Von Mark Fehr
Hamburg - In vielen deutschen Unternehmen ist demnächst Zahltag. Die Hauptversammlungssaison ist in vollem Gange, allein in dieser Woche halten vier Konzerne ihre Aktionärstreffen ab. Die Eigentümer versammeln sich, um wichtige Entscheidungen zu fällen. Besonders spannend ist eine Frage: Was passiert mit dem Gewinn des zurückliegenden Geschäftsjahres?
Dax-Anzeigetafel: Geldregen von mehr als 22 Milliarden Euro
Grundsätzlich haben die Firmen zwei Möglichkeiten: Sie können ihre verfügbaren Gelder im Unternehmen investieren - gerade in der Krise würden sie so ihre Kapitalbasis stärken. Oder sie schütten einen großen Teil der Gewinne als Dividende an die Anteilseigner aus. Trotz Rezession entscheiden sich viele für diese Variante.
So zahlen die Dax-Konzerne auch in diesem Jahr wieder üppige Gewinne an ihre Aktionäre: Aktienbesitzer können sich über einen Geldregen von mehr als 22 Milliarden Euro freuen - allein bei den 30 größten börsennotierten Konzernen. Zwar sind die Gewinne im zurückliegenden Jahr um 40 Prozent gesunken, doch die Dividenden liegen nur 20 Prozent unter dem Rekordniveau des Vorjahres. Bei einigen Unternehmen sind die Dividenden sogar gestiegen - Krise hin oder her.
Bei den Arbeitnehmern stößt das auf massive Kritik: "Dividenden können in der Krise ein Unternehmen schwächen", sagt Dietmar Hexel, Mitglied des DGB-Bundesvorstands, zu SPIEGEL ONLINE. Statt Ausschüttungen seien hohe Liquidität, eine Eigenkapitalquote von mehr als 40 Prozent sowie Investitionen für neue Produkte die richtigen Antworten auf die Krise.
Auch Politiker wettern gegen den Dividendensegen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) wäre es lieber, wenn die Unternehmen in Arbeitsplätze investierten. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kritisiert, dass die Aktiengesellschaften einerseits beim Staat um Hilfe bettelten - und andererseits Millionen an die Aktionäre zahlten.
Denn tatsächlich zahlen auch solche Unternehmen hohe Dividenden, die ihren Mitarbeitern in der Krise einiges abverlangen. Sogar diejenigen Firmen, die von staatlicher Hilfe wie der Kurzarbeit oder der Abwrackprämie profitieren, zeigen sich gegenüber ihren Aktionären großzügig. So beschloss der Autokonzern Daimler
auf seiner Hauptversammlung Anfang April eine Dividende von mehr als einer halben Milliarde Euro.
Bei den Beschäftigten setzt das Unternehmen wegen der miserablen Zahlen im ersten Quartal 2009 allerdings den Rotstift an: Rund 60.000 Daimler-Leute müssen weniger arbeiten - ohne Lohnausgleich. Schon auf der Hauptversammlung hatte Vorstandschef Dieter Zetsche angedeutet, dass sich die Talfahrt des Autobauers fortsetze.
Doch nicht nur Daimler fährt Kurzarbeit und schüttet gleichzeitig hohe Dividenden aus. Auch bei den Dax-Titeln Volkswagen
, Thyssen-Krupp
und BMW
arbeitet ein großer Teil der Mitarbeiter kurz. VW profitiert zudem von der staatlichen Abwrackprämie - ein Teil des Geldes fließt nun an die Aktionäre. Nur die krisengebeutelte Commerzbank
und der Rückversicherer Hannover Rück
zahlen in diesem Jahr keine Dividende - siehe Tabelle:
| Dax-Konzerne: Dividendensegen im Krisenjahr 2009 | |
| Unternehmen | Dividende in Millionen Euro |
| Deutsche Telekom | 3402 |
| E.on | 2661 |
| RWE | 2355 |
| BASF | 1792 |
| Allianz | 1586 |
| Siemens | 1463 |
| Münchener Rück | 1135 |
| Bayer | 1070 |
| Deutsche Post | 725 |
| Thyssen-Krupp | 669 |
| SAP | 613 |
| Daimler | 579 |
| Volkswagen | 569 |
| Deutsche Börse | 410 |
| K+S | 396 |
| Metro | 382 |
| Lufthansa | 321 |
| Linde | 303 |
| Deutsche Bank | 285 |
| MAN | 282 |
| Beiersdorf | 227 |
| BMW | 181 |
| Fresenius Medical Care | 171 |
| Merck | 97 |
| Adidas | 97 |
| Henkel | 94 |
| Salzgitter | 84 |
| Fresenius | 57 |
| Commerzbank | 0 |
| Hannover Rück | 0 |
| Stand: April 2009, Quelle: Commerzbank | |
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