Wirtschaft



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27.04.2009
 

Autoindustrie

Opel-Fans hoffen auf das Magna-Wunder

Von Anselm Waldermann

Sie misstrauen Fiat, deshalb plädieren sie für den anderen Interessenten: Der Autozulieferer Magna soll den Zuschlag für Opel bekommen, fordern Betriebsräte und Politiker. Hinter dem Unternehmen stecken ein schillernder Multimilliardär - und russische Geldgeber.

Hamburg - Entschieden ist noch nichts, aber es gibt eine Präferenz: Opel soll, wenn möglich, an den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna verkauft werden. Das zumindest wünschen sich Betriebsrat und IG Metall. Auch viele Politiker hoffen auf ein Engagement der Austro-Kanadier.

Magna-Gründer Stronach (bei Fußballspiel 2008): "Interessante Option"
DPA

Magna-Gründer Stronach (bei Fußballspiel 2008): "Interessante Option"

Was die Magna-Fans eint: Sie wollen um jeden Preis verhindern, dass Fiat bei Opel einsteigt. Sollten die Italiener in Rüsselsheim an die Macht kommen, könnten massenweise Jobs wegfallen. "Fiat hat ähnliche Probleme wie Opel", ätzt Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Das Unternehmen werde "Kapazität reduzieren müssen, um zu überleben".

Da hilft auch nicht, dass Fiat-Chef Sergio Marchionne nach Informationen von SPIEGEL ONLINE alle vier Opel-Standorte in Deutschland erhalten will. Beide Unternehmen sind sich einfach zu ähnlich - im Falle eines Zusammenschlusses wäre ein eisernes Sparprogramm unausweichlich.

Als Alternative bietet sich deshalb Magna an. Vor kurzem war der Autozulieferer nur wenigen Deutschen ein Begriff. Nun sehen viele in dem Unternehmen den künftigen Opel-Retter.

Nach SPIEGEL-Informationen wird sich Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in dieser Woche mit Magna-Vertretern treffen: "Wir werden einen Einstieg selbstverständlich ernsthaft prüfen." Auch Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) hält Magna laut "Financial Times Deutschland" für eine "interessante Option". Schon mehrfach habe er mit dem Europa-Chef des Unternehmens, Siegfried Wolf, gesprochen.

Doch was will Magna mit Opel anfangen? Welche Interessen verfolgt das Unternehmen? Und wer steckt dahinter?

Magna ist einer der fünf größten Autozulieferer der Welt. Das Unternehmen beschäftigt in 25 Ländern 82.000 Mitarbeiter, davon 11.000 in Deutschland. Der Konzern hat seinen Sitz in Kanada, in der Nähe von Toronto. Die Europazentrale liegt im österreichischen Oberwaltersdorf.

Die Geschichte des Unternehmens ist eng mit der ihres Gründers verbunden: Frank Stronach, 76 Jahre, schillernder Multimilliardär, Sportfanatiker und Kunstmäzen. Gewerkschaften verachtet der Unternehmer, seine Mitarbeiter vertrauen ihm trotzdem: Schon in den siebziger Jahren hat er seiner Firma eine Verfassung verordnet, die den Beschäftigten einen festen Anteil am Gewinn zusichert.

Der heimliche Kaiser Österreichs

Angefangen hat der Manager ganz unten. Geboren wurde Frank Stronach 1932 als Frank Strohsack in einer dörflichen Elendssiedlung in der Steiermark. Nach einer Ausbildung zum Werkzeugmacher wanderte er mit 22 Jahren nach Kanada aus. Drei Jahre später eröffnete er einen Einmannbetrieb für Werkzeuge - der Grundstein seines Imperiums.

Die Garagenfirma produzierte zunächst Sonnenblenden für General Motors Chart zeigen. Später kamen Sitze, Türschließanlagen, Spiegelsysteme und Antriebsstränge hinzu. 1969 fusionierte das Unternehmen mit Magna Electronics und übernahm dessen Namen.

Heute beliefert Magna fast alle großen Autokonzerne. Zu den Kunden gehören US-Hersteller wie Chrysler und Ford Chart zeigen ebenso wie die europäischen Anbieter Porsche Chart zeigen, Volkswagen Chart zeigen oder Daimler Chart zeigen. Manche Fahrzeuge produziert der Zulieferer sogar selbst, zum Beispiel das Peugeot 308 Coupé, den Aston Martin Rapide oder demnächst den Gelände-Mini. Den BMW X3 hat Magna selbst entwickelt.

Der unternehmerische Erfolg steht in krassem Gegensatz zu Stronachs Auftreten: Der Manager trug früher lange Haare - und gerne mal ein weit geöffnetes Hawaiihemd. Sein Englisch klingt nach all den Jahren in Kanada immer noch hölzern. Doch Kunden schätzen seine Offenheit - wer will, kann seine Werkshallen jederzeit besichtigen, heißt es.

In den achtziger Jahren kehrte Stronach in seine Heimat zurück - als triumphaler Sieger. 1988 übernahm er den österreichischen Zulieferer Steyr-Daimler-Puch, wenig später errichtete er in der Alpenrepublik Magnas Europazentrale. Seine engsten Mitarbeiter rekrutiert Stronach gerne aus der Steiermark. Was zählt, sind handwerkliche Solidität und unbedingte Loyalität.

Ein weiterer Grund für Stronachs Erfolg: enge Kontakte zur Politik. Im Magna-Aufsichtsrat saßen schon Größen wie der frühere Weltbank-Präsident James Wolfensohn oder der einstige österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky. Der Unternehmer gilt als "der heimliche Kaiser Österreichs", so der Titel eines Buchs über ihn.

Auch in Kanadas Politik versuchte der Manager mitzumischen. Er selbst kandidierte bei einer Parlamentswahl, seine Tochter Belinda bewarb sich um den Parteivorsitz der kanadischen Konservativen.

Als Mäzen machte sich Stronach ebenfalls einen Namen - auch wenn ihn Kritiker als "egomanischen Autokraten" beschimpften. Er unterstützte die Wiener Staatsoper und den Wiener Musikverein, verteilte Millionensummen an Fußballclubs, vor allem an den Traditionsverein Austria Wien. Jahrelang war er Präsident der österreichischen Fußballliga und leitete einen exklusiven Rennpferdeclub. Die Technische Universität Graz gründete 2004 gar ein "Frank-Stronach-Institut".

Die Konzernführung hat Stronach mittlerweile abgegeben, doch als Aufsichtsratschef lenkt er immer noch die Geschicke der Firma. Nur einmal geriet seine Macht ins Wanken - als vor zwei Jahren der russische Oligarch Oleg Deripaska mit 43 Prozent bei Magna einstieg. Mittlerweile ist Deripaskas Milliardenvermögen kräftig geschrumpft, seine Magna-Anteile gehören nun einer Bank. Stronach sitzt wieder fest im Sattel.

Magna braucht Hilfe aus Russland

Also alles bestens bei dem Zuliefergiganten? Nicht ganz. Die Autokrise bekommt auch Magna zu spüren: Im vergangenen Jahr sank die Produktion von 248.000 auf 125.000 Fahrzeuge. Die Schieflage beim Großkunden Chrysler tut besonders weh, auch in Europa mussten viele Magna-Beschäftigte in Kurzarbeit gehen.

Alleine kann Magna die Opel-Übernahme deshalb kaum stemmen. Realistisch dürfte ein gemeinsames Gebot mit anderen Investoren sein. Laut "Bild am Sonntag" gibt es bereits zwei potente Partner - beide stammen aus Russland.

Das eine Unternehmen ist der russische Autohersteller GAZ, der unter anderem den "Wolga" produziert.

Das andere ist die staatlich kontrollierte Sberbank. Sie gilt als die größte Bank Osteuropas, wichtigster Anteilseigner ist mit rund 60 Prozent die Zentralbank der Russischen Föderation. Geführt wird die Sberbank von dem ehemaligen russischen Wirtschaftsminister und Putin-Vertrauten German Gref. Indirekt würde damit der Kreml bei Opel mitmischen.

