Hamburg/Berlin/München - Der Vizekanzler äußert sich zu Magna: Nachdem das Ringen um eine Übernahme des angeschlagenen Autobauers Opel sich am Wochenende zu einem immer lauteren Polit-Streit entwickelt hat, wurde nun in der "Financial Times Deutschland" ("FTD") auch die Position von Frank-Walter Steinmeier bekannt.

SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier: Mehrere Treffen mit Magna
Steinmeier habe schon mehrfach mit dem Europa-Chef von Magna, Siegfried Wolf, und dem heutigen Magna-Aufsichtsrat und früheren österreichischen Bundeskanzler Franz Vranitzky geredet, berichtet die "FTD". Zudem habe er am vergangenen Freitag mit Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gesprochen, um eine zu frühe Festlegung auf einen Investor zu verhindern. Guttenberg verhandelt nach SPIEGEL-Informationen Anfang dieser Woche direkt mit Magna.
Der Sprecher des Außenministers, Jens Plötner, erklärte am Montag in der Bundespressekonferenz, Steinmeier habe in den letzten Tagen eine Reihe von Telefonaten mit "Vertretern dieses Unternehmens" geführt. Dabei sei Stillschweigen über die Inhalte vereinbart worden. Man könne aber davon ausgehen, dass er einen "durchaus positiven Eindruck" vom bisherigen Engagement dieses Unternehmens gewonnen habe, so der Sprecher, womit er sich indirekt auf Magna bezog.
Politische Debatte nimmt weiter Fahrt auf
Am Montag hat sich auch Volker Kauder in die Diskussion über eine Opel-Rettung eingeschaltet. Der Unionsfraktionschef sieht jetzt erst einmal den Autobauer am Zug. "Opel muss sagen, mit wem Opel in die Zukunft gehen will", sagte Kauder. Der Autokonzern gehöre nach wie vor nicht dem Staat. Die Regierungen würden Opel dann helfen, wenn es sich um "sinnvolle Investitionen" handele.
Der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus will derweil den Erhalt deutscher Opel-Standorte zum Prüfstein für mögliche Investoren machen. Zur Debatte über einen Einstieg von Fiat sagte der CDU-Politiker am Montag: "Wir haben nur für diejenigen Investoren Präferenz, die wirklich auch zum Beispiel Rüsselsheim, Bochum, Eisenach als Standorte zukunftsfähig erhalten wollen." Ähnliche Forderungen hatte zuvor bereits die Bundesregierung gestellt.
Der italienische Autokonzern Fiat, ebenfalls heißer Anwärter auf eine Opel-Übernahme, hat dies nach Informationen von SPIEGEL ONLINE schon zugesichert. Allerdings bedeute dies nicht, dass auch die jetzigen Kapazitäten der Werke in Deutschland garantiert werden könnten, sagte ein Insider aus Turin, der direkt an den Verhandlungen beteiligt ist.
Die vielen negativen Reaktionen aus Deutschland haben Fiat nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen verwirrt. Die Italiener sind demnach verärgert über den nationalen Zungenschlag, der sich in die Debatte über die Zukunft von Opel eingeschlichen hat. Sie verweisen darauf, dass bereits heute zwei von sieben Top-Positionen in Turin von Deutschen besetzt seien: Chefingenieur und Produktionschef.
Am Wochenende war im Unionslager Streit über Fiat als möglichen Investoren ausgebrochen. Guttenberg hatte beklagt, dass gegen den italienischen Autobauer gewettert werde, ohne dass dessen Konzept bekannt sei. Zuvor hatte der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) vor einer Opel-Übernahme durch Fiat gewarnt.
Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE haben Guttenberg und General Motors bereits zu Zeiten von GM-Boss Rick Wagoner über eine Opel-Übernahme durch Fiat verhandelt. Ein Kauf der deutschen GM-Tochter ist für Fiat allerdings nicht die einzige Option. Die Italiener verhandeln parallel auch über eine Chrysler-Übernahme. Nur wenige Experten glauben, dass Fiat im Zweifelsfall beide Konkurrenten schlucken könnte. Eher wird Konzernchef Sergio Marchionne nachgesagt, dass er sich beide Optionen offenhält, um in den Verhandlungen mehr Druck aufbauen zu können.
ssu/sev/AFP/AP/dpa/Reuters
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