Berlin - Die Bahn hat den Umbau des Top-Managements vollzogen: Vorstandschef Rüdiger Grube erklärte bei der Vorstellung seiner neuen Kollegen, im Herbst wolle das Gremium ein krisenfestes Zukunftskonzept ausgearbeitet haben.
Bahn-Vorstände Rausch, Homburg, Grube, Graber, Weber, Becht, Sack (von links nach rechts): Die Ära Mehdorn ist endgültig Vergangenheit
Die Vorstände haben nach Angaben der Bahn jeweils Fünfjahresverträge und treten am 1. Juni ihr Amt an. Für Personal ist künftig der 59 Jahre alte Ulrich Weber zuständig. Er war bisher beim Evonik-Konzern aktiv. Das neu geschaffene Ressort Compliance, Datenschutz und Recht übernimmt der 57-jährige Gerd Becht, ein enger Vertrauter von Grube aus Daimler-Zeiten.
Den Logistikbereich übernimmt der ebenfalls 57-jährige Karl-Friedrich Rausch, der bisher bei der Bahn für Personenverkehr zuständig war. Der bisherige Vorstandsvorsitzende der DB Regio, der 53-jährige Ulrich Homburg, wird Rauschs Nachfolger. In seinem bisherigen Amt bleiben der für Infrastruktur zuständige Stefan Garber, 54, und Finanzvorstand Diethelm Sack, 60.
Auftrag erfüllt
Mit dem Vorstandsumbau ist die Ära Hartmut Mehdorn endgültig Vergangenheit. Der ehemalige Vorstandschef wurde am Montag offiziell verabschiedet. Mehdorn war am 30. März im Zuge der Datenaffäre zurückgetreten, sein Nachfolger ist der ehemalige Daimler-Manager Grube.
Kanzleramtschef Thomas de Maizière hatte am Vormittag bei einem Festakt eine positive Bilanz der Mehdorn-Ära gezogen. Mehdorn habe bei seiner Berufung den Auftrag erhalten, die Bahn in die schwarzen Zahlen zu bringen und wettbewerbsfähig zu machen. Diesen Auftrag habe er erfüllt.
"Sie haben für Ihr Unternehmen gebrannt", lobte der CDU-Politiker den Vorstandschef. De Maizière stellte als "einzige kleine Nuance" zwischen dem Kanzleramt und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee heraus, dass der Börsengang der Bahn nach wie vor anstehe, "sobald dies zu vertretbaren Bedingungen möglich ist".
Datenaffäre führte zum Rücktritt
Auch Aufsichtsratschef Werner Müller würdigte die Verdienste Mehdorns sowie die seiner ebenfalls ausgeschiedenen Vorstandskollegen Norbert Bensel (Logistik), Margret Suckale, Norbert Hansen (beide Personal) und Otto Wiesheu (Wirtschaft und Politik). Sie hätten sich persönlich in der Datenaffäre nichts vorzuwerfen. "Spekulationen", sie deshalb nachträglich zur Verantwortung zu ziehen, seien abwegig, meinte Müller.
Die scheidenden Vorstände hatten ihren Rücktritt nach Mehdorn und nach Vorlage externer Ermittlungsberichte zur Datenaffäre angeboten. Die Bahn-Führung hatte - allerdings offenbar ohne direkten Auftrag des Vorstands und teils auch ohne dessen Kenntnis - jahrelang heimlich Daten von 170.000 Mitarbeitern abgeglichen und E-Mails kontrolliert. Mehdorn hatte zwar wiederholt betont, nichts von den Aktionen gewusst zu haben, aber etliche davon zunächst trotzdem gerechtfertigt.
mik/AFP/AP
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