Hamburg - Die Bahn hat nach SPIEGEL-Informationen mit verdeckten PR-Aktionen versucht, das Image des Unternehmens aufzupolieren. Ausgelöst durch eine Anfrage des PR-kritischen Vereins LobbyControl hat der neue Konzernchef Rüdiger Grube am 19. Mai Hinweise über entsprechende Aktivitäten erhalten und bereits am 20. Mai die Wirtschaftsprüfer der KPMG mit einer entsprechenden Sonderprüfung beauftragt.
Das vorläufige Ergebnis: Die Bahn hat allein im Jahr 2007 1,3 Millionen Euro ausgegeben, um die Öffentlichkeit mit bezahlten Beiträgen in Radioprogrammen und Internet-Foren zu manipulieren - wobei nicht erkennbar war, dass die Bahn Auftraggeber der Artikel und Meinungsäußerungen war.
Bahn-Chef Grube hat in dem Unternehmen deutlich gemacht, dass er derartige Methoden nicht dulden werde. Er drohte personelle Konsequenzen an.
Mittlerweile gerät auch der frühere Anti-Korruptionsbeauftragte der Deutschen Bahn, Wolfgang Schaupensteiner, stark unter Druck: Laut "Süddeutscher Zeitung" soll er für die Löschung einer Datenbank mit Fakten zu konzerninternen Ermittlungen verantwortlich sein. Schaupensteiner habe am 20. Januar die Vernichtung der "Ereignisdatenbank Ermittlungen" angeordnet, in der seit 2001 alle Fälle von Verstößen gegen Unternehmensrichtlinien erfasst wurden, hieß es.
Die Sonderermittler in der Bahn-Datenaffäre von der Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG hatten in ihrem Abschlussbericht vom 13. Mai auf die Löschung der Datenbank hingewiesen. Zumindest in der veröffentlichen Kurzfassung wurde jedoch kein Verantwortlicher für die Aktion benannt. Der neue Bahnchef Rüdiger Grube entließ Schaupensteiner am selben Tag.
Die Datenschutzaffäre hatte in der Bahn bereits zu einem umfangreichen Umbau im Management geführt. Der vormalige Daimler-Manager Grube löste Hartmut Mehdorn als Konzernchef ab, er trennte sich von mehreren Vorständen. In der vergangenen Woche hatte Grube dann sein neues Führungsteam präsentiert.
Am Donnerstag sagte der neue Bahn-Chef, er wolle den Börsengang des Unternehmens vorerst nicht vorantreiben. Dieser sei zwar das Ziel - jedoch erst, wenn die "Bedingungen dafür gut sind", sagte der Grube beim Weltverkehrsforum in Leipzig. Wenn die Bahn weiterhin investieren wolle, müsse sie auch in der Lage sein, zu verdienen. Die Bedingungen dafür seien gut, das Unternehmen habe etwa bei einem Rating sehr gut abgeschnitten.
suc/dpa-AFX
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