Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
20.05.2009
 

Größtes Minus seit 1945

Japans Wirtschaft stürzt ab

Dramatischer Abschwung in Japan: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist im ersten Quartal so stark geschrumpft wie noch nie seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Auf das gesamte Jahr hochgerechnet beträgt das Minus mehr als 15 Prozent.

Tokio - Wirklich gesund war die japanische Wirtschaft in den vergangenen Jahren ohnehin nicht, doch jetzt ist sie regelrecht abgestürzt: In den ersten drei Monaten des Jahres ist das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal um vier Prozent eingebrochen, teilte die Regierung in Tokio mit. Hochgerechnet auf das gesamte Jahr bedeute dies einen Rückgang um 15,2 Prozent.

Börsentafel in Tokio: Die Krise trifft die Exportnation hart
Zur Großansicht
REUTERS

Börsentafel in Tokio: Die Krise trifft die Exportnation hart

Damit ist Japans Wirtschaft so stark geschrumpft wie noch nie seit 1945. Gleichzeitig ist es das erste Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges, dass sich das Bruttoinlandsprodukt in vier aufeinanderfolgenden Quartalen verringert hat. Der bisher stärkste Wirtschaftseinbruch fand im ersten Quartal 1974 statt. Damals ging das Wachstum wegen der Ölkrise - auf das Jahr hochgerechnet - um 13,1 Prozent zurück.

Das exportorientierte Japan leidet unter der weltweiten Wirtschaftskrise besonders. Der Wert der ausgeführten Waren und Dienstleistungen ging laut Regierungsangaben von Januar bis März 2009 im Vergleich zum vierten Quartal 2008 um 26 Prozent zurück. Am stärksten betroffen waren die Automobil- und die Hochtechnologieindustrie.

Große Exporteure wie Toyota und Sony reagierten in den vergangenen Wochen mit Produktionskürzungen, Stellenstreichungen und Kurzarbeit. Darüber hinaus sinkt aber auch die Nachfrage im Inland. Sie ging im ersten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 2,5 Prozent zurück.

Immerhin: Experten äußerten die Erwartung, dass die japanische Wirtschaft ab dem zweiten Quartal wieder anziehen könne. Die Industrieproduktion hat laut den vorgelegten Zahlen im März gegenüber dem Vormonat bereits um 1,6 Prozent zugelegt. Die Konjunktur befinde sich immer noch in einer "schwierigen" Lage, sagte der Ökonom Koichu Haji vom Forschungsinstitut NLI. Der "schlimmste Schock" sei aber womöglich vorbei. Ähnlich äußerte sich der für den Raum Asien zuständige Ökonom Glenn Maguire von der Société Générale. Tokio hat zur Bekämpfung der Finanzkrise ein milliardeschweres Konjunkturprogramm aufgelegt.

Entsprechend ruhig reagierte die Börse auf die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt. Der Nikkei Chart zeigen legte im Vormittagshandel gut 0,4 Prozent zu. Der breiter gefasste Topix Chart zeigen gewann ebenfalls knapp 0,4 Prozent.

Positive Nachrichten kamen auch vom Autohersteller Mazda. Dank der Abwrackprämie in Deutschland und Frankreich streicht das Unternehmen im Juni die Kurzarbeit in seinem japanischen Hauptwerk. Die Nachfrage erhole sich spürbar, vor allem als Folge der Konjunkturmaßnahmen in den beiden großen europäischen Volkswirtschaften, teilte das Unternehmen mit.

wal/AFP/AP/dpa/Reuters

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 83 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
08.09.2009 von Adran:

Die Wiedergeburt der japanischen Demokratie by Ian Buruma (http://www.project-syndicate.org/commentary/buruma29/German) als ergänzung Eine japanische Metamorphose? by Masahiro Matsumura [...] mehr...

07.09.2009 von Diomedes: Der Fluch der Geographie... III

Das Wort Humanismus lassen wir hier schön aus dem Spiel, denn entweder ist es nicht verstanden worden, da die Humanisten wie Machiavelli oder Thomas Morus, als an der Antike orientierte philosophisch-literarische Strömung der [...] mehr...

07.09.2009 von Karkur:

Sehr geehrter Herr Jens-Daniel! Wenn Ihnen Humanismus und auf einer soliden Wirtschaft beruhender Wohlstand aller Menschen der Erde langweilig erscheint sowie Gewaltpolitik für Sie akzeptabel ist, kann ich mit Ihnen keinen [...] mehr...

05.09.2009 von Diomedes: Der Fluch der Geographie... II

Immer diese wirtschaftlichen Stoßgebete (ich erspare mir nun den Hinweis darauf, dass sich der Kriege auch im Eisen-, Feuerwaffen- und Atomzeitalter weiterhin seiner alten Beliebtheit erfreut, wenn ihm auch die liebe Atombombe [...] mehr...

05.09.2009 von Karkur:

Sehr geehrter Herr Jens-Daniel! Alle Achtung für diesen Fleissartikel! Doch der Nationalstaat hat ausgedient, die Wirtschaft hat sich global organisiert und japanische Konzerne sind dabei nicht schlecht aufgestellt. Somit [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP