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Dumpingpreise Bauern drohen mit neuem Milch-Boykott

Der Streit über sinkende Milchpreise spitzt sich zu: Die betroffenen Bauern drohen schon in den kommenden Tagen mit neuen Protestaktionen - und schließen erstmals seit langem auch neue Lieferstopps nicht mehr aus.

Frankfurt am Main - Angesichts des drastischen Preisverfalls bei Milchprodukten drohen die betroffenen die Bauern mit neuen Protestaktionen. "Wir werden kämpfen", sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, der "Welt". "Die erneute Preissenkung entgegen jeder beim Milchgipfel gemachten Absprache braucht eine klare Antwort. Und die werden wir geben."

Protestierende Bäuerin: "Wir werden kämpfen"
DDP

Protestierende Bäuerin: "Wir werden kämpfen"

Die Lebensmittel-Discounter, die mit ihrer Politik den Kurs des Handels insgesamt vorgeben, hatten die Preise für Milch in den vergangenen Wochen deutlich gesenkt. Die Bauern beklagen, dass sie bei den jetzigen Preisen Milch nicht mehr kostendeckend produzieren könnten.

Schon in den nächsten Tagen seien deshalb neue Protest-Aktionen möglich, sagte Schaber. Dabei sei auch ein neuer Milch-Boykott nicht ausgeschlossen. "Das ist für uns eine Option", sagte Schaber. Die Preispolitik des Handels zerstöre reihenweise Existenzen. Dagegen müsse sich die Bauernschaft mit aller Macht wehren - auch wenn in der Folge Strafen durch das Bundeskartellamt drohen.

Im vergangenen Jahr hatten die Milchbauern zehn Tage lang gestreikt und keine Milch ausgeliefert, um die Handelskonzerne zu höheren Preisen zu bewegen (siehe Fotostrecke unten). Schabers Drohung, diesen Schritt erneut zu gehen, stellt eine Verschärfung des Milch-Streits da: Erst vor wenigen Tagen hatte der Deutsche Bauernverband einen neuen Boykott ausgeschlossen.

Ziehen die Preise nicht an, droht dem Verband zufolge in den kommenden Monaten ein wahres Höfesterben. "Wir schätzen, dass bis zum Jahresende 25 bis 30 Prozent der deutschen Milchbauern vom Markt verschwinden werden", sagte Schaber. Das seien nicht nur die Kleinen. "Im Norden und Osten stehen bereits einige Großbetriebe mit bis zu 1000 Kühen auf der Kippe." Zwar gebe es mit den Banken Finanzierungsvereinbarungen bis zum Herbst. "Tritt bis dahin aber keine Besserung am Markt ein und danach sieht es aus, kommen die Kühe ganz schnell weg."

Die EU-Kommission sagte den Milchbauern Unterstützung zu. "Wir tun alles, was wir können", sagte Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel der "Münsterschen Zeitung". Sie verwies auf Direktzahlungen der EU zur Stützung der Einkommen der Landwirte. Zudem habe die Kommission als direkte Reaktion auf die Milchpreiskrise Stützungsmaßnahmen beschlossen. So würden große Mengen Butter und Milchpulver aufgekauft.

Seehofer fordert neuen Milchgipfel

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer appellierte derweil an die Kanzlerin, die Milchpreise zur Chefsache zu machen. "Jetzt muss Angela Merkel sich der Sache annehmen", sagte der CSU-Vorsitzende der "Passauer Neuen Presse". In der Vergangenheit seien große Milliardenbeträge an viele Branchen, Banken und Einzelfirmen geflossen. "Die Landwirtschaft hat es verdient, dass man auch ihr in dieser dramatischen Lage spürbar unter die Arme greift - und das geht nur mit Hilfe der Kanzlerin."

Seehofer bekräftigte seine Forderung nach einem Agrargipfel. "Als Sofortmaßnahme halte ich es für dringend notwendig, dass sich die Bundeskanzlerin mit der Spitze der deutschen Landwirte trifft, um über die dramatische Lage der Bauern zu reden und Lösungen zu vereinbaren", sagte er. Einer der wichtigsten Lösungsansätze sei, dass die Direktzahlungen, die regulär erst Ende des Jahres fällig sind, wenigstens zur Hälfte bereits in der Jahresmitte ausbezahlt würden.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner forderte Entlastung für die Bauern durch eine Senkung der Steuer auf Agrardiesel noch vor der Bundestagswahl im September. "Dies ist dringend notwendig, um die Liquidität bei den Landwirten zu verbessern", sagte die CSU-Politikerin der "Berliner Zeitung". Diese seien beim Agrardiesel gegenüber vielen europäischen Kollegen klar benachteiligt.

Aigner forderte konkret, die allgemeinen Sätze für Agrardiesel zu senken. Darüber hinaus wolle sie den Selbstbehalt und die Mengenbegrenzung für Agrardiesel aufheben, sagte die Ministerin. Die anvisierte Entlastung bezifferte sie auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

ssu/AP

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Meine Weigerung - kürzlich in einem Supermarkt - den angegebnen Preis, welcher auf der Packung ausgewiesen war, zu zahlen, kommentierte die freundliche Dame an der Kasse mit einem sonderbaren Lächeln und einer Handbewegung, die [...]
Zitat von sysopWelchen wären Sie bereit für frische Milch zu zahlen?
Meine Weigerung - kürzlich in einem Supermarkt - den angegebnen Preis, welcher auf der Packung ausgewiesen war, zu zahlen, kommentierte die freundliche Dame an der Kasse mit einem sonderbaren Lächeln und einer Handbewegung, die der gemeine Mitteleuropäer wohl für 'Vogel zeigen' verwendet. Ich schlußfolgere daraus, dass es völlig belanglos ist was ich bereit bin zu zahlen.
Orix 05.05.2009
Gibt es vielleicht zu viele Milchkühe und damit zu viel produzierte Milch ? Dann sollten die Bauern ihre Produktion umstellen oder wird die Produktion staatlich gestützt ? Seit Jahren jammern die Milchbauern(alle Bauern jammern, [...]
Zitat von sysopDie Preise für Milch sind weiter unter Druck. Der Preis, den die Bauern erzielen, sinkt weiter, der Verbraucher zahlt weniger, aber wie sieht die Zukunft aus? Welchen wären Sie bereit für frische Milch zu zahlen?
Gibt es vielleicht zu viele Milchkühe und damit zu viel produzierte Milch ? Dann sollten die Bauern ihre Produktion umstellen oder wird die Produktion staatlich gestützt ? Seit Jahren jammern die Milchbauern(alle Bauern jammern, mal zu nass, mal zu trocken,zu viel Wind, zu späte Sonne und und und) über zu niedrige Preise aber dass kann der Markt doch regeln, Angebot und Nachfrage. Ich komme nicht aus der Landwirtschaft( bin aber auf dem Dorf groß geworden)aber die Agrarpolitik ist mir schon sehr lange Zeit ein Rätzel, da werden mit Massen an Geld die unterschiedlichsten Projekte gestützt deren Sinn sicher zweifelhaft ist. Ich persönlich freue mich immer über niedrige Preise.
Karkur 05.05.2009
Sehr geehrte Damen und Herren! Rinderzucht und Milchwirtschaft haben über Jahrhunderte Europa geprägt, sind Teil unserer Kultur und dt. Bauern hatten bisher einen führenden Platz in der Zucht und in der Vielfalt sowie [...]
Zitat von sysopDie Preise für Milch sind weiter unter Druck. Der Preis, den die Bauern erzielen, sinkt weiter, der Verbraucher zahlt weniger, aber wie sieht die Zukunft aus? Welchen wären Sie bereit für frische Milch zu zahlen?
Sehr geehrte Damen und Herren! Rinderzucht und Milchwirtschaft haben über Jahrhunderte Europa geprägt, sind Teil unserer Kultur und dt. Bauern hatten bisher einen führenden Platz in der Zucht und in der Vielfalt sowie Qualität bei Milch und den daraus hergestellten Produkten. Gerade die derzeit akute Gefahr einer Grippepandemie zeigt, welche Irrwege mit industrieähnlicher Massentierhaltung beschritten werden. Rinder, insbesondere Milchkühe, sind nicht so schnell wieder in Leistungsherden aufzubauen, wenn die Milchproduktion erst mal aufgegeben wurde, ist ein Neuanfang bei veränderter Marktlage nicht leicht möglich. Bei den derzeitigen Kostenstrukturen benötigen Bauern je nach Hoflage ca. 40 - 45 Cent/l Milch bei ca. 3,8 % Fett um mit ausreichendem Ergebnis rentabel Milch zu erzeugen. Dieser Erzeugerpreis muss ihnen zugestanden werden. Desweiteren muss verboten werden, dass in der EU Kunstkäse produziert und eingesetzt wird. Hier wird künstlich der Echtkäsebedarf und damit der Rohmilchmarkt erheblich gestört und der Verbraucher schamlos betrogen! Angesichts der Bedeutung der Milch für eine gesunde Ernährung muss die Schulmilchversorgung wieder Pflicht, der Trinkmilchverzehr durch besseres Marketing auf ca. 0,5 bis 1,0 l / pro Kopf erhöht werden und man sollte in der Gastronomie auch grundsätzlich Milch im Angebot haben. Zugleich muss man sich fragen, warum Molkereien und Handel an der Milch verdienen müssen, der Bauer jedoch ins Minus und in den Ruin geführt wird! Wenn die Gewinne in der Erzeugerkette vernünftig bei allen Beteiligten ankommen, wäre ich gern bereit, für einen Liter qualitativ hochwertige Trinkmilch zwischen 80 Cent bis 1,0 Euro zu bezahlen! Mit freundlichen Grüssen Abu Karim
StefanKomarek 05.05.2009
Von Erich Kästner stammt der Satz: an jedem Unfug, der passiert, ist nicht nur der schuld, der ihn verursacht hat, sondern auch der, der in nicht verhindert (das fliegende Klassenzimmer). Es ist jetzt einfach, auf die [...]
Von Erich Kästner stammt der Satz: an jedem Unfug, der passiert, ist nicht nur der schuld, der ihn verursacht hat, sondern auch der, der in nicht verhindert (das fliegende Klassenzimmer). Es ist jetzt einfach, auf die Discounter einzuschlagen. Fassen wir uns mal lieber an die eigene Nase. Jeder, der Milch zum Dumpingpreis kauft, ist mit verantwortlich an der Situation. Es gibt auch heute noch Milch, die zu fairen Preisen angehoben wird, z.B. Bio-Milch in Reformläden oder selbst im Supermarkt. Aber auch die Bauern sind nicht unschuldig. Früher stellten die Bauern viele Produkte gleichzeitig her, sie hatten Felder mit Getreide und Gemüse und Schweine und Kühe und Geflügel. Heute konzentrieren viele Bauern sich auf einen einzigen Artikel: nur Schweine oder nur Milchkühe oder nur Getreide usw. Damit machen sie sich von den Schwankungen der einzelnen Märkte extrem abhängig. Zudem deutet die Preisentwicklung darauf hin, dass anscheinend mehr Milch produziert wird als nachgefragt wird. Mittelfristig hilft da wohl nur eine Verringerung der Produktionsmenge. Allerdings, eins muss uns Verbrauchern klar sein. Wenn die Lebensmittelpreise steigen (und damit verbunden hoffentlich auch die Qualität), wird deswegen unser Einkommen nicht ebenfalls angehoben werden. Das Mehr-Geld für Lebensmittel werden wir woanders wieder einsparen müssen.
Orix 05.05.2009
Danke für ihre Sicht der Dinge ! Wenn ich Sie richtig verstehe, gibt es schon eine Überproduktion und es fehlt eine Strategie den Bedarf an Milch zu steigern. Besser, mit einer Kampanie " Milch ist gesund " oder [...]
Zitat von KarkurSehr geehrte Damen und Herren! Rinderzucht und Milchwirtschaft haben über Jahrhunderte Europa geprägt, sind Teil unserer Kultur und dt. Bauern hatten bisher einen führenden Platz in der Zucht und in der Vielfalt sowie Qualität bei Milch und den daraus hergestellten Produkten. Gerade die derzeit akute Gefahr einer Grippepandemie zeigt, welche Irrwege mit industrieähnlicher Massentierhaltung .....
Danke für ihre Sicht der Dinge ! Wenn ich Sie richtig verstehe, gibt es schon eine Überproduktion und es fehlt eine Strategie den Bedarf an Milch zu steigern. Besser, mit einer Kampanie " Milch ist gesund " oder ähnlich wäre den Bauern schon geholfen ? Dann sollte sich die Bauer Experten der Pharmaindustrie ausleihen, die Wissen wie man die Ware an den Mann (Frau) bringt. Trotzdem denke ich es hat auch was mit der Struktur der Produktion zu tun, riesige Rinderställe und die Spezialisierung nur auf Milch, das kann nicht gut sein. Die ganze Landwirtschaft ist mir zu sehr industriemäßig aus gerichtet mit Hühnerfabriken, Schweinefabriken u.s.w. Die gesunde Mischung fehlt.
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