Doch was hätte Magna davon? Als Daimler vor zwei Jahren Chrysler zum Kauf anbot, galt Magna schon einmal als Interessent für eine Minderheitsbeteiligung. Damals wiegelte Europa-Chef Wolf noch deutlich ab: "Magna hat nicht vor, mit anderen Autoherstellern zu konkurrieren."

Das Argument müsste heute noch genauso gelten. Warum sollte Magna bei Opel einsteigen - und dann Zulieferaufträge vom Konkurrenten VW verlieren?

"Magna bringt Opel nicht weiter"

Stronach-Biograf Norbert Mappes-Niediek gibt eine einfache Erklärung: "Auto-Freaks wollen irgendwann eigene Autos bauen." Mit Blechteilen allein gebe sich der Selfmademan aus der Steiermark nicht mehr zufrieden. Auch Auto-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler vermutet hinter Magnas Interesse an Opel "ein persönliches Motiv" des Firmengründers.

Rein betriebswirtschaftlich sieht der Experte einen Einstieg der Austro-Kanadier kritisch. "Im eigentlichen Autogeschäft bringt Magna Opel nicht weiter." Gemeinsam mit Fiat könnte Opel voll auf Masse setzen, sagt Pieper. "Diesen Größenvorteil kann Magna nicht liefern."

Trotzdem gilt Magna für viele als Favorit. Ministerpräsident Koch lobt, dass es bei Opel und Magna "sehr viele Überschneidungen an Wissen und Können, aber keine Überschneidungen im täglichen Tun am Markt gibt". IG-Metall-Bezirkschef Armin Schild schwärmt ebenfalls über Magna: "Das ist ein vielversprechender Interessent."

Auch die Opel-Führung hat laut "Süddeutscher Zeitung" eine klare Präferenz. Man habe "sehr gute Erfahrungen" mit Magna gemacht, berichten Manager. Es sei "gegenseitiges Vertrauen" entstanden und man liege beim "Qualitätsdenken auf einer Wellenlänge".

Für Magna sprechen außerdem die Nachteile einer Allianz mit Fiat. So benötigt Opel besseren Zugang zu den Märkten in den USA und Asien. Dort aber sind die Italiener kaum vertreten. Auch technologisch hat Fiat eher Nachholbedarf. Die Befürchtung in Rüsselsheim: Nach einer Übernahme könnte Know-how nach Italien abfließen. Ganz anders bei Magna. Die Austro-Kanadier könnten Opel zweierlei bieten: ausgefeilte Technik und frisches Kapital.

Deutsche Autobranche könnte 100.000 Jobs verlieren

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer glaubt denn auch an eine gemeinsame Zukunft der beiden Unternehmen. "Das wäre eine langfristige Lösung, die schon in den nächsten Wochen festgelegt werden könnte", sagt Dudenhöffer. "Opel und Magna passen gut zusammen."

Eines steht in jedem Fall fest: Der Staat wird ein großes Wort mitreden. Ein Investor für Opel werde sich nur finden, wenn für die Anfangsjahre "ein beträchtlicher Teil mit staatlichen Bürgschaften abgesichert ist", sagt Ministerpräsident Koch. Die Bedingung dafür liefert der CDU-Politiker gleich mit: Voraussetzung für jede staatliche Hilfe sei, "dass der Investor möglichst viele Arbeitsplätze erhält".

Experten halten genau das für das Problem. Denn die Autoindustrie hat enorme Überkapazitäten - an einem Jobabbau kommt deshalb keiner vorbei. Fachmann Dudenhöffer erwartet ebenso wie sein Kollege Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft, dass die Branche in den kommenden Jahren allein in Deutschland 100.000 Arbeitsplätze verlieren wird. Auch ein Investor Magna kann daran nichts ändern.

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Anders ausgedrückt, sie weigern sich den Arbeitsplatzerhalt von GM und Magna in Rechnung stellen zu lassen. mehr...

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13.09.2009 von peterman: Opel ist nicht zu retten.

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