Düsseldorf - Sie entscheiden mit, deshalb lohnt sich die Überzeugungsarbeit: Die Regierungschefs von Thüringen und Nordrhein-Westfalen, Dieter Althaus und Jürgen Rüttgers, sollen diese Woche Besuch von Fiat-Chef Sergio Marchionne bekommen. Im Kampf um die Übernahme des angeschlagenen Autobauers Opel will der Italiener so direkt bei den Ministerpräsidenten für sein Konzept werben, schreibt das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmens- und Landesregierungskreise. Auch die Opel-Zentrale in Rüsselsheim steht voraussichtlich auf dem Besuchsprogramm.

Fiat-Chef Marchionne: Alle Opel-Standorte halten, auch Bochum
Sprecher von Fiat, Opel und der Staatskanzleien wollten die Informationen gegenüber dem Blatt nicht kommentieren. Bei Opel war zunächst niemand für weitere Informationen zu erreichen. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung hatte der Fiat-Chef am Wochenende bereits den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) in Köln getroffen. Er habe dabei zugesichert, alle Opel-Standorte in Deutschland halten zu wollen, auch den in Bochum mit 5000 Arbeitsplätzen.
Zurückhaltende Reaktionen
Der Fiat-Boss hatte nach einem Treffen mit der Bundesregierung schon Anfang Mai die beiden anderen Entscheidungsträger mit Opel-Werken in ihren Ländern, den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch und den rheinland-pfälzischen Regierungschef Kurt Beck, besucht - war jedoch auf zurückhaltende Reaktionen gestoßen. Bundesregierung und Opel-Mutterkonzern General Motors erwarten bis Mitte der Woche verbindliche Angebote von den Opel-Interessenten, zu denen neben Fiat in erster Linie der kanadisch-österreichische Zuliefererkonzern Magna zählt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält an einem Treuhandkonzept für den angeschlagenen Autobauer Opel fest. Es gehe jetzt in die "entscheidende Phase" der Verhandlungen, sagte sie am Sonntag in einer RTL-Sendung auf die Frage eines Bürgers. Deutschland werde seine Interessen dabei wahren. Das Konzept sieht vor, Opel-Anteile befristet von einem Treuhänder verwalten zu lassen, um dem Autobauer mehr Zeit für die Verhandlungen mit potentiellen Investoren geben. Diese müssen bis zum Mittwoch dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin ihre Ideen vorlegen.
Die Konzepte würden umgehend geprüft, sagte Merkel. Letztlich entschieden aber der US-Mutterkonzern von Opel, General Motors (GM), und die US-Regierung. Die Frage werde sein, wie GM-Europe und damit Opel Deutschland aus dem Gesamtkonzern herausgelöst werden könnten und wie dieser Prozess für die Investoren überbrückt werden könne.
Geordnete Insolvenz als letzte Option
Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verwies auf eine mögliche Insolvenz von Opel als Ausweg, wenn andere Rettungsversuche scheiterten. "Sollten die Konzepte nicht taugen und stünde Opel vor der Illiquidität, sähe ich kaum eine andere Option als eine geordnete Insolvenz", sagte er der "Welt am Sonntag".
Ein Treuhand-Modell solle allerdings nicht unter Führung des Staates entstehen, betonte Guttenberg weiter. Auch die staatliche Bankengruppe KfW käme nicht als Treuhänder in Frage. "Bei der privat ausgestalteten Treuhänderkonstruktion kann ich mir eine Beteiligung von GM und Vertretern der Gläubiger vorstellen", sagte der Minister. Das Treuhandmodell kann nach seiner Ansicht auch im Interesse der US-Regierung liegen.
Als wichtigste Interessenten für Opel gelten der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna und der italienische Autokonzern Fiat. Daneben soll es weitere namentlich nicht genannte Interessenten geben. Magna will im Falle eines Einstieges bei Opel laut einem Magazinbericht in den Werken auch Autos anderer Marken produzieren.
Alfa Romeo könnte von Opel-Technik profitieren
"Die Idee bei Magna ist, eine offene Plattform für eine Vielzahl von Autoherstellern zu schaffen, auf der kleinere Modellreihen kosteneffizient über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg produziert werden können", berichtet die "Automobilwoche" unter Berufung auf einen Vertrauten von Magna-Chef Siegfried Wolf. Die Autohersteller PSA und Ford hätten bereits Interesse an einer Beteiligung geäußert.
Unter anderem wegen dieser Pläne wolle Magna alle Opel-Standorte in Deutschland erhalten, berichtet die "Welt am Sonntag". Bochum, Rüsselsheim und Eisenach seien für Magna interessante und effiziente Werke, heißt es unter Berufung auf das Unternehmensumfeld. Auch das Opel-Werk Kaiserslautern solle nicht geschlossen werden. An den Werken in Antwerpen in Belgien und Luton in Großbritannien festzuhalten, werde jedoch schwer. Zudem beinhaltet das Magna-Konzept laut "Automobilwoche" die Erschließung des russischen Marktes.
Der Opel-Interessent Fiat hat mit einer weltweiten Automobilgruppe aus Fiat, Opel und Chrysler dagegen komplett andere Pläne mit dem deutschen Traditionshersteller. "Lancia soll dem Konzept zufolge zugunsten von Opel wegfallen", sagte ein Vertrauter von Marchionne der "Automobilwoche". Saab solle mit Chrysler verschmolzen werden und sportlich ausgerichtete Modelle und Cabrios bauen, Alfa Romeo könnte von der Opel-Technik profitieren und ein weiteres großes Modell bekommen. Der neue Großkonzern solle mehr als fünf Millionen Autos pro Jahr produzieren und neue Märkte über das bisherige GM-Geschäft in Asien und Südamerika erschließen.
sam/Dow Jones/dpa-AFX
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