Hamburg - Drei Bieter haben ihre Konzepte zur Rettung von Opel vorgelegt - und konnten die Bundesregierung noch nicht überzeugen. Auch in den Bundesländern mit Opel-Standort werden die Angebote, die Magna, Fiat
und dem Finanzinvestor RHJ International am Mittwoch vorgelegt haben, kritisch bewertet.
Karl-Theodor zu Guttenberg: "Insolvenz immer noch eine Option"
Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hält alle drei Angebote bislang für unzureichend. "Eine Risikoanalyse, die keine Zweifel lässt, steht noch aus", sagte Guttenberg dem SPIEGEL. "Insofern bleibt auch eine geordnete Insolvenz immer noch eine Option."
Ähnlich äußerte sich der Minister gegenüber der "Bild am Sonntag": "Uns liegen jetzt drei Angebote für eine Übernahme von Opel vor. Das bedeutet aber nicht, dass eines davon automatisch und zwingend zum Tragen kommt. Zuvor müssen wir eine hohe Sicherheit dafür haben, dass die erheblichen Steuermittel, die wir dafür einsetzen müssen, nicht verloren gehen. Diese Sicherheit gewährleistet bislang aus meiner Sicht noch keines der drei Angebote in ausreichender Weise." Bliebe es bei diesen Defiziten, wäre eine geordnete Insolvenz die klar bessere Lösung - auch sie könnte Chancen für die Zukunft Opels eröffnen, sagte er der "BamS".
In das Fiat-Konzept für eine Übernahme von Opel sind nach Marchionnes Darstellung auch Pensionsverpflichtungen in Höhe von rund vier Milliarden Euro eingerechnet. Ein Gemeinschaftsunternehmen aus Fiat und GM Europe werde die erhofften Staatsgarantien in spätestens fünf Jahren ablösen, fügte er hinzu. "Unser Konzept erfüllt am besten alle Kriterien", gab sich Marchionne zuversichtlich, dass Fiat das Bieter-Rennen gewinnen werde. "Jeder, auch in der Politik, der die Grundrechenarten beherrscht, kann dies nachprüfen." Fiat hatte am Samstag sein Konzept nachgebessert.
Der österreichisch-kanadische Automobilzulieferer Magna dagegen knüpft eine Rettung des Autobauers Opel nach Informationen des SPIEGEL an weitere staatliche Hilfen. Das geht aus dem Übernahmekonzept Magnas hervor, das der Konzern bei der Bundesregierung eingereicht hat.
Magna
werde mit dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM)
, der Bundesregierung und dem Pensionssicherungsverein zusammenarbeiten, "um eine akzeptable Lösung zu finden und einzuführen", heißt es in dem Konzept.
Magna stellt zudem in Aussicht, jedes Jahr zwei Prozent seines Nettogewinns für wohltätige Zwecke zu spenden. Obwohl in den deutschen Werken Personal abgebaut wird, sollen die Fertigungszahlen kräftig steigen. So sollen in Rüsselsheim nach den Plänen künftig 250.000 Autos vom Band rollen, derzeit sind es nur 160.000. Selbst in Bochum soll die Produktion um 58.000 Einheiten steigen.
Magna hatte am Freitag mitgeteilt, bei einer Opel-Übernahme mit seinem russischen Partner Sberbank 700 Millionen Euro in den angeschlagenen deutschen Autobauer investieren zu wollen. Die Summe solle teils von der Bundesregierung garantiert werden. Das nicht-bindende Kaufangebot von Magna sieht nach eigenen Angaben vor, dass GM einen Anteil von 35 Prozent an dem deutschen Autobauer behalten solle, erklärte Magna.
Am Montag will die Regierung erneut zusammenkommen und möglicherweise eine Vorentscheidung treffen.
jjc/AFP/dpa/Reuters
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