Berlin - Er hat nichts dazugelernt - auf jeden Fall aus Sicht der SPD: Das Beharren Josef Ackermanns "auf dem völlig überzogenen Renditeziel von 25 Prozent ist ein Skandal", sagte Vize-Fraktionschef Joachim Poß am Dienstag in Berlin. Er kritisierte die Verlängerung des Vertrags des Deutsche-Bank-Chefs deshalb als "schlimmes Signal": Einige in der Branche "können und wollen offenbar nichts dazu lernen".
Die Deutsche Bank hatte am Montag nach einer Aufsichtsratssitzung mitgeteilt, dass Ackermann drei Jahre länger im Amt bleibt als geplant. Ackermann habe der Bitte des Gremiums entsprochen, seinen Vertrag bis zur Hauptversammlung 2013 zu verlängern. Eigentlich wollte der Schweizer die größte deutsche Bank mit Auslaufen seines Vertrags zur Hauptversammlung 2010 verlassen.
Ackermann hatte sich gleichzeitig optimistisch für den weiteren Geschäftsverlauf des größten deutschen Geldhauses gezeigt. Eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent lasse sich auch erzielen, ohne dass man größere Risiken eingehe. Dies hätten die Ergebnisse der Deutschen Bank
im ersten Quartal gezeigt. Nach dem Rekordverlust im vergangenen Jahr war das Institut mit einem überraschend hohen Gewinn ins Jahr gestartet. Der Nettogewinn betrug in den ersten drei Monaten 1,2 Milliarden Euro.
Poß erklärte, die "irrwitzigen Renditevorgaben der Banken" seien eine zentrale Ursache für die Bereitschaft der Branche gewesen, unverantwortliche Risiken einzugehen. Dies habe die Weltwirtschaft an den Abgrund gebracht. Während die Branche noch um milliardenschwere Rettungspakete feilsche, verkünde Ackermann "fröhlich das Credo des 'Weiter so, ist doch alles prima'". Die Finanzwirtschaft solle sich schnellstens von ihm distanzieren: "Er eignet sich künftig weder als Sprachrohr der Branche noch als Gesprächspartner der Politik", kritisierte Poß.
sam/Reuters/dpa-AFX/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Finanzkrise ab 2007 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH