London - Der Sportwagenbauer Porsche verhandelt intensiv über einen Einstieg des Golfstaats Katar. Durch die Beteiligung von rund einem Viertel am Stuttgarter Sportwagenbauer könne sich Porsche seines Schuldenbergs entledigen und seine Position im Übernahmekampf mit Volkswagen stärken. Das bestätigten Insider dem SPIEGEL.
Porsche-Wagen (gespiegelt): Kapitalspritze aus Arabien?
Nach SPIEGEL-Informationen wird bis zum möglichen Abschluss des Deals allerdings noch mindestens ein Monat vergehen. Vor einer Entscheidung müsste das Angebot bei Porsche erst von Aufsichtsrat und Aktionären abgesegnet werden.
Der Einstieg Katars könnte im Zusammenhang mit einer Kapitalerhöhung von bis zu 4,5 Milliarden Euro erfolgen, hieß es weiter. Einen Teil davon würden die Porsche-Eignerfamilien Porsche und Piëch stemmen.
Unklar sei derzeit, wie viel Katar für die Beteiligung zu zahlen bereit ist, schreibt die "FT". Der aktuelle Marktwert von Porsche werde auf 8,2 Milliarden Euro beziffert, so dass für ein Viertel rund zwei Milliarden auf der Rechnung stünden. Mit dem Einstieg eines fremden Investors würde die Familiengesellschaft ein Tabu brechen: Bislang kontrollieren die Familien den Sportwagenbauer alleine. Versuche, Anteile an Fremde zu verkaufen, wurden in der Vergangenheit gestoppt.
Wegen seiner Verschuldung von rund neun Milliarden Euro hatte Porsche seine Pläne zur Übernahme von Europas größtem Autobauer Volkswagen zwischenzeitlich aufgegeben. Derzeit verhandeln beide Unternehmen über eine Fusion.
Dabei ist die Kräfteverteilung zwischen Stuttgart und Wolfsburg aber noch unklar. Porsche hält derzeit knapp 51 Prozent an VW, zweitgrößter Aktionär ist das Land Niedersachsen mit rund 20 Prozent. Das Bundesland verfügt durch das VW-Gesetz über weitreichende Mitspracherechte bei wichtigen Entscheidungen.
Gleichzeitig bemüht sich Porsche derzeit um einen KfW-Kredit in Höhe von 1,75 Milliarden Euro, um sein operatives Geschäft zu finanzieren. Zuvor hatte sich Porsche bei Banken bereits Zusagen über 10,75 Milliarden Euro gesichert. Die staatliche Entscheidung kann sich aber noch länger hinziehen.
Hinter den Kulissen tobt offenbar ein Machtkampf zwischen Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und seinem baden-württembergischen Amtskollegen Günther Oettinger (beide CDU) darüber, ob Hilfen gewährt werden sollten. Wulff versuche "mit Brachialgewalt" zu verhindern, dass die KfW Porsche unter die Arme greife, und torpediere den Kreditantrag. Oettinger hingegen steht auf der Seite des baden-württembergischen Unternehmens Porsche.
ssu/dpa
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