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24.04.2009
 

Trügerischer Indikator

Ifo-Index steigt - Abschwung geht weiter

Eine Analyse von Sebastian Dullien

Der Ifo-Index für das Wirtschaftsklima verbessert sich, der Dax legt zu, Optimisten hoffen schon auf ein Ende der Krise - zu früh. Die Auftragslage der Firmen bleibt miserabel, die große Entlassungswelle beginnt gerade erst. Der Konjunkturabsturz verlangsamt sich, aber er dauert an.

Berlin - Kaum scheint ein paar Tage die Sonne über Deutschland, stecken auch die Konjunkturoptimisten die Köpfe wieder aus den Löchern: Der deutliche Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex wie auch der Anstieg des ZEW-Index zu den Konjunkturerwartungen unter Finanzmarktanalysten zeige, dass die Talsohle jetzt erreicht sei, tönt es nun. Schon das zweite Halbjahr 2009 könnte wieder besser werden.

Container-Terminal Burchardkai im Hamburger Hafen: Aus einem schnellen, spürbaren Aufschwung wird nichts
DDP

Container-Terminal Burchardkai im Hamburger Hafen: Aus einem schnellen, spürbaren Aufschwung wird nichts

Doch so sehr sich das einige wünschen: Aus einem schnellen, spürbaren Aufschwung wird nichts. Die Arbeitslosigkeit wird stattdessen weit ins Jahr 2010 weiter steigen, auch die Produktion in der deutschen Industrie dürfte noch weiter fallen. Die Idee eines guten zweiten Halbjahres 2009 nach dem dramatischen Einbruch zum Jahresbeginn dürfte Wunschdenken bleiben.

Die Optimisten argumentieren, dass eine Teilkomponente des Ifo-Index, jene der Geschäftserwartungen, nun zum vierten Mal in Folge gestiegen sei. Üblicherweise wird so etwas als stabiler Trend interpretiert. Zudem hat der Gesamtindex im April kräftig zugelegt und liegt nun wieder über dem Niveau vom Dezember 2008.

Doch all das deutet leider bestenfalls auf eine Stabilisierung des Absturzes hin, nicht auf einen neuen Aufschwung. Schaut man in die Details der Ifo-Umfragen, so stellt man fest, dass immer noch eine überwältigende Mehrheit der befragten Unternehmen eine weitere Verschlechterung ihrer Situation in den kommenden Monaten erwartet. Der Anteil der Unternehmen, die sagen, dass sie für das nächste halbe Jahr mit ungünstigeren Geschäftsbedingungen rechnen, übersteigt den Anteil der Optimisten noch um mehr als 30 Prozentpunkte. Ebenfalls eine deutliche Mehrheit berichtete von erneut schlechteren Geschäften im April. Absolut gesehen liegt der Ifo-Index immer noch auf historisch niedrigem Niveau.

In den vergangenen Monaten sind die Aufträge noch deutlicher eingebrochen als die Produktion; manche Branchen verbuchten ein Minus von fast 50 Prozent. In den kommenden Monaten ist deshalb mit einem weiteren Rückgang der Herstellung zu rechnen, auch wenn jetzt wieder etwas mehr Bestellungen einlaufen.

Zum Autor

Sebastian Dullien, Jahrgang 1975, ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin und Senior Policy Fellow beim European Council on Foreign Relations. Er beschäftigt sich vor allem mit der Euro-Krise.
Das Problem ist, dass derzeit keine Kraft zu erkennen ist, die Deutschland einen echten neuen Aufschwung bescheren könnte. Der Export mag sich zwar etwas erholen, wenn sich die Wirtschaft in den USA und Asien stabilisiert. Angesichts enormer globaler Überkapazitäten wird aber so schnell kein neuer Investitionsboom in den Schwellenländern einsetzen, der dem deutschen Maschinenbau wieder volle Auftragsbücher bescheren könnte. Vom jetzigen Niveau müssten sich die Aufträge der Investitionsgüterindustrie fast verdoppeln, um wieder auf das Niveau von vor einem Jahr zu kommen.

Auch aus dem Inland ist wenig zu erwarten: Ohne Exportaufträge und mit kaum ausgelasteten Kapazitäten werden die deutschen Firmen kaum mehr investieren. Angesichts der dramatischen Auftragslage werden sich vielmehr viele Firmen zu Entlassungen gezwungen sehen. Und weil derzeit die Entlassungswellen anlaufen und mit steigender Arbeitslosigkeit den Deutschen eher weniger als mehr zum Ausgeben bleibt, werden auch die Bürger kaum ihre Portemonnaies öffnen und für einen Konsumboom sorgen.

Einen kräftigen Anstieg der Ifo-Geschäftserwartungen und der ZEW-Konjunkturerwartungen ohne einen Aufschwung gab es übrigens schon einmal: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Damals wie heute setzten viele Analysten darauf, dass Dank der kräftigen Zinssenkungen und der massiven Konjunkturprogramme vor allem in den USA die Wirtschaft auch in Deutschland bald wieder anziehen würde. Von Ende 2001 bis Mitte 2002 legten damals die Frühindikatoren kräftig zu, besonders die Geschäftserwartungen erholten sich kräftig. Im Sommer 2002 brach das Stimmungshoch dann ab, die Indikatoren stürzten wieder ab. Die deutsche Wirtschaft kriselte bis ins Jahr 2005 weiter.

Damals war es wohl der drohende Irakkrieg und der Ölpreisanstieg, der eine schnelle Erholung verhinderte. Diesmal sind es die Probleme im Bankensystem und die enorme Unterauslastung der Kapazitäten, die eine schnelle Erholung unwahrscheinlich machen. Zwar haben die Zentralbanken die Zinsen kräftig gesenkt, aber wegen der Probleme im Bankensektor und des eingebrochenen Welthandels wird es wesentlich länger dauern, bis das Wirkung zeigt.

Im Sprichwort heißt es: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Konjunkturell ist allerdings noch nicht einmal eine Schwalbe zu sehen, sondern bestenfalls eine Wolke, die manche für eine Schwalbe halten. Der Aufschwung wird noch auf sich warten lassen - leider.

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