Frankfurt am Main - In Zeiten der Wirtschaftskrise hält einer Studie zufolge jeder vierte Mitarbeiter in Deutschland Schmiergeldzahlungen für gerechtfertigt. Geschenke oder Vergnügungsangebote sind demnach für jeden fünften opportune Mittel zum Zweck.
"Die hohe Bereitschaft zur Korruption ist wirklich alarmierend", fasste Ernst-&-Young-Partner Stefan Heißner am Dienstag die Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zusammen. Im Rahmen der Untersuchung wurden in 22 europäischen Ländern rund 2200 Arbeitnehmer befragt, davon allerdings nur 101 in Deutschland.
Im europäischen Schnitt sieht es nicht besser aus, offenbar macht die Krise Unternehmen korrupter. Durchschnittlich hielten 25 Prozent der Mitarbeiter Schmiergeldzahlungen für gerechtfertigt, um das Geschäft in einer Rezession anzukurbeln. "Wenn 25 Prozent der Befragten offen ihre Bereitschaft erklären, Geschäftspartner zu bestechen, dann müssen wir zusätzlich mit einer erheblichen Dunkelziffer rechnen", fügte Heißner hinzu.
In Deutschland rechneten 59 Prozent der Mitarbeiter mit einer Zunahme der Korruption in der Wirtschaftskrise, hieß es in der Studie weiter. Hauptgründe dafür seien der steigende Druck, die Firmenzukunft zu sichern und der mit der Krise einhergehende Personalabbau. Durch ihn sinke einerseits die Moral bei den Beschäftigten, andererseits fehlten schlicht Kapazitäten zur Korruptionsbekämpfung. "Wird das Personal ausgedünnt, dann ist manche Form der Kontrolle nicht mehr durchführbar", erläuterte Ernst-&-Young-Experte Heißner.
Immerhin würden 46 Prozent der befragten Mitarbeiter anerkennen, dass die Anstrengungen ihrer Unternehmen in Sachen Korruptionsbekämpfung gestiegen seien. Allerdings glaubten auch nur 45 Prozent, dass ihr Unternehmen weitgehend frei von Korruption sei. Das größte Korruptionsrisiko sähen die Mitarbeiter nicht bei der Belegschaft, sondern beim oberen Management.
ore/Reuters
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