Von Stefan Schultz
Hamburg - Der Machtkampf hat begonnen: Nach dem Plan von Volkswagen und Porsche zu fusionieren, stecken Vorstände, Betriebsräte und Anteilseigner der beiden Konzerne nun ihre Claims ab. In den kommenden vier Wochen sollen die Vorstände beider Autoriesen die Machtverhältnisse im neuen Superkonzern ausarbeiten. Doch bereits am Tag eins nach der Ankündigung einer Zweckehe beziehen die ersten Parteien Kampfposition.
Manager Winterkorn, Wiedeking, Porsche: Machtkampf mit vielen Volten
VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh drohte indes, sich in den Verhandlungen querzustellen. "Anscheinend verwechseln hier einige die Begriffe Fusion und Integration", sagte er. "Und allein wegen des VW-Gesetzes sind wir mehr als skeptisch, ob der Weg einer Fusion überhaupt beschritten werden kann." Die Arbeitnehmer bei VW genießen weitreichende Absicherungen - Osterloh dürfte in den kommenden Wochen alles daran setzen, diese zu verteidigen.
Und der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) steckte seinen Claim für die anstehenden Verhandlungen auch bereits ab: Er sagte, es müsse "fair zugehen" zwischen Porsche und Niedersachsen. Fair dürfte für den Landesfürsten vor allem bedeuten, dass er seine bisherigen Privilegien wie ein außerordentliches Vetorecht nicht hergeben muss.
Wiedeking, Osterloh, Wulff sind nur drei Protagonisten im Machtgerangel zwischen Porsche und Volkswagen: Nicht weniger als acht Parteien sitzen insgesamt am Verhandlungstisch und wollen ihre Interessen durchdrücken.
Glückt der Kompromiss Porsche/VW, entstünde ein neuer Superkonzern mit einer Produktion von derzeit zusammen 6,5 Millionen Autos und einem Umsatz von 121 Milliarden Euro pro Jahr. Erstmals hätte dann ein deutscher Autobauer Chancen, den weltgrößten Autobauer Toyota
zu übertreffen.
Ebenso gut könnte die Geburt des neuen Autoriesen allerdings auch scheitern. Ein Kompromiss zwischen Eignerfamilien, Arbeitnehmern, dem Land Niedersachsen und den beiden Autobauern dürfte zumindest extrem schwierig werden.
| Konzern-Kennzahlen | ||
| Porsche | Volkswagen | |
| Fahrzeugproduktion (Mio.) | 0,105 | 6,35 |
| Umsatz (Mrd. Euro) | 7,47 | 113,8 |
| Nettogewinn (Mrd. Euro) | 6,39 | 8 |
| Mitarbeiter | 12.200 | 370.000 |
| Marken | 1 | 9 |
| Werke | 2 | 61 |
| Quelle: AP | ||
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Machtkampf zwischen VW und Porsche | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH