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Leid der Madoff-Opfer "Bernie hat unser Vertrauen gestohlen"

2. Teil: Wie Madoff den Betrug einfädelte

Das emotionale Leid vieler Madoff-Opfer ist kaum mit Geld zu lindern. Zum Beispiel das seiner langjährigen, nach eigenen Worten ahnungslosen Chefsekretärin Eleanor Squillari: In einem Essay für die Juni-Ausgabe des US-Magazins "Vanity Fair", die diese Woche an die Kioske kommt, zeigt sie sich zugleich wütend, am Boden zerstört und von Schuldgefühlen geplagt: "Bernie hat unser Vertrauen geraubt."

Die Aufzeichnungen Squillaris - die zuvor zwei Monate lang dem FBI Rede und Antwort stand - sind der erste Blick hinter die Maske Madoffs, der auf Fotos meist nur starr lächelt und auch vor Gericht keine Gefühlsregungen zeigte. 25 Jahre lang hatte Squillari in seinem Büro in Midtown gesessen, betrachtete ihn sogar als Familie. Als sie dann das Ausmaß des Skandals erfasste, "übergab ich mich".

Madoff habe zwei Gesichter gehabt, schreibt Squillari, 59 - und fasst das mit einem Ausdruck zusammen, den Hannah Arendt nach dem Prozess gegen NS-Schlächter Adolf Eichmannn prägte: "Die Banalität des Bösen."

Nach außen mimte Madoff den Computer-Laien

Squillari porträtiert Madoff als Charmeur und sexistischen Frauenheld mit einer arroganten, sadistischen Seite. Unter Stress habe er gerne Boshaftigkeiten um sich geschleudert: "Du siehst furchtbar aus. Du hast zugenommen. Du bist dumm." Obwohl seine eifersüchtige Gattin Ruth meist mit im Büro gewesen sei, habe sein Adressbuch "ein Dutzend Telefonnummern" von "Masseusen" enthalten, zu denen er sich mittags stundenlang verflüchtigt habe.

Die zwei Gesichter Madoffs zeigten sich auch daran, wie er seinen Betrug einfädelte. Nach außen hin habe er stets so getan, als ob er nicht mal einen Computer bedienen könne - was nicht stimmte, wie Squillari später erfuhr. Das Herz des Milliardenschwindels habe sich in einer separaten Etage des Büros befunden, abseits des regulären Wertpapiergeschäfts.

Dort habe Madoff nur einfache Schreibkräfte beschäftigt, "von denen viele nicht mehr als 40.000 Dollar im Jahr verdienten". Sie seien "jung und naiv" gewesen und "ohne jedes Finanzwissen, damit sie eins und eins nicht zusammenzählen konnten". Auch Squillari habe er ausdrücklich abgeraten, sich in finanziellen Dingen weiterzubilden: Sie solle statt dessen lieber "einen Kunstkurs belegen".

"Würdest du da nicht wittern, das was Faules im Gange ist?"

Den Zeitpunkt seiner Verhaftung habe Madoff - wie alles in seinem Leben - penibel inszeniert, nachdem sich der Kollaps seines Unternehmens offenbar nicht mehr habe aufhalten lassen. Tage vorher habe sich sein Verhalten spürbar geändert, er sei "wie im Koma" gewesen.

Squillaris Essay traf nicht nur auf Mitgefühl. Manche bezweifelten ihre Beteuerung, nichts gewusst zu haben, obwohl sie seit 1984 an Madoffs Seite gesessen hat: "Das kaufe ich ihr nicht ab", schreibt die Frauenrechtlerin und Ex-Managementsekretärin Linda Franklin auf dem Newsblog "Huffington Post". "Wenn sie ihn so gut kannte, wie sie behauptet - würdest du da nicht wittern, das was Faules im Gange ist?"

Wie dem auch sei: Zu den finanziellen Opfern Madoffs zählt Squillaris nicht, abgesehen von ihrem Arbeitsplatzverlust. Sie legte ihre Ersparnisse nie bei der Firma ihres Chefs an.

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