Wirtschaft



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21.05.2009
 

Arabische Währungsunion

Aus dem "Golfo" wird kein Euro

Von Bernhard Zand, Dubai

Verärgert über die Dominanz der Saudis und sauer, weil sie die Zentralbank nicht kriegen, ziehen sich die Vereinigten Arabischen Emirate aus dem Projekt einer gemeinsamen Währung am Golf zurück. Die Konsenskultur der Araber stößt an ihre Grenzen.

Der Kommentar, der aus dem Außenministerium in Abu Dhabi kam, ist von so zeitloser Schönheit und Unaufrichtigkeit, dass sich noch Generationen von Diplomaten daran erfreuen werden: "Die Vereinigten Arabischen Emirate gratulieren den Staaten, die der Währungsunion beitreten werden, und wünschen ihnen viel Erfolg." Aber wir, so steht zwischen den gedrechselten Zeilen, sind da nicht mehr dabei.

Banker in Saudi-Arabien: Großmacht am Golf
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REUTERS

Banker in Saudi-Arabien: Großmacht am Golf

Vor sieben Jahren beschlossen die sechs Staaten des Golf-Kooperationsrates - Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman -, es der EU gleichzutun und eine gemeinsame Währung zu gründen. Im Januar 2010 sollte es so weit sein, doch am Mittwoch verabschiedeten sich die Emirate von der Idee. Aus dem "Chalidschi", der im Westen bereits als "Golfi" und "Golfo" von sich reden machte, wird jetzt vorläufig nichts - wenn er überhaupt je das Licht der Welt erblickt.

Die geplante Währungsunion der Golfstaaten hatte vor allem in den vergangenen Jahren des hohen Ölpreises die Phantasie der Ökonomen angeregt: Sollte dem schwachen Dollar da womöglich eine Konkurrenzwährung erwachsen? Wie weit geht der Ehrgeiz dieser Scheichs, die mehr als ein Fünftel des täglichen Ölbedarfs der Welt decken? Könnte es sein, dass eines Tages auch der Irak und Iran bei dem Projekt mitmachen? Welchen wirtschaftlichen Sog können die in den Staatsfonds der Ölstaaten angehäuften Vermögen entfalten?

"Ausstieg eine Frage des Prinzips"

Tatsächlich hat Saudi-Arabien, der mit Abstand größte und stärkste der Golfstaaten, nie im Ernst daran gedacht, sich mit den USA oder der Leitwährung des Ölmarkts, dem Dollar, anzulegen. Wohl aber sieht sich das Königreich als natürliche Großmacht am Golf, das bekommen seine kleineren Nachbarn immer wieder zu spüren, ob es um Grenzstreitigkeiten oder um politische Fragen wie das Verhältnis zu Iran, um Terrorbekämpfung oder gemeinsame Pipeline-Projekte geht.

Wie selbstverständlich holten sich die Saudis 1981 das Generalsekretariat des Golfkooperationsrates in ihre Hauptstadt Riad; dass sie jetzt aber auch noch die Zentralbank der gemeinsamen Währung haben wollten, war den Emiratis offenbar zu viel. Sie hatten sich 2004 selbst um die Zentralbank beworben und waren ziemlich sicher, dass sie sie auch bekommen. "Das ist eine Sache des Prinzips", erläuterte ein hoher Beamter in Abu Dhabi der "Financial Times" den Ausstieg der Emirate; damit werde das gemeinsame Projekt "definitiv" geschwächt, denn mit den Emiraten gehe den Golfstaaten ein Drittel ihrer gesamten Wirtschaftskraft verloren.

Das kleine Oman hatte sich schon 2007 aus dem "Golfo"-Projekt verabschiedet. Die verbliebenen fünf Staaten zusammenzubringen galt unter Ökonomen als eine durchaus lösbare Aufgabe. Im Gegensatz etwa zu den EU-Staaten sind ihre Volkswirtschaften sehr ähnlich, nämlich an Öl und Gas ausgerichtet. Die Währungen sind, mit Ausnahme des kuwaitischen Dinars, alle an den Dollar gekoppelt. Schon heute macht es kaum Umstände, aus einem der Golfstaaten in einen anderen zu reisen: Die Wechselkurse sind, bis auf ein paar Stellen hinterm Komma, stabil, in manchen Ländern kann man sogar mit der Währung des Nachbarn bezahlen.

Dass es die Scheichs und Emire trotz ihres Reichtums, ihrer gemeinsamen Sprache und Kultur offenbar nicht schaffen, sich auf eine gemeinsame Währung zu einigen, lässt für die großen politischen Fragen, vor denen sie stehen, nichts Gutes erwarten: Es sei zwar denkbar, sagt Eckart Woertz, der Chefökonom des Gulf Research Center in Dubai, dass die Emirate nur pokern, um am Ende wenigstens einen der Ihren als Chef der gemeinsamen Zentralbank durchzusetzen. "Doch ihr öffentlicher Rückzug aus diesem Projekt hat viel Porzellan zerschlagen. In der Konsenskultur, die am Golf dominiert, wird es für beide Seiten schwer sein, ihr Gesicht zu wahren."

Bleiben nach dem kleinen Währungsdebakel also mindestens drei große Fragen: Wie sollen sich die Golf-Araber je darauf einigen, den armen, vom Terrorismus und schweren politischen Problemen geplagten Jemen in ihren exklusiven Club aufzunehmen? Werden sie je zu einer gemeinsamen Haltung gegenüber dem Irak und dem mächtigen Nachbarn Iran finden? Und was haben sie und ihre arabischen Brüder Barack Obama zu bieten, wenn der nun darangeht, Frieden zwischen Israel und den Palästinensern zu stiften?

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