Von Stefan Schultz und Jörn Sucher
Hamburg - Bis zwei Uhr am Freitagmorgen verhandelten die Emissäre von Magna
und General Motors (GM)
über den Verkauf von Opel. Seit sechs Uhr sitzen die Parteien in Berlin wieder am Tisch - und ein Ergebnis ist immer noch nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Verhandlungen stehen auf der Kippe.
Magna-Chef Stronach: GM stellt sich quer
Branchenexperten teilen diese Ansicht. Ihrer Meinung nach ist noch längst nicht klar, dass GM Opel tatsächlich loswerden will. "GM-Chef Fritz Hernderson betont seit kurzem wieder, dass er sich auf jeden Fall einen Produktionsverbund zwischen GM und Opel wünscht", sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch Gladbach. GM dürfte kaum gewillt sein, die eigenen Standorte in Deutschland vollständig aufzugeben.
Vor diesem Hintergrund sei zumindest nicht auszuschließen, dass die Amerikaner den Weg des größten Widerstands gingen - und Opel letztlich gar nicht hergäben. "Opel ist zwar aus dem GM-Konzern herausgelöst, der Eigentümer ist aber nach wie vor GM", sagt Bratzel. Was mit Opel geschehe, sei letztlich die Entscheidung der Konzernspitze - und der US-Regierung. Diese aber stehe bei General Motors ohnehin vor einem spektakulär teuren Insolvenzverfahren - in dem die Causa Opel nur eine untergeordnete Rolle spiele.
Auch der Autoexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler hält diese Entwicklung für möglich. "Nicht auszuschließen, dass die Amerikaner Opel gar nicht wirklich abgeben wollen", sagt er. "Die Verhandlungsführung, das offensichtliche Desinteresse an einer schnellen Lösung - die Entwicklungen der letzten zwei Tage sprechen dafür."
Relativ klar ist Experten zufolge, dass die US-Regierung kein Interesse hat, Opel auch noch zu retten. Sie könnte darauf spekulieren, dass die Bundesregierung in jedem Fall Geld zuschießt - weil es politisch kaum tragbar wäre, Opel einfach im Stich zu lassen.
Fiat sagt Gipfel ab
Zuvor hatte der italienische Autobauer Fiat seine Teilnahme am Opel-Krisentreffen am Freitagnachmittag abgesagt. Die neuen Geldforderungen von GM "würden Fiat dazu zwingen, Opel finanziell zu unterstützen und sich damit unnötigen und irrationalen Risiken auszusetzen", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne. Unter diesem Aspekt habe der Konzern beschlossen, an dem Krisentreffen nicht teilzunehmen. GM hatte zuvor einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 350 Millionen Euro angemeldet. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ist ein Engagement der Italiener allerdings schon seit Donnerstag kein Thema mehr.
Bei dem Gipfel in Berlin sollte an diesem Freitag ein neuer Rettungsversuch für Opel unternommen werden, nachdem erste Gespräche in der Nacht auf Donnerstag an finanziellen Forderungen der Amerikaner scheiterten. Die Bundesregierung hatte jetzt erwartet, dass sich die US-Seite und die verbleibenden potentiellen Investoren Fiat und Magna bis 14 Uhr über den Finanzbedarf und die Absicherung einigen würden. Die Bundesregierung hat nun offengelassen, ob ein für den Nachmittag geplantes Spitzentreffen mit Investoren zur Rettung des Autobauers Opels überhaupt stattfinden kann.
Sollte nach Fiat jetzt auch Magna aussteigen, verdüsterten sich die Aussichten für eine Abtrennung von Opel aus dem GM-Konglomerat. Bund und Länder suchen seit Wochen einen Abnehmer für die Europa-Aktivitäten des US-Autobauers. GM steht kurz vor der Insolvenz. Die Folgen einer Pleite könnten auch die Opel-Standorte treffen.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat die Chance auf eine europäische Opel-Lösung auf "fifty-fifty" eingeschätzt. Niemand solle von einem besseren Wert ausgehen, sagte er am Freitag in Frankfurt vor dem Spitzentreffen. "Wir warten auf ein Signal aus den USA." Der Ausstieg von Fiat sei zumindest besser für die Übersichtlichkeit der schwierigen Verhandlungen, meinte Koch. Das Unternehmen habe wohl eingesehen, dass es die zahlreichen offenen Fragen zu seinem Konzept nicht auf die Schnelle klären könne.
Mit Material von dpa
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