Wirtschaft



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29.05.2009
 

Konzernumbau

Insolvenz-Countdown für GM

Aus Detroit berichtet Marc Pitzke

Die Stunden sind gezählt: Am Montag will GM Gläubigerschutz beantragen und ein brutales Sparprogramm verkünden. 16 Werke schließen, 21.000 Jobs fallen weg, Gläubiger werden mit Aktien abgespeist. Für Fonds gelten bessere Konditionen als für Arbeitnehmer - zum Ärger der Autogewerkschaft UAW.

Detroit - Die Weltzentrale von General Motors ist ein gläsernes, funkelndes Monstrum, das die Innenstadt von Detroit überragt. Der Komplex aus sieben Wolkenkratzern am Ufer des Detroit Rivers, dessen mittlerer, 221 Meter hoher Zylinder-Tower ein Luxushotel enthält, wirkt seltsam deplaziert in dieser sonst pockennarbigen Stadt.

Am späten Donnerstagabend sind die meisten Firmenparkplätze leer. Trotzdem brennt hinter der dunklen Smaragd-Fassade in vielen Büros noch das Licht. Silhouetten von Büromenschen sind zu erkennen, an Konferenztischen, über Akten gebeugt, hin- und herlaufend. An den Wänden hängen handgeschriebene Poster, auf denen in mehrere Farben Zeitabläufe markiert sind.

GM-Hauptquartier: "Beispielloses Experiment der Industriepolitik"
REUTERS

GM-Hauptquartier: "Beispielloses Experiment der Industriepolitik"

Denn hier, im Herzen der amerikanischen Autoindustrie, läuft der Countdown zum Endspiel: Zum Wochenende hin verdichten sich die Anzeichen, dass GM spätestens am Montag die Insolvenz anmelden wird. Denn für den Tag plant US-Präsident Barack Obama eine große Rede zum Schicksal des maroden Autoriesen. Zwar liege es natürlich an GM selbst, "die nötigen Erklärungen abzugeben", sagte Obamas Sprecher Robert Gibbs auf die Frage nach einem bevorstehenden Insolvenzantrag. Erst danach werde sich der Präsident äußern, "voraussichtlich am Montag".

Es wäre ein neues Kapitel in Amerikas Marktwirtschaft.

Das "Wall Street Journal" nennt es "ein beispielloses Experiment der US-Industriepolitik": Die Reinkarnation eines gescheiterten Weltunternehmens als Staatsbetrieb finanziert mit Milliarden von Steuerdollars. Und das ausgerechnet bei einem Unternehmen, das einst den "American Dream" symbolisierte. Ein Betrieb, der in einem immer brutaleren Wettbewerb bestehen muss. Wie das ausgeht, weiß heute keiner.

Gläubiger stimmen neuem Angebot zu

Die Weichen dafür sind gestellt. Die US-Regierung will GM während eines geordneten Insolvenzverfahrens mit weiteren 30 Milliarden Dollar unterstützen. Zusätzliche neun Milliarden Dollar sollen von der kanadischen Regierung kommen, erklärte ein hoher Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, am Donnerstagabend.

Am Donnerstag stimmte eine Gruppe wichtiger Gläubiger einem nachgebesserten Angebot von Konzern und US-Regierung zu, sich an einem sanierten, "neuen GM" zu beteiligen - und zwar unter der ausdrücklichen Bedingung, dass sie dann einer gerichtlichen Reorganisierung nicht mehr im Wege stehen. Die offizielle Zustimmungsfrist für die restlichen Gläubiger läuft am späten US-Samstagnachmittag ab.

Danach will das GM-Board - womöglich noch am selben Abend - formell über den Insolvenzplan abstimmen. Denn am Montag läuft die letzte Frist ab, dann wird eine Rate von einer Milliarde Dollar an die Gläubiger fällig, die GM nicht zahlen kann.

Kein Wunder also, dass bereits erste Details zur geordneten Pleite bekannt wurden: Eine Insolvenz würde US-Regierungskreisen zufolge mindestens 60 bis 90 Tage in Anspruch nehmen. Das Verfahren sei im Fall des börsennotierten Unternehmens komplexer als beim Wettbewerber Chrysler, der im Besitz der Beteiligungsgesellschaft Cerberus ist. Daher könnte GM auch länger als 90 Tage unter Gläubigerschutz arbeiten müssen.

Dazu kommt: Nach Angabe des Konzerns stehen 16 Werke und 21.000 Jobs in den USA zur Disposition. Zwei betroffene Standorte - in New York und Michigan - wurden bereits genannt. Weitere 14 Fabriken sollen am Montag benannt werden.

Die Stunden des "alten" GM-Konzerns sind gezählt

Damit ist klar: Die Tage und Stunden des "alten" GM-Konzerns sind gezählt. Ein Eindruck, den auch GM-Vizepräsidentin Susan Docherty verstärkte: Die Leute bräuchten sich vor einer Insolvenz nicht zu fürchten, sagte sie im lokalen TV-Sender WXYZ, aufmunternd in die Kamera lächelnd. "Sie bietet einem Unternehmen eine neue Chance, viel gesünder daraus hervorzugehen." Alle Beteiligten müssten dabei "Opfer bringen".

Wie genau die Insolvenzerklärung öffentlich inszeniert werden soll, wurde intern offenbar bis zuletzt diskutiert. Im Fall des kleineren GM-Rivalen Chrysler hatte Obama das persönlich vom Weißen Haus aus übernommen, ohne die Teilnahme eines einzigen Chrysler-Managers. Dabei hatte er die renitenten Gläubiger schwer gemaßregelt. Das hatte bei vielen Investoren zu Missmut geführt.

Nach Informationen des "Wall Street Journal" ist offen, welche Rolle GM-Chef Fritz Henderson bei einer solchen Erklärung spielen soll. Fest stehe, dass Obama nach seiner Rede am Montag mehrere Minister auf eine PR-Tour durch den Mittleren Westen schicken wolle, den die Autokrise besonders schwer trifft.


Denn tatsächlich sind mit der Einwilligung der Gläubiger, künftig GM-Anteilseigner zu werden, die letzten Hindernisse vor einem relativ raschen Insolvenzverfahren gefallen. GM hat der weitverzweigten Koalition aus Tausenden Fonds, Finanzinstitutionen und Kleinanlegern überraschend zehn Prozent an dem "neuen GM" angeboten, das aus der gerichtlichen Umschuldung hervorgehen würde. Dieser Anteil könnte später über Optionsscheine auf bis zu 25 Prozent ausgeweitet werden.

GM-Angebot ist die "beste Alternative"

Das ist ein entscheidender Schritt, denn zuvor hatten sich die Gläubiger einem Kompromiss verweigert, mit dem GM Schuldansprüche von rund 27 Milliarden Dollar außergerichtlich abgelten wollte. Das neue Angebot sieht nun ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 vor, gibt den Gläubigern aber schon vorab die Gelegenheit, sich zu beteiligen. Andernfalls, so drohte GM ihnen, könnten ihre Ansprüche "substantiell reduziert oder eliminiert" werden.

Die erste Gläubigergruppe, die rund 20 Prozent der Investoren repräsentiert, akzeptierte das Angebot sofort: Es sei unter den Umständen die "beste Alternative". Eine zweite Gruppe, die 30 Prozent der Gläubiger vertritt, war nach Informationen der "New York Times" in Gesprächen mit dem US-Finanzministerium. Damit wäre eine Kooperation von rund der Hälfte der Gläubiger gesichert.

In einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC präzisierte GM bereits, wie der verschlankte Konzern aussehen würde. Demnach soll das "alte GM" seine "guten" Vermögenswerte - profitable Werke, Modelle, Händler - an ein "neues GM" abtreten.

Dessen anfängliche Besitzstruktur: 72,5 Prozent gehen ans US-Finanzministerium, 17,5 Prozent an den Gesundheitsfonds der Autogewerkschaft UAW, zehn Prozent an die Gläubiger.

Gewerkschaft ist nicht besonders angetan

Arbeitgeber wie Gläubiger hätten später die Option, ihre Anteile stufenweise nach einem festgelegten Schlüssel aufzustocken, auf Kosten der Regierung. Am Ende könnte der Anteil des Staates wieder auf 55 Prozent fallen. Dabei genießen die Gläubiger wesentlich bessere Konditionen als die Gewerkschaft.

Die UAW zeigte sich nicht besonders angetan über das neue Konzept. Während die Arbeitnehmer Teile ihrer Bezüge und Sozialleistungen aufgegeben hätten, um GM zu retten, würden den Investoren "schwer diskontierte" Bedingungen eingeräumt, obwohl sie Verluste meist über ein breites Portfolio streuen könnten, kritisierte UAW-Chefjurist Alan Reuther in einem Brief an den Kongress.

In der Tat muss nach dem jetzigen Plan GM eine Marktkapitalisierung von 75 Milliarden Dollar erreichen, bevor die Arbeitnehmer die Optionsscheine einlösen könnten. Die Gläubiger können das schon ab einer Marktkapitalisierung von 15 Milliarden Dollar.

Der künftige Erfolg eines "neuen GM" steht trotz all dem in den Sternen. Selbst ohne die erdrückenden Schulden und Lohnkosten wäre die Situation für GM prekär. Seit Januar sind die Verkäufe neuer Autos in den USA um fast 40 Prozent eingebrochen. GM müsste neue Kunden anlocken, um diese Spirale zu brechen.

"Wir stehen vor Nachfragewerten, wie wir sie in den USA seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesehen haben", sagte GM-Chef Henderson in einem Interview mit dem "Wall Street Journal".

Auch das Schicksal der protzigen GM-Firmenzentrale dürfte zur Debatte stehen. Der Detroiter Vorort Warren bot sich GM jetzt als künftiger Hauptsitz an. Bürgermeister Jim Fouts lockte das GM- Management persönlich mit Steuererleichterungen - und einer niedrigen Kriminalitätsrate. "Hier", sagte Fouts, "geht es ums Überleben von General Motors."

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Der Ford Escape ist einer der kleinsten SUV. Vergleichbar in der groesse mit dem Kia Sportage, Honda CR-V,... Die wirklich fetten sind diese: [...] mehr...

21.08.2009 von joe sixpack: Was war die Frage?

Dann sollten Sie sich klarer ausdruecken. Dalls die die Frage war: Mit seinem 3.0-liter Duratec V6 und 193 PS bei knapp 2 Tonnen, auch nicht gerade Smart kategorie. Irgendein Erklärung ?? ;-)) Ich kann ihnen beim besten [...] mehr...

21.08.2009 von AndyH:

Das war nicht die Frage. mehr...

21.08.2009 von joe sixpack: Irgendein Erklärung ?? ;-)

Sorry, kann Ihnen leider nicht erklaeren, warum keines dieser Fahrzeuge laenger als 5 Meter ist... Vielleicht fragen Sie bei den jeweiligen Herstellern nach? mehr...

21.08.2009 von AndyH:

Da steht noch: Top automakers in CARS: Toyota: 18.9% General Motors: 17.6% Ford: 15.4% Honda: 12.9% Chrysler: 9.1% Im "Top 10" stehen aber keine Modelle von GM und Chrysler. Trotzdem hat GM fast so viel [...] mehr...

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