Wirtschaft



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22.05.2009
 

Wettbieten der Investoren

Ministerien favorisieren Magnas Opel-Pläne

Im Wettrennen um Opel geht Magna in Führung: GM, Belegschaft und Länderfürsten befürworten das Angebot von Investor Frank Stronach und Partnern - auch in den Bundesministerien gibt es nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen parteiübergreifende Sympathien dafür. Fiat fällt dagegen durch.

Rüsselsheim/Berlin/Turin - Die drei Konzepte für eine Opel-Übernahme liegen vor, jetzt muss die Bundesregierung mit dem Management des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) zwischen dem Autobauer Fiat Chart zeigen, dem Zulieferer Magna Chart zeigen und dem Finanzinvestor Ripplewood wählen.

Magna-Boss Stronach: "Am nächsten an den Hoffnungen"
REUTERS

Magna-Boss Stronach: "Am nächsten an den Hoffnungen"

Zusehends kristallisiert sich Magna dabei als Spitzenreiter heraus. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE gibt es in den Ministerien in Berlin parteiübergreifend Sympathien für den österreichisch-kanadischen Zulieferer, der sich gemeinsam mit der russischen Sberbank und dem russischen Autobauer Gaz engagieren will. Regierungssprecher Thomas Steg verneinte am Freitag jedoch, dass die Bundesregierung eine Präferenz für einen der Bieter habe. "Dafür ist es noch zu früh", sagte Steg.

Auch bei GM liegt Magna derweil vorne: In einem geheimen Ranking hat die US-Mutter ermittelt, welchem Interessenten der Autokonzern am liebsten eine Beteiligung an seiner europäischen Tochter einräumen will. Platz eins belegt nach SPIEGEL-Informationen Magna, Rang zwei der US-Finanzinvestor Ripplewood - und erst auf Platz drei steht Fiat.

Die Entscheidung darüber, wer die europäischen GM-Aktivitäten mit den Marken Opel und Vauxhall übernimmt, muss der Mutterkonzern in Detroit selbst fällen. GM-Boss Fritz Henderson hat sich intensiv mit den Interessenten befasst. Er muss berücksichtigen, welche Folgen die Mehrheitsübernahme eines Investors bei GM Europe auf das Geschäft von General Motors hat - denn der US-Konzern will weiter an dem Unternehmen beteiligt bleiben und technisch mit ihm zusammenarbeiten.

Koch favorisiert Magna

Auch auf Ebene der Bundesländer, in denen Opel produziert, gibt es erste Stimmen für Magna. Der Konzern ist nach den Worten von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) der Favorit für die Übernahme. Das Angebot von Magna, sei "sicherlich am nächsten an den Hoffnungen und Wünschen vieler in der deutschen Politik, aber auch bei den Arbeitnehmern", sagte Koch am Freitag im Deutschlandfunk.

Die Offerte des US-Finanzinvestors Ripplewood sei ebenfalls "interessant". Dagegen habe das Angebot des italienischen Autobauers Fiat "manche enttäuscht". Dieses sei "sehr weit von dem entfernt, was man sich vielleicht erhofft hat an mancher Stelle", sagte Koch.

Die Bundesländer - allen voran Hessen - wollen Opel mit einer milliardenschweren Finanzhilfe stützen. Hintergrund ist eine mögliche Pleite von GM. Eine Insolvenz des Mutterkonzerns könnte auch Opel treffen. Bund und Länder fürchten um die Arbeitsplätze in Deutschland und hoffen daher auf einen Investor für den Hersteller.

Bund prüft die Konzepte

Nach der Vorlage der Übernahmekonzepte berät die Bundesregierung unter Hochdruck weiter über die Rettung von Opel. Die zuständigen Minister sowie die Ministerpräsidenten der vier Opel-Länder Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen treffen sich dazu am Freitag im Bundeskanzleramt. Regierungssprecher Steg schloss nicht aus, dass es dabei zu einer Vorentscheidung kommen könnte. Die endgültige Entscheidung müsse aber in den USA fallen.

Um Stellenstreichungen wird Opel bei keinem der drei Konzepte herumkommen. Fiat-Chef Sergio Marchionne machte im Gespräch mit dem SPIEGEL deutlich, dass in den vier deutschen Opel-Fabriken in Rüsselsheim, Kaiserslautern, Bochum und Eisenach Arbeitsplätze abgebaut werden, falls eine Fusion zustande kommt. "Wir müssen die Produktionskapazitäten in dem neuen Gemeinschaftsunternehmen aus Fiat und den europäischen GM-Töchtern um 20 Prozent reduzieren", sagte der Manager. Das bedeute nicht, dass auch die Zahl der Arbeitsstellen um 20 Prozent sinken müsse, fügte er hinzu. Der erforderliche Abbau von Stellen werde gleichmäßig über Europa verteilt.

