Frankfurt am Main - Der Kampf um den Autozulieferer Continental scheint wieder offen: Laut einem Zeitungsbericht zeichnet sich eine überraschende Lösung ab. Demnach könnten beide Unternehmen unter dem Dach der Conti AG fusionieren. Die Unternehmensberatung Roland Berger prüfe derzeit im Auftrag des Gläubigerkonsortiums unter Führung der Commerzbank ein solches Szenario. Dies berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanz- und Unternehmenskreise.
Maria-Elisabeth Schaeffler: Erbin steht Plan wohlwollend gegenüber
Ein solches Modell wäre das glatte Gegenteil der bisherigen Pläne. Seit vergangenem Sommer versucht die familiengeführte Schaeffler Gruppe, den deutlich größeren Konzern Continental
zu übernehmen. Allerdings hat sich Schaeffler dabei übernommen: Wegen der Finanzkrise ist das Unternehmen mittlerweile schwer angeschlagen und bittet um Staatshilfe.
In dieser Situation ist nun offenbar eine Gegen-Übernahme von Schaeffler durch Conti im Gespräch. Laut "Handelsblatt" sieht der Plan der Banken vor, die Schaeffler-Gruppe vollständig in den Conti-Konzern zu überführen. "Das ist ein Modell, das funktionieren könnte, und es scheint derzeit das einzige Modell zu sein", hieß es dem Blatt zufolge in Gläubigerkreisen.
Die kreditgebenden Banken hofften nun, durch einen so genannten Reverse Takeover allzu hohe Abschreibungen auf die mit Anteilen von Conti und Schaeffler besicherten Kredite vermeiden zu können. Zudem könnten die Banken bei einer Teilumwandlung ihrer Kredite in Conti-Aktien diese später besser verkaufen, als Anteile an der nicht börsennotierten Schaeffler-Holding. Bei einem Treffen von Conti und Schaeffler am vergangenen Freitag sei dieses Szenario besprochen worden, schrieb die Zeitung weiter.
Miteigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler stehe dem Plan grundsätzlich wohlwollend gegenüber, hieß es in dem Bericht. Auch in der Politik gebe es breite Unterstützung für solch eine Lösung.
Der Fall erinnert an den Streit bei Volkswagen und Porsche. Auch hier hatte das kleinere Unternehmen - Porsche - versucht, das größere - Volkswagen - zu übernehmen. Mittlerweile steckt der Sportwagenhersteller jedoch in erheblichen Finanzschwierigkeiten. Aus diesem Grund sollen nun beide Firmen fusionieren, wobei sich eine deutliche Dominanz von Volkswagen abzeichnet.
wal/Reuters
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