Wirtschaft



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13.06.2009
 

Insolvente Karstadt-Mutter

Arcandor kann doch auf Staatshilfe hoffen

Der insolvente Warenhauskonzern Arcandor hat doch noch Chancen auf Staatsgeld. Die Bundesregierung ist nach SPIEGEL-Informationen bereit, einen Antrag auf einen sogenannten Massekredit wohlwollend zu prüfen.

Hamburg - Ein Kreditantrag liegt noch nicht vor - im Bedarfsfall aber werde die Bundesregierung den Wunsch nach einem sogenannten Massekredit schnell prüfen und ihn, wenn möglich, auch gewähren, hieß es im Bundeswirtschaftsministerium. Ein Massekredit ist kurzfristig zur Verfügung gestelltes Geld für insolvente oder kurz vor der Insolvenz stehende Unternehmen. Er wird vorrangig vor allen anderen Forderungen aus der Insolvenzmasse bedient.

Karstadt-Filiale in Hamburg: Metro will 60 Häuser habenZur Großansicht
AP

Karstadt-Filiale in Hamburg: Metro will 60 Häuser haben

Arcandor hatte am Dienstag Insolvenz angemeldet. Der Handelskonzern Metro erneuerte am Samstag das Übernahmeangebot für Arcandors Karstadt-Kaufhäuser. "Wir haben weiterhin Interesse, 60 der 90 Karstadt-Filialen zu übernehmen", sagte ein Metro-Sprecher in Düsseldorf. Er bestritt jedoch, dass Metro im Fall einer Übernahme einen KfW-Kredit von 200 Millionen Euro in Anspruch nehmen wolle, wie es die "Börsenzeitung" berichtet hatte. "Bei unserer Planung haben Staatshilfen bisher keine Rolle gespielt und werden weiterhin keine Rolle spielen", sagte er.

Metro will seine Kaufhof-Filialen mit den Karstadt-Häusern zusammenlegen. Kaufhof-Chef Lovro Mandac sagte der "Bild am Sonntag": "Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Rettung der Karstadt-Warenhäuser eilbedürftig ist." Gleichzeitig warnte er vor einem "Verkauf von einzelnen Häusern oder kleinen Paketen von Standorten". Kaufhof habe ein profitables Warenhaussystem, in das die 60 Karstadt-Häuser ohne Verzug integriert werden könnten.

Bei der Rettung von Arcandor stützen sich Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und der Generalbevollmächtigte Horst Piepenburg nach einem Bericht von "Euro am Sonntag" auf das bereits Mitte April von Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick vorgestellte Sanierungsprogramm. Eick habe das Konzept gemeinsam mit Piepenburg erarbeitet.

Der Plan sah vor, dass sich der Konzern auf die profitablen Kernbereiche von Primondo und Karstadt konzentriert und den Wachstumskurs der Reisetochter Thomas Cook als Teil des Gesamtkonzerns fortsetzt. Im Warenhausbereich wollte man sich auf das mittlere Preissegment konzentrieren und sich von Edeladressen wie KaDeWe (Berlin), Alsterhaus (Hamburg) und Oberpollinger (München) trennen.

Außerdem sollten Standorte geschlossen und in der Versandhandelssparte Primondo (Quelle) Stellen abgebaut werden. Ein gemeinsamer Einkauf von Versandhandel und Warenhäusern sollte zu Einsparungen von mehreren Hundert Millionen Euro pro Jahr führen.

Parallel zu dem bestehenden Plan führe Görg Gespräche mit an Konzernteilen interessierten Unternehmen, schreibt "Euro am Sonntag". Neben den Gesprächen mit Metro fänden auch Gespräche mit Otto sowie Rewe statt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt auf ein zügiges Insolvenzverfahren, damit die 43.000 betroffenen Beschäftigten bald Klarheit für ihre Zukunft haben. "Die zuständigen Ministerien innerhalb der Bundesregierung werden ihre Hilfe - soweit das möglich ist - anbieten", sagte Merkel am Samstag in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. Dabei gehe es auch um Stadterneuerungsprogramme und Hilfestellungen der Bundesagentur für Arbeit.

ase/AP/dpa/Reuters

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