Von Marc Pitzke, New York
Die US-Notenbank hat die Banken kürzlich gezwungen, wenigstens die oft grotesken Geschäftsbedingungen transparenter zu gestalten. Alle weiteren Konzessionen lehnten die Unternehmen bisher jedoch ab. "Ich sehe ein, dass Sie alles, was über die Aktionen der Fed hinausgeht, als Overkill sehen", räumte auch Obama bei dem Treffen im Weißen Haus ein. Doch fügte er hinzu: "Ich bin anderer Meinung."
Die Banken haben indes ihr eigenes Problem mit dem Plastikgeld. Wie einst die Ramsch-Hypotheken haben sie auch die Kreditkartenschulden zu "kreativen" Spekulationsvehikeln gebündelt und an institutionelle Investoren weiterverkauft, etwa an Pensions- und Hedgefonds. Damit ermöglichten die Kartenunternehmen ihren Kunden immer neue Kreditlinien - auch für die, die sich das eigentlich nicht leisten konnten.
Und wie bei der Subprime-Krise droht das System jetzt zu kollabieren, weil das schwächsten Glied in der Kette versagt: Werden die ursprünglichen Schuldner zahlungsunfähig, bricht irgendwann das ganze Kartenhaus zusammen. Um sich dagegen abzusichern, erhöhen die Banken nun die Zinsen - und beschleunigen den Zusammenbruch damit nur.
Republikaner lehnen Eingriffe ab
Nun greift der US-Kongress ein, mit Obamas Flankenschutz. Anfang dieser Woche will das Repräsentantenhaus einen Gesetzesentwurf billigen, der unter anderem die Gebühren - derzeit 15 Milliarden Dollar im Jahr - und Zinsen verringern soll. Obama mahnte weitere Eingriffe an: "Einfache Sprache" bei den Kreditkarten-Kontoauszügen, neue "unkomplizierte Kreditkarten" - und verstärkte staatliche Aufsicht der Kartenfirmen.
Solche Maßnahmen dürften allerdings im Senat auf scharfen Widerstand der Republikaner stoßen. Es zeichnen sich langwierige Verhandlungen ab, dessen Ergebnis den drangsalierten Kartenkunden frühestens im nächsten Jahr zu Gute kommt.
Zumal der Kongress unter der Führung der Konservativen einst selbst die Fundamente für die heutige Kreditkartenkrise gelegt hat. Vor vier Jahren verabschiedete die Versammlung mit republikanischer Mehrheit ein Gesetz, das es den Amerikanern erschwerte, aus der privaten Schuldenspirale zu entkommen, den Banken dagegen freiere Hand gab. Das Regelwerk glich einem Kotau vor der Bankbranche, die das Vorhaben mit Lobby-Arbeit und Wahlkampfspenden unterstützt hatte.
Doch die Zeiten haben sich geändert: Jetzt saßen die Chefs dieser Banken artig im Roosevelt Room des Weißen Hauses, um sich von Obama maßregeln zu lassen. Top-Berater Summers war dabei der einzige, der einnickte: "Alle anderen im Raum", berichtete der anwesende Pool-Reporter Keith Koffler vom Kongressdienst "Roll Call" hinterher, "schienen hellwach."
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