Berlin/Frankfurt am Main - Die Streiks in den städtischen Kindertagesstätten weiten sich immer mehr aus: Mehr als 15.000 Beschäftigte des Sozial- und Erziehungsdienstes haben laut Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Montag die Arbeit niedergelegt.
Streikende Erzieherinnen in Düsseldorf: "Unseriöse Augenwischerei"
In Bayern beteiligten sich rund 3000 Kita-Erzieher sowie Sozialarbeiter und Sozialpädagogen. Schwerpunkte waren München, Nürnberg, Erlangen, Fürth sowie kleinere Einrichtungen in Würzburg und Oberfranken, wie Ver.di Bayern mitteilte. Außer Kitas seien auch Lernstuben und Einrichtungen für Nachmittagsbetreuung betroffen.
Mit den Protesten wollen die Gewerkschaften höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen für die etwa 220.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst des öffentlichen Dienstes erreichen. Bereits am Freitag hatten 11.000 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Am Dienstag sollen die Streiks fortgesetzt werden, kommende Woche sind weitere Ausstände in Ostdeutschland geplant.
In den kommunalen Kindertagesstätten in Kiel und Plön darf indes nicht gestreikt werden. Das Arbeitsgericht untersagte am Montag einen entsprechenden Ver.di-Aufruf. Gegen das Urteil will die Gewerkschaft rechtlich vorgehen.
Arbeitgeber halten Streik für überflüssig
Die Arbeitgeber kritisierten die Ausstände als überflüssig. "Wir bedauern sehr, dass es zu dieser Situation gekommen ist", sagte der Verhandlungsführer der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände, Manfred Hoffmann, im ZDF. "Die Erzieherinnen streiken, ohne dass die laufenden Verhandlungen gescheitert sind."
Die Arbeitgeberseite sei zum ersten Mal am 25. März mit den Forderungen von Gewerkschaftsseite, unter anderem zum Gesundheitsschutz, konfrontiert worden. "Unsere Gremien beschäftigen sich damit, wir werden uns am 27. Mai dazu äußern", erklärte Hoffmann.
Man sehe die Forderungen der Gewerkschaften kritisch, verweigere sich aber nicht grundsätzlich. Die Arbeitgeber hätten bereits Gehaltsverbesserungen in Höhe von 230 Euro in Aussicht gestellt. "Wir bemühen uns um eine schnelle Lösung", sagte Hoffmann.
Die Forderung der Gewerkschaft, mehr Personal im Erziehungsbereich einzustellen, kommentierte Hoffmann mit den Worten: "Es ist nicht Aufgabe der Tarifverhandlungsparteien, die Personalgröße von Kitas festzulegen. Die Situation in den einzelnen Kommunen ist sehr unterschiedlich."
"Unseriöse Augenwischerei"
Die GEW bezeichnete Hoffmanns Aussagen zu Gehaltsverbesserungen in Höhe von 230 Euro dagegen als "unseriöse Augenwischerei". "Dieses Angebot gilt - nach 15 Berufsjahren - nur für die kleine Gruppe von Erzieherinnen, die in die Entgeltgruppe (EG) 8 eingestuft werden soll", sagte Verhandlungsführerin Ilse Schaad. Die Mehrzahl der Erzieherinnen solle im Vergleich zum alten Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) weiterhin 13 Prozent Gehaltsverlust hinnehmen.
Die GEW fordere eine Eingruppierung aller Erzieherinnen in EG 9. Einer Umfrage zufolge leiden rund 87 Prozent der Erzieherinnen wegen der erhöhten Arbeitsintensität. Auch zu wenig Personal, Lärmbelastungen sowie körperliche Belastungen unter gesundheitlichen Problemen macht den Erzieher zu schaffen. Erzieher litten vermehrt unter Nervosität, Kopfschmerzen und Schlafstörungen.
Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Achim Meerkamp erklärte, die Arbeitgeber hätten noch immer keine Bereitschaft signalisiert, ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch zu legen.
ssu/AFP/AP/dpa
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