New York/Washington - Banges Warten: Am Donnerstag wird die US-Regierung die Ergebnisse ihres sogenannten Stresstests veröffentlichen - dem "Wall Street Journal" zufolge erst nach Börsenschluss, um allzu starke Kursausschläge zu vermeiden.
Zentrale der Bank of America: Keine endgültige Summe von der Fed
An den Börsen sorgt die bevorstehende Bekanntgabe schon jetzt für Nervosität. Denn sollten die Ergebnisse tatsächlich so dramatisch ausfallen wie befürchtet, erwarten Händler einen Absturz der Finanzwerte.
Rund zehn US-Großbanken brauchen nach übereinstimmenden Angaben des "Wall Street Journal" und der Nachrichtenagentur Reuters frische Kapitalspritzen. Dies wären mehr Institute als bisher erwartet. Ganz genau stehe die Zahl der bedürftigen Banken allerdings noch immer nicht fest, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider.
Dafür sind seit Tagen mehrere Namen von Banken im Umlauf, die besonders bedürftig sein sollen. Besonders die
Citigroup
und die
Bank of America
benötigen nach bisherigen Berichten noch mehr Kapital. Hinzu kämen einige große Regionalbanken.
Wells Fargo
und PNC Financial verhandeln laut "Financial Times" und "Wall Street Journal" noch mit den Behörden über die Ergebnisse. Alle Banken haben die Möglichkeit, detaillierte Gegendarstellungen vorzulegen, in denen sie gegen die Notwendigkeit einer Kapitalaufstockung argumentieren können.
Die Bank of America hatte am Montag einem Bericht der "Financial Times" widersprochen, dem zufolge sie sich frisches Kapital in Höhe von zehn Milliarden Dollar beschaffen muss. Das Institut hat von der Regierung bislang Hilfen in Höhe von 45 Milliarden Dollar erhalten. Die Citigroup lehnte einen Kommentar ab. Die Federal Reserve teilte bisher nur allgemein mit, die Mehrheit der getesteten Häuser sei ausreichend ausgestattet.
In dem Stresstest wird geprüft, wie die Bilanzen der Banken aussähen, falls sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nochmals verschlechtern. Die Bankenaufsicht hat die Stabilität der 19 größten US-Finanzhäuser untersucht. Experten gehen davon aus, dass sich die US-Banken insgesamt wohl 150 Milliarden Dollar frisches Kapital besorgen müssen.
Banken mit zu wenig Kapital müssen sich binnen sechs Monaten am Markt oder vom Staat frisches Geld besorgen. Möglich ist auch der Verkauf von Unternehmensteilen oder in bestimmten Fällen eine Stärkung der Kapitalbasis durch eine Umwandlung von Vorzugs- in Stammaktien.
Paul Miller, Finanzmarktexperte von FBR Capital Markets, glaubt, dass die US-Notenbank Fed von den meisten Banken eine Aufstockung des Eigenkapitals verlangen wird - und dass die nötigen Summen höher sein werden "als die Leute denken". Douglas Elliot vom Washingtoner Forschungsinstitut Brookings geht von insgesamt hundert bis 150 Milliarden Dollar aus.
Die Finanzinstitute sollen die Ergebnisse schon an diesem Dienstag erhalten. Die US-Notenbank Fed und das Finanzministerium würden ihnen dann auch mitteilen, wie die Politiker die marktsensiblen Resultate der Öffentlichkeit vorstellen wollten.
ssu/dpa/Reuters
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