Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
30.04.2009
 

Trotz Krise

Dax-Konzerne schütten dicke Dividenden aus

Von Mark Fehr

Die Rezession tut Aktionären nur bedingt weh: Mitten in der Krise schütten die größten deutschen Konzerne Dividenden in Milliardenhöhe aus. Selbst Unternehmen, die ihre Beschäftigten in Kurzarbeit schicken, zahlen gigantische Beträge - Gewerkschaften und SPD sind empört.

Hamburg - In vielen deutschen Unternehmen ist demnächst Zahltag. Die Hauptversammlungssaison ist in vollem Gange, allein in dieser Woche halten vier Konzerne ihre Aktionärstreffen ab. Die Eigentümer versammeln sich, um wichtige Entscheidungen zu fällen. Besonders spannend ist eine Frage: Was passiert mit dem Gewinn des zurückliegenden Geschäftsjahres?

Dax-Anzeigetafel: Geldregen von mehr als 22 Milliarden Euro
DDP

Dax-Anzeigetafel: Geldregen von mehr als 22 Milliarden Euro

Grundsätzlich haben die Firmen zwei Möglichkeiten: Sie können ihre verfügbaren Gelder im Unternehmen investieren - gerade in der Krise würden sie so ihre Kapitalbasis stärken. Oder sie schütten einen großen Teil der Gewinne als Dividende an die Anteilseigner aus. Trotz Rezession entscheiden sich viele für diese Variante.

So zahlen die Dax-Konzerne auch in diesem Jahr wieder üppige Gewinne an ihre Aktionäre: Aktienbesitzer können sich über einen Geldregen von mehr als 22 Milliarden Euro freuen - allein bei den 30 größten börsennotierten Konzernen. Zwar sind die Gewinne im zurückliegenden Jahr um 40 Prozent gesunken, doch die Dividenden liegen nur 20 Prozent unter dem Rekordniveau des Vorjahres. Bei einigen Unternehmen sind die Dividenden sogar gestiegen - Krise hin oder her.

Bei den Arbeitnehmern stößt das auf massive Kritik: "Dividenden können in der Krise ein Unternehmen schwächen", sagt Dietmar Hexel, Mitglied des DGB-Bundesvorstands, zu SPIEGEL ONLINE. Statt Ausschüttungen seien hohe Liquidität, eine Eigenkapitalquote von mehr als 40 Prozent sowie Investitionen für neue Produkte die richtigen Antworten auf die Krise.

Auch Politiker wettern gegen den Dividendensegen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) wäre es lieber, wenn die Unternehmen in Arbeitsplätze investierten. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kritisiert, dass die Aktiengesellschaften einerseits beim Staat um Hilfe bettelten - und andererseits Millionen an die Aktionäre zahlten.

Denn tatsächlich zahlen auch solche Unternehmen hohe Dividenden, die ihren Mitarbeitern in der Krise einiges abverlangen. Sogar diejenigen Firmen, die von staatlicher Hilfe wie der Kurzarbeit oder der Abwrackprämie profitieren, zeigen sich gegenüber ihren Aktionären großzügig. So beschloss der Autokonzern Daimler Chart zeigen auf seiner Hauptversammlung Anfang April eine Dividende von mehr als einer halben Milliarde Euro. Bei den Beschäftigten setzt das Unternehmen wegen der miserablen Zahlen im ersten Quartal 2009 allerdings den Rotstift an: Rund 60.000 Daimler-Leute müssen weniger arbeiten - ohne Lohnausgleich. Schon auf der Hauptversammlung hatte Vorstandschef Dieter Zetsche angedeutet, dass sich die Talfahrt des Autobauers fortsetze.

Doch nicht nur Daimler fährt Kurzarbeit und schüttet gleichzeitig hohe Dividenden aus. Auch bei den Dax-Titeln Volkswagen Chart zeigen, Thyssen-Krupp Chart zeigen und BMW Chart zeigen arbeitet ein großer Teil der Mitarbeiter kurz. VW profitiert zudem von der staatlichen Abwrackprämie - ein Teil des Geldes fließt nun an die Aktionäre. Nur die krisengebeutelte Commerzbank Chart zeigen und der Rückversicherer Hannover Rück Chart zeigen zahlen in diesem Jahr keine Dividende - siehe Tabelle:

Dax-Konzerne: Dividendensegen im Krisenjahr 2009
Unternehmen Dividende in Millionen Euro
Deutsche Telekom 3402
E.on 2661
RWE 2355
BASF 1792
Allianz 1586
Siemens 1463
Münchener Rück 1135
Bayer 1070
Deutsche Post 725
Thyssen-Krupp 669
SAP 613
Daimler 579
Volkswagen 569
Deutsche Börse 410
K+S 396
Metro 382
Lufthansa 321
Linde 303
Deutsche Bank 285
MAN 282
Beiersdorf 227
BMW 181
Fresenius Medical Care 171
Merck 97
Adidas 97
Henkel 94
Salzgitter 84
Fresenius 57
Commerzbank 0
Hannover Rück 0
Stand: April 2009, Quelle: Commerzbank

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP