Berlin - Einmal mehr macht Aldi seinem Ruf als Billigheimer alle Ehre: Der führende deutsche Lebensmitteldiscounter senkte den Preis für einen Liter Frischmilch am Montag gleich um sieben Cent auf nun 48 Cent. Der Liter fettarme Frischmilch kostet bei Aldi inzwischen nur noch 42 Cent. Auch für andere Milchprodukte wie Quark müssen Verbraucher bei dem Billiganbieter seit Montag weniger zahlen.
Dem Schritt könnten andere Lebensmittelhändler folgen: Aldi gilt als Signalgeber im Einzelhandel. So zog der Rewe-Discounter Penny nach einem Onlinebericht der "Lebensmittel-Zeitung" von Montag sofort nach. Lidl, die Nummer zwei am Markt, hatte bis Montagnachmittag hingegen noch nicht reagiert.
Der Milchbauernverband BDM kritisierte die Preissenkungen scharf. Die Landwirte hatten zuletzt heftig gegen die immer weiter fallenden Preise protestiert, während Lebensmittelketten und Molkereien über die neuen Lieferbedingungen für die Monate Mai bis Oktober verhandelten.
"Wir können zu diesen Preisen nicht produzieren. Das ist völlig unmöglich", sagte BDM-Vorstandsmitglied Martin Kugler. Im bundesdeutschen Durchschnitt erhielten die Bauern mit den neuen Lieferverträgen nach BDM-Schätzungen weniger als 20 Cent pro Liter Milch. Im vergangenen Jahr hatten die Milchbauern bei ihren Streiks mehr als 40 Cent pro Liter gefordert, um wirtschaftlich arbeiten zu können.
Kugler beklagte, bislang hätten die Milchbauern "keine Reaktionen" aus der Politik auf ihre Proteste in der vergangenen Woche erhalten. Der BDM hoffe nun, "dass wir nicht zu so drastischen Maßnahmen gezwungen werden wie im vergangenen Jahr", sagte er mit Blick auf den damaligen Lieferstreik.
Ein Treffen von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) mit Bauern, Milchindustrie, Verbraucherschützern und Einzelhandel hatte am vergangenen Dienstag kaum konkrete Ergebnisse erbracht. Aigner verkündete lediglich, die Bundesregierung erwäge Bürgschaften für von der Pleite bedrohte Bauern.
AFP/suc
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