Berlin - Dringender Appell des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger an die Europäische Zentralbank: Angesichts der anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise sollen die Währungshüter die Zinsen weiter senken. "Null wäre das angemessene Leitzinsniveau", sagte Bofinger der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Aktuell liegt der Leitzins auf dem historischen Tiefstand von einem Prozent.
Ökonom Bofinger: "Deflationsgefahr zehn Mal höher als Inflationsgefahr"
Bofinger ist Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Er gilt als Keynesianer und steht Staatseingriffen in die Wirtschaft generell offen gegenüber.
Ein Leitzins von null Prozent wäre eine Sensation: Private Geschäftsbanken könnten sich dann umsonst Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen. Aussicht auf Erfolg hat Bofingers Vorschlag vorerst aber wohl nicht. Denn die Zentralbank legt großen Wert auf ihre Unabhängigkeit - je lauter Appelle an sie herangetragen werden, desto weniger ist sie geneigt, darauf einzugehen.
Bofinger hofft, dass niedrige Zinsen der Konjunktur wieder auf die Beine helfen würden. Gleichzeitig warnte er vor deflationären Tendenzen - also einem Preisverfall auf breiter Front. Sollten die Preise tatsächlich dauerhaft sinken, wäre dies für die Wirtschaft ein Desaster, Konsum und Investitionen würden massiv zurückgehen, die Folge wäre eine allgemeine Abwärtsspirale.
Andere Ökonomen warnen derzeit allerdings vor dem Gegenteil: Sie sehen die Gefahr einer Inflation, weil die Regierungen Milliardenbeträge in die Wirtschaft gepumpt haben. Bofinger hingegen hält die Deflationsgefahren für zehn Mal größer als die Inflationsgefahren. Die Europäische Zentralbank könnte nach einer eventuellen Wirtschaftsbelebung "sehr schnell" die erhöhte Liquidität wieder zurückführen, betonte er.
wal/ddp
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