintergrund sind Probleme bei der VW-Übernahme. Zur Diskussion steht nun der umgekehrte Deal: ein VW-Einstieg bei Porsche.

Hamburg - "Wiedeking wackelt", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Donnerstag unter Berufung auf Insider. Demnach verliere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zunehmend den Rückhalt bei den Eigentümerfamilien Piëch und Porsche. Offenbar machten sich die beiden Familien inzwischen große Sorgen über die Zukunft ihres Unternehmens, hieß es. Sie hätten Angst, dass sich Porsche mit der Übernahme des 15-Mal größeren VW-Konzerns übernehmen könnte.

Porsche-Chef Wiedeking: Schwierigkeiten beim wichtigsten Projekt
DPA

Porsche-Chef Wiedeking: Schwierigkeiten beim wichtigsten Projekt

Bereits am Dienstag hatte die Münchner "Abendzeitung" gemeldet, Wiedeking stehe vor der Ablösung. Die Boulevardzeitung wollte aus der Sitzordnung bei der Automesse in Shanghai abgelesen haben, dass der langjährige Porsche-Lenker am Ende sei. Dort hatte am Sonntag VW-Chef Martin Winterkorn neben Aufsichtratschef Wolfgang Porsche Platz genommen - Wiedeking selbst saß abseits.

Porsche wies diese Darstellung damals zurück. Auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte am Rande der Hannover Messe: "Davon weiß ich nichts. Das Thema ist mir vollkommen neu." Niedersachsen ist der zweitgrößte VW-Eigner nach Porsche und ringt mit dem Sportwagenhersteller um die Macht in Wolfsburg.

Mittlerweile verdichten sich jedoch die Hinweise. Das manager magazin meldete am Mittwoch, dass es bei Wiedekings wichtigstem Projekt - der Übernahme von Europas größtem Autohersteller Volkswagen - erhebliche Schwierigkeiten gebe. Demnach hat Porsche offenbar größere Finanzierungsprobleme als bislang bekannt. Nach Informationen des Magazins können die Eigentümerfamilien die Übernahme des VW-Konzerns wohl nicht mehr aus eigener Kraft stemmen. Geplant sei nun eine Kapitalerhöhung - und die Suche nach einem Großinvestor.

Nach SPIEGEL-Informationen könnte die Zusammenarbeit von VW und Porsche vor einer 180-Grad-Wende stehen. Denn nach der Übernahme von Volkswagen durch Porsche wird in Wolfsburg mittlerweile das Gegenteil diskutiert - dass Volkswagen seinerseits bei Porsche einsteigt. Die Idee dazu stammt von Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch, früher selbst VW-Vorstandsvorsitzender.

Bislang sitzt in dem Konzernverbund ganz oben die Porsche Automobil Holding SE. Sie hält 50,8 Prozent der Anteile an VW und 100 Prozent an der Sportwagenfirma Porsche. Nun könnte VW der Porsche Holding das Automobilgeschäft der Sportwagenfirma abkaufen. Die Porsche Holding wäre dann eine reine Finanzgesellschaft, die weiterhin ihre Anteile am VW-Konzern hält. Aber der VW-Konzern könnte das gesamte operative Geschäft mit Marken wie Volkswagen, Audi, Bentley und dann auch Porsche führen.

Die Porsche Holding könnte mit einem solchen Deal ihre Schulden fast komplett tilgen, die aus der VW-Übernahme stammen. Aber sie würde sich selbst entmachten. Für Wiedeking wäre das der GAU.

An diesem Donnerstag berichtet nun auch die "Financial Times Deutschland" (FTD) über die Möglichkeit eines solchen Geschäfts. Demnach könnte Volkswagen den Spieß umdrehen und seinerseits Porsche schlucken. Dazu müssten aber die Familien Porsche und Piëch mitziehen, da bei ihnen die Stammaktien liegen. Auch die "FAZ" schreibt, eine Variante sei, dass VW der Porsche Holding das operative Sportwagengeschäft abkaufen könnte.

Laut "FTD" lotet VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch derzeit Wege zur Übernahme von Porsche aus. Die Zeitung beruft sich auf Insider. Niedersachsen als Großaktionär unterstütze die Planspiele der VW-Führung. Ministerpräsident Wulff "spielt eine konstruktive Rolle", sagte ein Beteiligter der Zeitung. Es sei jedoch sicher, dass Wulff im Gegenzug für seine Unterstützung die Sicherung von VW-Standorten in Niedersachsen fordern werde. Das Bundesland hält gut 20 Prozent der VW-Aktien und hat damit ein Vetorecht, das ihm die Blockade wichtiger Unternehmensentscheidungen ermöglicht.

Offiziell äußert sich keiner der Beteiligten zu der heiklen Angelegenheit. VW-Chef Winterkorn betonte vielmehr auf der Hauptversammlung in Hamburg am Donnerstag die Vorteile der Allianz mit dem Haupteigentümer Porsche: "Auf dem Weg des Zusammenwachsens sind wir in den vergangenen Monaten ein gutes Stück vorangekommen. Und ich bin mir sicher, dass wir unsere Partnerschaft im laufenden schwierigen Autojahr 2009 vorantreiben können und werden."

Winterkorn bekräftigte, man wolle mit dem VW-Konzern an die Spitze der Automobilindustrie. Aktuell stehe die Branche jedoch vor einer Jahrhundertprüfung. Für die gesamte Branche rechnet der Konzern in diesem Jahr mit einem Rückgang des weltweiten Absatzes von 55 Millionen auf weniger als 47 Millionen Fahrzeuge.

Für das eigene Unternehmen wollte der VW-Chef keine genaue Prognose wagen. Winterkorn wiederholte frühere Aussagen, dass Absatz, Umsatz und Ergebnis 2009 unter dem Wert des Vorjahres liegen würden. Unter dem Strich werde es aber einen Gewinn geben.

Wegen der Krise müssten alle Kosten und Investitionen überprüft werden. Alle nicht produktbezogenen Ausgaben sollten zurückgefahren werden. Die Sparmaßnahmen sollten jedoch nicht auf Kosten der Zukunft gehen.

Für neue Modelle und Technologien sollen weiterhin jährlich mehr als acht Milliarden Euro ausgegeben werden. Bis 2010 sollen über 20 zusätzliche, vollkommen neue Modelle auf den Markt gebracht werden.

Gleichzeitig kündigte Winterkorn jedoch auch harte Einschnitte an. Die Verträge vieler Leiharbeiter könnten nicht verlängert werden. Wichtigstes Ziel bleibe jedoch, die Stammbelegschaft an Bord zu halten. VW beschäftigt weltweit 370.000 Menschen, davon 90.400 in Deutschland. Zuletzt hatte das Unternehmen weltweit alle 16.500 Leiharbeiterstellen gestrichen.

wal/dpa/AFP/Reuters/dpa-AFX/AP

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