Berlin - Der italienische Autokonzern Fiat will bei einer Beteiligung an Opel doch alle vier deutschen Werke erhalten. "Wir wollen keines der vier Opel-Werke in Deutschland schließen", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne der "Bild"-Zeitung - am Montag hatte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg dagegen nach einem Gespräch mit Marchionne verkündet, die Italiener sähen einen "gewissen Konsolidierungsbedarf", was das Werk in Kaiserslautern betreffe.
Fiat-Chef Marchionne in Berlin: "Ich brauche die Werke in der Zukunft"
Marchionne sagte dazu: "Ich brauche die Werke in der Zukunft, um genügend Autos zu bauen. Aber natürlich müssen die Belegschaften verkleinert werden." Das werde niemand ändern können. Die Werke müssten effizienter werden. Auf eine genaue Zahl zum Abbau von Arbeitsplätzen wollte sich der Fiat-Chef nicht festlegen: "Ich kann Ihnen heute aber noch nicht sagen, wie viele Mitarbeiter wir brauchen. Aber es werden weniger sein. Bitte vergessen Sie nicht: Der erste Rettungsplan von Opel selbst sah die Schließung von zwei Werken vor."
Zu den Bedenken des Opel-Betriebsrates und der Gewerkschaften zu einem möglichen Fiat-Einstieg sagte Marchionne: "Opel kann in seiner jetzigen Größe niemals Geld verdienen, und wenn man kein Geld verdient, kann man nicht überleben. Ich verstehe die Ängste der Gewerkschaften - aber so ist die Realität."
Befürchtungen, dass Fiat nur bei der bisherigen General-Motors-Tochter einsteigen will, um Gelder aus Staatsbürgschaften zu bekommen, wies Marchionne zurück. Fiat sei der einzige Autobauer in Europa, der bisher nicht um Staatshilfen gebeten habe. Zurzeit verbrenne Opel Geld, weswegen das Unternehmen um Staatshilfe gebeten habe. Deshalb müsse der Staat mit Bürgschaften einsteigen. "Das darf aber nicht zu lange dauern. Der Staat hat bei Opel auf Dauer nichts verloren. Wir müssen es ohne Steuergelder schaffen. Deshalb wollen wir die Bürgschaften in spätestens drei Jahren zurückzahlen."
Über den anderen Opel-Interessenten Magna sagte der Fiat-Chef, dieser wolle mit russischer Hilfe bei Opel einsteigen - und "wenn die deutsche Regierung das für eine gute Lösung hält, würde mich das überraschen". Fiats Plan sei ein echter europäischer Autokonzern, der weltweit erfolgreich sein werde. "Das macht Arbeitsplätze weltweit und in Deutschland zukunftssicher."
Das Konzept des italienischen Autobauers Fiat für Opel war in Deutschland mit Skepsis aufgenommen worden. Wesentliche Fragen seien offen geblieben, kritisierte Betriebsratschef Klaus Franz im Gespräch mit dem SPIEGEL. Verärgert hat ihn vor allem, dass vor dem Treffen durchsickerte, Fiat wolle bei einem Einstieg möglicherweise das Opel-Motorenwerk in Kaiserslautern schließen. Franz: "Das ist nicht die feine Art." Marchionne komme es offenbar vor allem auf einen Technologietransfer von Opel zu Fiat an - habe aber nicht die Frage beantworten können, wie die Marke Opel innerhalb eines möglichen Fiat-Chrysler-Opel-Konzerns positioniert werden solle.
Skeptische Reaktionen auch in der CDU
Der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel reagierte ebenfalls zurückhaltend. "Unsere Skepsis ist noch nicht ausgeräumt", sagte er der in Essen erscheinenden "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstagsausgabe). Es blieben entscheidende Fragen ungeklärt. Der Betriebsrat kritisierte, dass der Fiat-Chef die Motorenfertigung in Kaiserslautern in Frage stelle. Von der Getriebeproduktion hingen auch in Bochum rund 600 Arbeitsplätze ab, warnte Einenkel.
Es werde sich zeigen, ob die Vorschläge tragfähig seien, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) der ARD und fügte hinzu: "Es gibt eine alte Erfahrung: Größe allein ist kein Wert." Vor allem der Nutzen der beabsichtigten Übernahme des US-Autobauers Chrysler durch Fiat sei ihm unklar. "Das war ja bisher, um es vorsichtig zu sagen, nicht die beste Adresse."
Über das Schicksal der Opel-Werke wird möglicherweise schon in wenigen Wochen entschieden. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Beschluss noch im Mai fallen werde, sagte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) dem ZDF. Er lehnte eine Vorfestlegung erneut ab. Die Grundsatzentscheidung darüber, ob Opel von Fiat oder dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna übernommen werden solle, liege nun beim Opel-Mutterkonzern General Motors in den USA. Man müsse auch abwarten, was Magna nun vorlege.
ore/AP/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
gottseidank- ich hatte schon angst,die wollen auch ein paar mrd bezahlen. mehr...
Zuviel Überkapazität, zuviel Staatsintervention. Niemand will Opel, niemand braucht Opel. Trotz Steuergelder wird Opel Pleite gehen ob die Politiker (und Bürger) und Gewerkschaften das mögen oder nicht. Die Wahl ist vorbei, es [...] mehr...
Anders ausgedrückt, sie weigern sich den Arbeitsplatzerhalt von GM und Magna in Rechnung stellen zu lassen. mehr...
... denn sowohl Großbritannien als auch Spanien haben sich jetzt gegen den deutschen Rettungsplan ausgesprochen. Der Zirkus geht jetzt erst richtig los, wenn die Bundesregierung - sprich Merkel - versucht, ihre Vorstellungen und [...] mehr...
Die Politiker sind dafür das die Manager für ihre Fehler mit eigenem Geld haften. Vielleicht sollten die jetzigen Politiker mit eigenem Geld haften wenn Opel die 4,5 Milliarden versenkt hat und anschließend Pleite ist.Manches geht [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Krise der Autoindustrie 2008/09 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH