Wirtschaft



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27.05.2009
 

Insolvenzgefahr

US-Regierung will Kontrolle bei GM übernehmen

General Motors ist auf dem Weg zum Staatskonzern: Die Insolvenz steht unmittelbar bevor, laut einem Pressebericht will die US-Regierung danach 70 Prozent an dem angeschlagenen Autobauer übernehmen. Die Abtrennung der Europatochter Opel ist bereits unterschriftsreif.

New York/Washington/Berlin - General Motors (GM) soll durch eine weitgehende Verstaatlichung gerettet werden: Nach dem bald zu erwartenden Insolvenzverfahren werde die US-Regierung rund 70 Prozent der Anteile an dem Opel-Mutterkonzern halten, berichtet die "New York Times". Bislang war allenfalls ein Staatsanteil von gut 50 Prozent im Gespräch.

GM-Zentrale in Detroit: US-Regierung will 70 Prozent übernehmen
AP

GM-Zentrale in Detroit: US-Regierung will 70 Prozent übernehmen

Der Staat werde GM außerdem mit weiteren 50 Milliarden Dollar stützen müssen, schreibt das Blatt. Fast 20 Milliarden Dollar sind bereits an den ehemals größten Autobauer der Welt geflossen.

Die US-Regierung wollte sich am Dienstag offiziell nicht zum weiteren Vorgehen äußern. Präsident Barack Obama wolle mit einer Entscheidung bis zum Ende des Ultimatums am 1. Juni abwarten, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. Man habe noch fast eine Woche vor sich.

Viele Gläubiger des Autobauers hätten bereits "Opfer gebracht", dies werde sich bis zum Ultimatumsende fortsetzen, sagte Gibbs. Die Regierung "will in diesen Prozess nicht als Verhandlungspartner" eingreifen.

Das Schicksal von GM steht weiter auf der Kippe. Eine wichtige Vorentscheidung über die Zukunft des über hundertjährigen Traditionskonzerns steht bereits in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) an. Um eine Insolvenz abzuwenden, müssten Zehntausende Gläubiger einem milliardenschweren Schuldenverzicht zustimmen. Dies gilt unter Experten aber als höchst unwahrscheinlich.

Unterschriftsreife Opel-Trennung

Angesichts der drohenden GM-Pleite hofft man bei der Tochter Opel in Deutschland weiter auf eine schnelle Abtrennung. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sagte im ZDF, die dafür notwendigen Papiere seien unterschriftsreif. Er habe das Dokument selbst gesehen, "das sieht sehr gut aus und läuft alles in die richtige Richtung", erklärte Franz am Dienstagabend im "heute-journal". Wichtig sei, dass die Hängepartie bei Opel beendet werde.

Die Zukunft von Opel soll sich am Mittwoch auf einem "Super-Gipfel" im Kanzleramt entscheiden. Regierungschefin Angela Merkel will die Chefs der möglichen Opel-Käufer Fiat und Magna sowie möglicherweise auch von Ripplewood mit GM-Verantwortlichen zusammenbringen. An dem Treffen nehmen auch Vertreter des US-Finanzministeriums, die zuständigen Bundesminister und die Ministerpräsidenten der vier Opel-Länder teil.

Das Treffen soll gegen 20.30 Uhr beginnen und notfalls bis tief in die Nacht gehen. Favoriten für die Übernahme gibt es laut Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nicht. Es seien alle Optionen auf dem Tisch, auch die geordnete Insolvenz von Opel, sagte der CSU-Politiker. Die endgültige Entscheidung, was mit dem deutschen Autobauer mit 25.000 Beschäftigten und Standorten in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern passiert, fällt letztendlich GM.

IG Metall warnt vor hektischer Investorensuche

Die IG Metall hat mit Blick auf den Gipfel vor übereilten Entscheidungen bei der Auswahl eines Bieters gewarnt. "Uns zwingt niemand, Opel jetzt zu verscherbeln für Konzepte, die kein Mensch tatsächlich zum jetzigen Zeitpunkt zuverlässig prüfen kann, und von denen niemand genau weiß, ob sie langfristig tragen", sagte der Frankfurter IG-Metall Bezirksleiter Armin Schild der "Berliner Zeitung".

Schild, der auch im Opel-Aufsichtsrat sitzt, plädierte für ein Überbrückungsmodell mit staatlicher Beteiligung. "Es würde sich niemand einen Zacken aus der Krone brechen, wer auch immer sich eine Krone aufsetzen will, wenn man jetzt sagen würde, wir bauen eine Überbrückungslösung mit einer mittelbaren oder unmittelbaren Staatsbeteiligung, die so konstruiert ist, dass sie im Zweifel auch ein paar Monate halten kann."

Zuletzt hatte es Zweifel an allen drei Übernahmekonzepten gegeben. Die Berater der Bundesregierung fällten ein vernichtendes Urteil über die Offerten. Sie empfehlen der Bundesregierung nach Informationen des "Handelsblatts" deshalb, keinesfalls bereits in der Nacht zum Donnerstag einen Bieter auszuwählen. "Eine Vorfestlegung wäre eine Katastrophe", hieß es in Beraterkreisen.

Chinesen konkretisieren Angebot

Erschwert werden dürfte die Entscheidung auch durch den überraschenden Auftritt eines vierten Bieters. Wie die Tageszeitung "Die Welt" am Mittwoch unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, will der chinesische Automobilkonzern Bejing Automotive Industry Holding Company, kurz BAIC, bei Opel einsteigen - und dabei auf einen Stellenabbau in Deutschland verzichten.

Zudem habe BAIC auch eine Garantie für den Bestand aller deutschen Werke abgegeben, allerdings nur für zwei Jahre. Außerdem würden die Pekinger mit weniger Staatsbürgschaften auskommen als die anderen Kandidaten.

Bereits in der vergangenen Woche sei ein formelles Angebot für Opel abgegeben worden, berichtet die Zeitung. Die Chinesen hätten der Commerzbank und der Dresdner Kleinwort eine Absichtserklärung für eine Übernahme vorgelegt. Dem Bericht zufolge wird BAIC von der Deutschen Bank bei der Transaktion und auf der industriellen Seite vom bisherigen Kooperationspartner Daimler beraten.

Ziel der Chinesen ist es offenbar, mit Opel einen Global Player zu schmieden. "Es geht BAIC nicht um Kostensynergien, sondern darum, Volumen zu generieren. Opel ist in China nicht unterwegs. "Auf einen Schlag könnten da 500.000 produzierte Autos für Opel hinzukommen", zitiert die Zeitung Finanzkreise.

suc/dpa-AFX/dpa/AP

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