Fiat will im Falle eines Einstiegs europaweit insgesamt 18.000 Jobs streichen, auch in Fiat-Werken, berichtet die "Bild"-Zeitung. Magna plane den Abbau von rund 10.000 Stellen. Auch das Ripplewood-Konzept sehe Stellenstreichungen in dieser Größenordnung vor. GM beschäftigt in Europa insgesamt rund 55.000 Mitarbeiter.

Auch fordern alle Bieter Finanzhilfe durch die Bundesregierung. Nach "Bild"-Informationen verlangt Magna Bürgschaften von rund fünf Milliarden Euro, Ripplewood taxiere den abzudeckenden Kreditbedarf auf unter fünf Milliarden Euro. Die höchsten Staatsgarantien verlange Fiat mit rund sieben Milliarden Euro.

Überbrückungsfinanzierung für Opel in Millionen Euro
Bund 750
Hessen 447
Nordrhein-Westfalen 150
Rheinland-Pfalz 102
Thüringen 51
Quelle: Reuters/dpa

Der Finanzbedarf des Autobauers soll unter anderem über einen verbürgten Kredit, für den der Bund und die Länder je zur Hälfte einstehen, gedeckt werden. Thüringen will 51 Millionen Euro beisteuern, Nordrhein-Westfalen 150 Millionen Euro und Rheinland-Pfalz rund 102 Millionen Euro. Hessen will sich mit 447 Millionen Euro beteiligen. Insgesamt sind 1,5 Milliarden Euro an Überbrückungshilfen im Gespräch.

Betriebsrat unterstützt Magna und Ripplewood

Magna ist nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" auch Favorit des Opel-Gesamtbetriebsrates, der die rund 25.000 Mitarbeiter in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern vertritt. Der Autozulieferer habe ein "sehr detailliertes Konzept" vorgelegt, hieß es.

Die Opel-Beschäftigten basteln gleichzeitig an einer Notlösung, sollte die Übernahme durch die drei Kandidaten scheitern. "Wenn alle Stricke reißen, würden die Arbeitnehmer und die Händler von Opel eine gemeinsame Offerte vorlegen", sagte Betriebsratschef Klaus Franz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Summe könnte bei 1,5 Milliarden Euro liegen. Davon entfielen eine Milliarde Euro auf einen Lohnverzicht der Beschäftigten und weitere 500 Millionen Euro auf den Rettungsfonds, den die 4000 Opel-Händler schon beschlossen haben.

Franz begrüßte seinerseits auch die Ripplewood-Offerte: Das Konzept sei "absolut logisch und nachvollziehbar", sagte der Betriebsrat der Zeitung "Die Welt". "Das Angebot muss ernsthaft geprüft werden." Leider werde es in der aktuellen Diskussion nicht angemessen wahrgenommen.

Chinesen legen Last-Minute-Angebot vor

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will eine erste Bewertung der Opel-Investorenkonzepte an diesem Freitag im Kanzleramt vorstellen. Dabei sollten die drei vorliegenden Übernahmeangebote im Lichte verschiedener Kriterien erörtert werden, sagte der Minister am Donnerstag im fränkischen Burghaslach.

Er sei guter Dinge, "dass wir die Überprüfung zügig vornehmen können, aber gleichzeitig auch mit General Motors und den Amerikanern verhandeln", sagte er. Keine Angaben machte Guttenberg zu der Frage, wann er mit einem Ergebnis der Bewertung rechne. Der spätest mögliche Zeitpunkt sei der 28. Mai. "Bis dahin müssen wir eine Grundeinschätzung treffen, weil bis dahin aller Voraussicht nach mit einem Insolvenzverfahren der Amerikaner zu rechnen ist."

Unterdessen hat sich offenbar ein vierter Investor für Opel in Position gebracht. Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg berichtet, ein chinesischer Hersteller habe General Motors am Donnerstag schriftlich sein Interesse signalisiert. Ob es aber tatsächlich zu einem detaillierten Angebot kommen werde, sei offen.

suc/dpa/dpa-AFX/Reuters

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