Hamburg - Es ist ein Kauf, der sich für United Internet lohnt. Der deutsche IT-Dienstleister steigt mit der Übernahme von Freenets DSL-Geschäft zum zweitgrößten deutschen Anbieter von schnellen Internet-Anschlüssen auf. Marktführer bleibt allerdings mit großem Abstand die Deutsche Telekom, die 13,5 Millionen DSL-Kunden zählt.
Die Transaktion soll noch bis zum Jahresende abgewickelt werden. Bis Dezember 2009 soll Freenet seine rund 700.000 DSL-Kunden an United Internet (UI) übergeben.
Für den Verkauf seiner schwindenden Geschäftsparte streicht Freenet maximal 125 Millionen Euro ein - weit weniger als sich das Unternehmen zu Beginn der Käufersuche vor einem Jahr erhofft hatte. Noch Anfang 2009 hatten Analysten mit dem zwei- bis dreifachen Kaufpreis gerechnet.
United-Internet-Chef Ralph Dommermuth dagegen hält die eigene Offerte für angemessen: "Der Preis passt in die Zeit. Ich denke, dass wir nicht zu viel bezahlt haben", sagte er am Dienstag. United Internet ist bei Freenet Großaktionär. Zusammen mit dem Telekom-Anbieter Drillisch kommt UI auf gut ein Viertel der Freenet-Anteile.
Freenet leidet im Breitband-Geschäft unter einem massivem Kundenschwund. Ende März verfügte das Unternehmen noch über 910.000 Breitbandanschlüsse. Das Unternehmen geht davon aus, in den nächsten Monaten weitere Kunden zu verlieren.
Sollte dies der Fall sein, sinkt der vereinbarte Verkaufserlös von rund 70 Millionen Euro in bar und 4,58 Millionen UI-Aktien. United Internet hofft auf den bevorzugten Verkauf seiner DSL-Verträge über die tausend Mobilcom- und Debitel-Läden von Freenet. Ziel seien 500.000 neue Verträge binnen fünf Jahren. Dafür bekäme Freenet schrittweise bis zu 6,55 Millionen weitere UI-Aktien oder Bares. "Ich habe aber noch keine Erfahrungen mit dieser Kooperation. Vielleicht schaffen wir eine Million, vielleicht werden es nur 200.000", sagte Dommermuth.
Eines gilt dagegen unter Branchenkennern schon jetzt als so gut wie sicher: Die Marke Freenet, die an UI übergeht, dürfte mit dem Verkauf vom Markt verschwinden.
An der Börse trieb das Ende des Tauziehens um die DSL-Sparte die Aktien beider Firmen zunächst deutlich nach oben. Bei den Freenet-Anlegern machte sich wegen des geringen Erlöses allerdings schnell Ernüchterung breit: Nach einem anfänglichen Plus von über elf Prozent lagen die Aktien am Nachmittag mit 5,50 Euro nur noch gut ein Prozent im Plus.
Experten rechnen damit, dass durch den Freenet-UI-Deal die Konsolidierung am umkämpften DSL-Markt voran geht. United Internet gilt neben Vodafone als Interessent auch für die Telecom-Italia-Tochter Hansenet ("Alice"). "Wir schauen uns weiter an, was auf den Markt kommt", sagte Dommermuth. Notfalls sei dazu auch eine Kapitalerhöhung möglich.
Der Markt werde aber umkämpft bleiben. "Telekom und Vodafone sind aggressiver geworden", sagte er. Die Kabelfirmen drängten zusätzlich in den Markt. Mit den eigenen 2,82 Millionen Breitbandanschlüssen (Ende März) und den erwarteten 500.000 von Freenet würde United Internet Vodafone (3,22 Millionen) überholen. Hansenet hat 2,3 Millionen Kunden.
Der frühere Freenet-Chef Eckhard Spoerr war zuvor am Verkauf des Breitbandgeschäfts gescheitert. "Der Abgang von Herrn Spoerr hat den Weg freigemacht für die Transaktion", sagte Dommermuth. Der neue Freenet-Chef Christoph Vilanek, der erst seit April in die Gespräche einbezogen war, will das Unternehmen auf den Mobilfunk konzentrieren.
UI und Drillisch hatten das DSL- und das Mobilfunkgeschäft von Freenet eigentlich unter sich aufteilen wollen. Doch Freenet hatte mit der Übernahme des Mobilfunkdienstleisters Debitel die Pläne durchkreuzt. Dadurch wurde der Finanzinvestor Permira, dem Debitel gehörte, Freenet-Großaktionär. Drillisch und United Internet wollen dennoch vorerst bei der Stange bleiben.
Drillisch-Chef Pascalis Choulidis sagte: "Wir fühlen uns als Aktionäre von Freenet wohl." Dommermuth sagte: "Ich habe zurzeit keine Verkaufsgedanken." UI sei im Schnitt zu zwölf Euro eingestiegen, hat die Beteiligung aber schon teils abgeschrieben. Am Dienstag notierten Freenet-Papiere bei weniger als der Hälfte.
ssu/dpa/Reuters
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