Kast: Ich will die Kennzeichnung gar nicht anfechten, das ist ein völlig legitimer Weg. Ich bin nur gegen politische Bevormundung. Wenn VW einen neuen Passat auf den Markt bringt und die Nachfrage gering ist, sagt auch nicht der TÜV, dass dem Fahrzeug deswegen die Zulassung entzogen wird.
SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass die CSU ihre grundsätzlich gentechnikfeindliche Linie durchhalten kann?
Kast: Wenn der bayerische Umweltminister Markus Söder sagt, er möchte gentechnisch veränderte Pflanzen nicht zu sich nehmen, habe ich Verständnis dafür. Das ist Geschmackssache. So wie die Frage, ob man Lederhosen anzieht oder nicht. Aber Grüne Gentechnik zu verbieten, das wird nicht hinhauen.
SPIEGEL ONLINE: Und wenn sich Bayern trotzdem querlegt, etwa bei Ihrem Freilandversuch im bayerischen Möttingen mit pilzresistenten Kartoffeln?
Kast: Wenn dies trotz Genehmigung verboten würde, was ich mir nicht vorstellen kann, müssten wir uns überlegen, ob wir Rechtsmittel einlegen, einen Alternativstandort suchen - oder beides.
SPIEGEL ONLINE: Nicht nur BASF gerät unter politischen Druck. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) führte beim Genmaisverbot von MON 810 der Firma Monsanto neue wissenschaftliche Erkenntnisse über Risiken an und muss diese vor Gericht rechtfertigen. Wird ihr das gelingen?
Kast: Ich denke nein, denn die Mehrheit der Wissenschaftler hält diese Studien nicht für belastbar. Dem Ministerium zugeordnet sind die führenden Wissenschaftler in Deutschland, die so etwas beurteilen können. Wenn die nur die geringsten Zweifel hätten, würden sie nicht genehmigen. Aber diese Wissenschaftler wurden entweder nicht gefragt oder ihre Meinung wurde übergangen.
SPIEGEL ONLINE: Der Name Monsanto löst in Europa viel Kritik aus, weil das Unternehmen den Markt sehr aggressiv angeht, mit zweifelhaften Methoden. BASF kooperiert mit dem Konzern. Bereuen Sie es, mit Monsanto so eine enge Partnerschaft zu haben?
Kast: Nein, denn wir haben gute Gründe, mit Monsanto zusammenzuarbeiten. Wir wollen zusammen die nächste Generation gentechnisch veränderter Pflanzen entwickeln, da geht es um Mais, Soja, Baumwolle und Raps, die höhere Erträge erbringen und die gegen Trockenheit resistent sind. Dazu brauchen wir alles an Know-how, was weltweit verfügbar ist. Da braucht es so eine Allianz, die über viele Jahre 1,5 Milliarden Dollar investiert.
SPIEGEL ONLINE: Aber es könnte einen Imageschaden für die BASF mit sich bringen.
Kast: Monsanto wird in Europa zu Unrecht an den Pranger gestellt. Ich bin viel in den USA unterwegs, wo Monsanto ein bedeutender Wettbewerber von uns ist. Wenn der Ruf von Monsanto dort so schlecht wäre, wäre das Unternehmen nicht der Marktführer. Die haben offenbar Produkte, die von Landwirten nachgefragt werden.
SPIEGEL ONLINE: Würde die BASF anders an Markteinführung und die Frage der Pflanzenpatentierung herangehen?
Kast: Jedes Unternehmen, das heute Forschung und Entwicklung betreibt, ist heute darauf angewiesen, seine Erkenntnisse mit Patenten zu schützen. Sonst funktioniert das ganze Geschäftsmodell nicht. Wettbewerber dürfen unsere Technologie nicht einfach kopieren, man sieht doch, was damit beispielsweise in China bei anderen Produkten für ein Schaden angerichtet werden kann. Ob eine solche Patentverletzung nun durch ein Großunternehmen erfolgt oder ein kleines Unternehmen, etwa einen einzelnen Landwirt, ist letztlich egal. Monsanto hat das bei einigen Fällen nur sehr deutlich klargestellt.
SPIEGEL ONLINE: Es ist aber das angestammte Recht von Landwirten, einen Teil der Ernte einzubehalten und im nächsten Jahr als Saatgut zu benutzen.
Kast: Bei Mais und Kartoffeln spielt dies keine Rolle, da Landwirte hier kein Saatgut zurückbehalten. Wir investieren sehr viel Geld, um Problemlösungen für die Landwirtschaft zu entwickeln. Damit entstehen einzigartige Produkte, die wir uns schützen lassen, damit sich unsere Investition lohnt. Das müssen unsere Kunden einfach respektieren.
Das Interview führte Christian Schwägerl
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