Washington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird eine sofortige Finanzspritze von 250 Milliarden Dollar erhalten. Darauf hat sich am Samstag das Lenkungsgremium der Institution, der Internationale Währungs- und Finanzausschuss (IMFC), geeinigt. Der IMFC steuert die Geschicke des IWF, seine 24 Mitglieder - darunter Deutschland - repräsentieren die wichtigsten Anteilseigner der Institution.
Mit der Finanzhilfe, bei der es sich um die Hälfte der Anfang April auf dem G-20-Gipfel in London versprochenen 500 Milliarden Dollar handelt, soll der IWF in die Lage versetzt werden, stark in Bedrängnis geratene Länder zu unterstützen. Gegenwärtig stehen dem IWF hierfür gerade 50 Milliarden Dollar zur Verfügung.
Die Gesundung des Finanzsektors, weltweite Konjunkturpakete und niedrige Notenbankzinsen sind nach Auffassung des IMFC weiterhin unverzichtbar, um die Weltwirtschaft wieder in die Spur zu bringen. Wie das IWF-Lenkungsgremium im Rahmen der IWF-Jahrestagung in Washington betonte, "sind wir weiter verpflichtet, zusätzliche Maßnahmen zu beschließen, um eine wirtschaftliche Erholung einzuleiten". Gleichzeitig seien Maßnahmen notwendig, die zu einer Belebung der Kredit- und internationalen Kapitalflüsse führen. Darüber hinaus spricht sich das Lenkungsgremium für weitere Konjunkturpakete aus; allerdings innerhalb eines "glaubwürdigen" und "nachhaltigen" Rahmens.
Der geschäftsführende Direktor des IWF, Dominique Strauss-Kahn, hob auf einer Pressekonferenz im Anschluss an die Gespräche im IMFC vor allem die Notwendigkeit hervor, das Finanzsystem von sogenannten toxischen Wertpapieren zu reinigen. Eine vollständige Erholung der Weltwirtschaft hänge entscheidend davon ab, die Banken wieder zur Kreditvergabe zu bewegen, sagte er.
Die Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zum Abschreibungsbedarf auf die weltweiten Wertpapierausfälle haben offenbar zahlreiche Finanzminister der G-7-Länder als zu hoch bezeichnet. "Viele von uns haben die Prognosen des IWF sehr distanziert kommentiert", sagte die französische Finanzministerin Christine Lagarde am Wochenende in Washington nach dem G-7-Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure. Die Prognose über Wertpapierausfälle in Höhe von insgesamt 4,1 Billionen Dollar sei zu hoch.
Nach Einschätzung der Finanzminister und Notenbankgouverneure der G7-Länder dürfte es noch im späteren Jahresverlauf zu einer Erholung der Weltwirtschaft kommen. Aktuelle Daten wiesen bereits darauf hin, dass sich der Abschwung verlangsamt habe und dass es Anzeichen für eine konjunkturelle Stabilisierung gebe, betonten die Vertreter der führenden Industrieländer in ihrer am Freitag in Washington veröffentlichten Erklärung.
Die deutsche Delegation zeigte sich vor allem zufrieden damit, dass die Abschlusserklärung weiteren Handelsschranken eine Absage erteile. "Das ist aus unserer Sicht ein richtiger und wichtiger Schritt", sagte Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen, der Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) vertrat. "Das ist für uns als Exportnation sehr wichtig, deshalb sind wir froh." Neben Asmussen nahm auch Bundesbankpräsident Axel Weber an den G7-Gesprächen teil.
Michael Wojtek, ddp
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