Hamburg - Wer bei Google News "Opel" und "Magna" eingibt, erhält rund 21.000 Treffer. Sucht man hingegen nach "Opel" und "Sberbank", findet man nur 2000 Einträge. Dabei dürften beide Unternehmen künftig eine wichtige Rolle bei dem deutschen Autohersteller spielen - die russische Sberbank vermutlich sogar eine größere als der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna.
Opel-Werk in Eisenach: Bald in russischer Hand?
Was kaum jemand beachtet: Magna wird bei Opel nicht alleine einsteigen. Das Unternehmen will zwei Partner mit ins Boot holen - zum einen die Sberbank, zum anderen den russischen Autohersteller Gaz. Aus einer Mitteilung von Magna am Freitagabend geht hervor: Der Autozulieferer selbst will nur 20 Prozent der Opel-Anteile, die Russen sollen dagegen rund 35 Prozent bekommen. Die restlichen Anteile sollen der Opel-Mutterkonzern General Motors (35 Prozent) und die Opel-Belegschaft (zehn Prozent) halten.
Trotzdem ist die öffentliche Wahrnehmung eine andere. Die Rede ist stets vom "Magna"-Konzept. Von einem "Sberbank"-Plan oder einer "Gaz"-Offerte spricht dagegen niemand - obwohl die russischen Unternehmen bei Opel bald das Sagen haben dürften.
Reiner Zufall? Gute Krisen-PR? Oder ist Magna nur der Strohmann russischer Interessen? Wird Opel künftig gar vom Kreml kontrolliert?
Fest steht: Die Sberbank ist eine quasi staatliche Institution. Das Geldhaus gehört zu rund 60 Prozent der russischen Zentralbank. Geleitet wird sie von German Gref, früher Wirtschaftsminister und enger Vertrauter Wladimir Putins. Die Sberbank gilt als die größte Bank Osteuropas.
Auch Gaz pflegt enge Kontakte zum Kreml. Der Autohersteller, der unter anderem die Marke Wolga produziert, gehört dem Oligarchen Oleg Deripaska. Der 41-Jährige gilt als Putin-treu. Lange Zeit war er der reichste Mann Russlands, nun soll er durch die Finanzkrise rund 25 Milliarden Dollar verloren haben, berichtet das US-Magazin "Forbes". Doch das hat Deripaskas Einfluss nicht geschmälert: Der russische Staat unterstützt seine Autofirma Gaz mit Millionenbürgschaften.
Außerdem hat Deripaska allerbeste Kontakte nach Österreich: Er war früher Großaktionär bei Magna. Trotz seines Ausstiegs im vergangenen Jahr soll er sich mit Magna-Gründer Frank Stronach blendend verstehen.
Auch sonst stehen prominente Personen hinter der Magna-Sberbank-Gaz-Offerte (siehe Fotostrecke). So sitzt der ehemalige österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) im Magna-Aufsichtsrat. Und auch auf deutscher Seite wurde politischer Einfluss geltend gemacht: Nach SPIEGEL-Informationen setzte sich Altkanzler Gerhard Schröder bei SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier für die Österreicher ein - und damit für die Russen. Steinmeier selbst ließ schon früh Präferenzen für Magna erkennen, indem er sich mehr oder weniger deutlich gegen den Konkurrenten Fiat aussprach.
Unterstützung erhält Magna außerdem von Arbeitnehmerseite: Opel-Betriebsratschef Klaus Franz lehnte das Fiat-Konzept stets ab. Die meisten Jobs könnten wohl mit Magna gerettet werden, hieß es. Ähnlich deutlich äußerte sich IG-Metall-Boss Berthold Huber: Ein Treffen mit Fiat-Chef Sergio Marchionne nannte er unergiebig.
Eine russisch-sozialdemokratisch-gewerkschaftliche Seilschaft für Opel?
Tatsächlich sprechen aus deutscher Sicht gute Gründe für das Angebot von Magna. Gemeinsam mit den russischen Partnern will das Unternehmen nur fünf Milliarden Euro an Staatsbürgschaften beantragen. Fiat hingegen, heißt es in Berlin, benötige sieben Milliarden. Auch bei den Jobs stehen Magna-Sberbank-Gaz gut da: Sie wollen bei Opel in Deutschland nur 2500 Stellen streichen. Fiat hingegen könnte europaweit 10.000 Arbeitsplätze abbauen.
Doch was wollen die Unternehmen wirklich? Wie könnte eine Allianz aus Opel, Magna, Gaz und der Sberbank aussehen? SPIEGEL ONLINE analysiert, wer welche Interessen verfolgt.
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