Köln/Berlin - Für Eltern beginnen anstrengende Zeiten: Bundesweit haben die Gewerkschaften Ver.di und GEW zu Streiks in den Kindertagesstätten aufgerufen. Ab diesem Freitag geht es los, zunächst in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Hessen und Bremen. Am Montag und Dienstag kommender Woche soll es besonders Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und das Saarland treffen. Insgesamt wollen Tausende Erzieherinnen in den Ausstand treten.
Kita in Kassel: Bundesmittel für Erzieherinnen und Erzieher
Mitten in der Auseinandersetzung stellt sich Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf die Seite der Beschäftigten. Sie plädierte für bessere Bezahlung und bessere Karrierechancen in der Branche. "Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung muss auch eine bessere Qualität einhergehen. Das kostet selbstverständlich Geld", sagte sie den "Ruhr Nachrichten". "Aus gutem Grund gibt der Bund nicht nur Investitionskosten, sondern auch Betriebskosten, die direkt in die Gehälter von Erzieherinnen und Erziehern fließen."
Zu einer Aufwertung des Berufes gehörten auch Karrierechancen. "Es ist gut, dass das Problem jetzt auf dem Tisch ist. Ich hoffe, dass sich die Tarifparteien bald auf eine zukunftsfähige Lösung einigen", sagte von der Leyen. Dass die Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten der Erzieherinnen heute ungünstiger seien als früher, habe "auch damit zu tun, dass beide Tarifpartner diese Struktur erst gemeinsam geschaffen und dann bis heute nicht geändert" hätten.
In einer Urabstimmung von Ver.di und GEW hatten rund 90 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder für den Arbeitskampf gestimmt. Betroffene Eltern sollten aber rechtzeitig informiert werden. In einigen Städten haben die Kommunen Notdienste organisiert. "Geld und Atem für den Arbeitskampf werden sehr, sehr lange reichen", erklärte Ver.di-Chef Frank Bsirske. Die Eltern würden großes Verständnis zeigen, sagte der Gewerkschafter.
An diesem Freitag trifft der Kita-Streik vor allem die Städte Dortmund, Duisburg, Mainz, Kiel und Kassel. Schwerpunkte am Montag und Dienstag sollen insbesondere München, Nürnberg, Stuttgart, Mannheim, Hannover und Saarbrücken sein. In Frankfurt am Main soll am 19. Mai eine große Kundgebung stattfinden. Um die Eltern auf Kita-Schließungen vorzubereiten, habe man in den vergangenen Tagen Elternbriefe verteilt, erklärte Ver.di.
Notdienste schnell ausgebucht
Die Gewerkschaften fordern für die etwa 220.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst neben einer höheren Eingruppierung vor allem bessere Arbeitsbedingungen: Der physische und psychische Druck habe für die Erzieher, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen zugenommen, das Gehalt habe sich wegen neuer Eingruppierungssysteme in den vergangenen Jahren hingegen verschlechtert.
Ver.di und GEW hatten die Verhandlungen über den neuen Gesundheitstarifvertrag Ende April für gescheitert erklärt. Die Arbeitgeber werfen den Arbeitnehmervertretern vor, es gehe ihnen in Wirklichkeit gar nicht um Gesundheitsschutz, sondern um bessere Bezahlung.
Nun wollen die Gewerkschaften ihre Forderungen mit Streiks durchsetzen. An einem Warnstreik am 6. Mai hatten sich bereits 19.000 Beschäftigte beteiligt. Die nun beschlossenen Arbeitsniederlegungen sind unbefristet.
In Bremen und Bremerhaven war zunächst offen, wie viele der rund 80 städtischen Kitas geschlossen bleiben. Es soll aber einen Notdienst für Eltern geben, die arbeiten müssen.
In Mainz und Ludwigshafen müssen sich ebenfalls viele Eltern auf geschlossene Kindertagesstätten einstellen. Die überwiegende Zahl der kommunalen Einrichtungen soll geschlossen bleiben. Ver.di erwartet, dass sich knapp 1000 Erzieherinnen an der Aktion beteiligen. Die Stadt Mainz hat rund 400 Notdienstplätze angeboten, die jedoch am Donnerstagabend bereits ausgebucht waren. In Ludwigshafen sollen sechs von 35 Einrichtungen geöffnet werden.
Auch für das Saarland wurden Streiks angekündigt: In Neunkirchen und Friedrichsthal sind insgesamt zehn Einrichtungen betroffen.
In Hessen ist noch unklar, wie viele Kitas geschlossen bleiben. Während die Gewerkschaften Frankfurt und Wiesbaden vorerst noch aussparen, wollten sich Einrichtungen in Südhessen, im Raum Kassel und in Mittelhessen an den Streiks beteiligen. In Marburg wollen alle 14 kommunalen Kitas am Freitag und am Montag die Türen geschlossen halten. In der kommenden Woche soll der Streik dann auch auf andere Städte ausgeweitet werden.
wal/dpa/AP
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