Washington - Es ist ein ungewöhnlicher Vorstoß, aber er ist typisch Google: Nach dem Abgang mehrerer Top-Manager versucht der Suchmaschinenriese jetzt die Wahrscheinlichkeit weiterer Kündigungen zu berechnen. Der Konzern habe eine mathematische Formel entwickelt, um diejenigen Mitarbeiter zu identifizieren, die das Unternehmen bald verlassen könnten, berichtet das "Wall Street Journal" am Dienstag.
Google-Personalmanager Laszlo Bock begründete den Kündigungsalgorithmus gegenüber dem "Journal" mit markigen Worten: "So können wir in die Köpfe der Leute gucken, ehe sie selbst wissen, dass sie vielleicht gehen wollen."
Einzelheiten zur Zusammensetzung der Formel wollte er freilich nicht verraten - was nicht weiter überrascht. Google hütet die Beschaffenheit all seiner Algorithmen wie ein Staatsgeheimnis. Bock sagte, die Rechentechnik werde erst noch getestet. Genutzt werden dafür dem Bericht zufolge Informationen aus Mitarbeiterbeurteilungen zu Beförderung und Gehaltsentwicklung.
Immerhin: Laut Bock wurde der Algorithmus schon einmal erfolgreich angewandt. Man habe durch ihn Mitarbeiter identifiziert, die sich unterfordert fühlen. "Und Unterforderung ist einer der wichtigsten Gründe für die, die ans Weggehen denken."
Edward Lawler, Direktor des südkalifornischen Center for Effective Organizations, lobte den Ansatz. Google sei eine der ersten Firmen, die einen quantitativen Ansatz für Personalentscheidungen wählten.
So exotisch dieser Denkansatz aktuell noch anmuten darf: Er hat einen durchaus ernsten Hintergrund: Laut "WSJ" will Google mit dem Kündigungsalgorithmus gegen die Bedrohung eines Brain Drain angehen.
Frühere Google-Mitarbeiter und solche, die noch im Unternehmen arbeiten, sagten der Zeitung, die Firma verliere Talente, weil einige Beschäftigte mit dem Wachsen der Firma ihren Einfluss verlören. Es gebe Befürchtungen, dass der Weggang von Top-Leuten langfristig der Wettbewerbsfähigkeit schade.
Die Angst vor einem Brain Drain habe sich in den vergangenen Wochen verschärft, nachdem Top-Talente wie Werbechef Tim Armstrong und Display-Ad-Chef David Rosenblatt das Unternehmen verlassen hatten.
ssu/AFP
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