Hamburg - Eigentlich sollte sie unabhängig sein, doch die Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) hat sich offenbar von der Atomlobby beeinflussen lassen. Auf Druck der Energiekonzerne hat die GSF im Jahr 1975 ihre Sicherheitsstandards für die Einlagerung von Atommüll gesenkt. Das belegt ein Schriftwechsel zwischen Stromkonzernen, GSF und Bundesinnenministerium, den die Umweltschutzorganisation Greenpeace ausgewertet hat und der SPIEGEL ONLINE vorliegt.
Atommüll-Endlager Asse II: "Sicherheit aufs Spiel gesetzt"
Die GSF - das spätere Helmholtz-Zentrum - hat jahrzehntelang das marode Endlager Asse II betrieben, dass seit Anfang 2009 unter der Regie des Bundesumweltministeriums steht. Eigentlich sollte die GSF einen staatlichen Kontrollauftrag ausführen. Tatsächlich hat sie sich offenbar den Wünschen der Atomlobby gebeugt. Dies legen zumindest die nun vorliegenden Dokumente nahe. Demnach durften Fässer, die in das Endlager angeliefert wurden, ab Dezember 1975 fünfmal mehr Radioaktivität enthalten als ursprünglich vorgesehen. Die Energiekonzerne verlangten außerdem von der GSF Zugeständnisse bei den Betonabschirmungen der Fässer.
"Es gab eine heimliche Allianz zwischen der Politik und den Atomkonzernen", sagt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace. "Die Atomindustrie hatte ein Entsorgungsproblem. Um es zu lösen, wurde die Sicherheit der Bevölkerung aufs Spiel gesetzt."
So forderten die Unternehmen in einem Memorandum aus dem Dezember 1974 von der GSF geeignete Bedingungen für die Einlagerung des Atommülls, die dem "Wunsch nach kostenminimalen und ökonomischen Lösungen" entsprechen. Dabei schienen für die Atomkraftwerksbetreiber die radioaktive Strahlung abschirmenden Betonummantelungen der Fässer "hinsichtlich einer optimalen Nutzung des Lagervolumens nicht sinnvoll zu sein".
Ab Mai 1975 war das Bundesinnenministerium in die Debatte mit einbezogen. Im Dezember 1975 erlaubte die GSF schließlich eine um das Fünffache höhere Radioaktivität der Atommüllfässer. Ob diese höhere Strahlenmenge eine Gefahr für die Gesundheit darstellt, ist allerdings nicht sicher.
Greenpeace fordert nun vom künftigen niedersächsischen Untersuchungsausschuss, die damaligen Absprachen und Verträge der Beteiligten lückenlos aufzuklären. Der Ausschuss soll die Missstände in der Asse untersuchen, er wird sich voraussichtliche Mitte Juni konstituieren.
Das Helmholtz-Zentrum wollte vorerst keine Stellung nehmen. "Der Schriftverkehr liegt uns nicht vor", sagte ein Sprecher zu SPIEGEL ONLINE. Der Vorgang liege mehr als 30 Jahre zurück, aus heutiger Sicht falle eine Beurteilung daher schwer. "Grundsätzlich sind wir aber zur Aufarbeitung bereit", betonte der Sprecher.
Das Bundesamt für Strahlenschutz als jetziger Asse-Betreiber erklärte: "Wir sind dabei, die Akten zu sichten und auszuwerten. Dabei gehen wir auch der aktuellen Meldung nach. Wir müssen weiter mit Überraschungen rechnen."
Im Umfeld des CDU-geführten Bundesforschungsministeriums heißt es, die Greenpeace-Interpretation des Schriftwechsels aus dem Jahr 1975 sei "Wahlkampf". Die Umweltorganisation versuche offenbar, das Thema im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 zu dramatisieren.
Tatsächlich könnte die Wahl im September eine Entscheidung über die deutsche Atompolitik herbeiführen: Union und FDP wollen die deutschen Kernkraftwerke länger laufen lassen. SPD, Grüne und Linke halten am Atomausstieg fest.
Bereits im Februar 2009 hatte Greenpeace die Darstellung der Atomindustrie widerlegt, Müll aus privatwirtschaftlichen Atomkraftwerken sei nur in geringen Mengen in die Asse verklappt worden. Tatsächlich stammen mehr als 70 Prozent der Radioaktivität von atomaren Abfällen aus Reaktoren der großen deutschen Energiekonzerne. Heute sind das EnBW
, RWE
, Vattenfall
und E.on
. In der Asse landeten auch
hochgiftiges Arsen und
radioaktive Abfälle der Bundeswehr.
Greenpeace verlangt nun, die Energiekonzerne an den Sanierungskosten der Asse zu beteiligen. "Die Atomkraftwerksbetreiber haben massiv am billigen Endlager Asse verdient", sagt Experte Smital. "Sie müssen nach dem Verursacherprinzip für die Folgekosten ihrer Profitgier aufkommen."
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hängte ein Plakta "Biiligstrom = Atomstrom" auf, damit es jeder merkte was billiger ist. mehr...
Leider Optimierung vernachlässigt und vom EEG behindert. Sie wissen schon, was "theoretisch" bedeutet? Nicht bei jedem Potential ist es sinnvoll dieses auch zu nutzen. [QUOTE=joe-joe;5663414] Wird dagegen [...] mehr...
Tatsache. Hier nur HolzHKW enthalten. Zu Biogas und Biotreibstoffen gibt es eine sehr ausführliche Schweizer Studie, wenn ich sie finde reiche ich sie nach. Ich hab doch unkalkulierbar nie bestriotten, nur darauf [...] mehr...
Sehr schwach was Sie hier bringen. Ich habe das nie empfohlen, und das wissen Sie auch. Bleiben Sie lieber bei Ihrer Keine-Argumente-Methode als auch noch zu lügen um zu diskreditieren. mehr...
Da steht aber auch von etwas mit 40% Wirkungsgrad. Das ist zwar extrem optimistisch aber selbst damit würde der 40 Cent Solarstrom 40/0.40= 1 Euro / kWh Das würde dir selbst Bill Gates nicht bezahlen wollen (und können) mehr...
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