Berlin - Die meisten Ökonomen gehen von einer Erholung der Wirtschaft in der zweiten Hälfte 2009 aus - doch das Gros der Bevölkerung glaubt den Vorhersagen nicht. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für die "Welt am Sonntag". Demnach ist ein Drittel der Deutschen überzeugt, dass es frühestens im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2010 wieder aufwärts geht- Ein weiteres Drittel geht davon aus, dass die konjunkturelle Talsohle Mitte 2010 durchschritten sein wird.

Ein Passant schaut sich die Kräne in der Hamburger Hafencity an: Die meisten Deutschen glauben, dass es erst kommendes Jahr wieder bergauf geht
GfK-Experte Rolf Bürkel glaubt, dass Verbraucher und Ökonomen sich widersprechen, weil beide Gruppen unterschiedliche Teile der Volkswirtschaft betrachten: "Konsumenten verstehen unter der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vor allem die Bewegung auf dem Arbeitsmarkt", sagte Bürkel. Die Erwartungen der Befragten sind daher nicht unrealistisch: Im Moment erwarten Regierung und Ökonomen, dass die Zahl der Arbeitslosen in der zweiten Jahreshälfte auf über vier Millionen steigen und bis weit in das kommende Jahr auf hohem Niveau bleiben wird, während die Konjunktur schon früher anziehen soll.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat unterdessen für die Dauer der Wirtschaftskrise einen Verzicht auf spürbare Lohnerhöhungen gefordert. "In der Krise brauchen die Unternehmen ein Belastungsmoratorium, das heißt, es darf keine zusätzlichen Kosten geben. Alles andere wäre katastrophal für den Arbeitsmarkt", sagte Hundt der "Bild am Sonntag". Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) begrüßte die zurückhaltenden Abschlüsse der jüngsten Vergangenheit. "Die Tarifabschlüsse gehen mit moderaten Lohnerhöhungen in die richtige Richtung."
Insgesamt sieht Hundt Anzeichen dafür, dass der konjunkturelle Tiefpunkt erreicht ist. "Und ich hoffe, dass die Zahl der Arbeitslosen nicht so dramatisch steigen wird, wie noch Anfang des Jahres prognostiziert." Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, zeigte sich skeptisch. "Wir werden die harten Zeiten der Krise auf dem Arbeitsmarkt zeitversetzt im Winter zu spüren bekommen."
Fresenius, RWE und E.on verzeichnen Umsatzsprung
Hoffnung gibt eine weitere Umfrage, nach der sich die meisten Unternehmen im Dax
bislang recht gut in der Krise halten. Viele verzichten auf Kurzarbeit und einige verzeichnen sogar Umsatzsteigerungen und planen Neu-Einstellungen, wie die "Welt" berichtete. Einige Konzerne konnten demnach im ersten Quartal dieses Jahres trotz Krise ihre Umsätze signifikant steigern: Der Medizintechnik-Spezialist Fresenius
etwa machte einen Umsatzsprung von 15 Prozent und die Umsätze der Stromproduzenten RWE
und E.on
sind im ersten Quartal um zwölf beziehungsweise 14 Prozent gewachsen. RWE und Fresenius wollten deshalb ungeachtet der Krise ihre Belegschaften vergrößern, genauso wie der Handelsriese Metro
.
Aber selbst Unternehmen, die von der Krise hart getroffen sind, haben bisher laut dem Bericht einen Stellenabbau weitgehend vermieden. Seit Beginn der Krise hätten nur BMW
, Linde
und ThyssenKrupp
im größeren Umfang Jobs gestrichen. Und auch in den kommenden Monaten wollten fast alle befragten Dax-Unternehmen ihre Mitarbeiter halten.
Kurzarbeit sei dabei das Mittel der Wahl, um Massenentlassungen zu verhindern: Acht der größten deutschen Börsengesellschaften hätten im ersten Quartal stark auf Kurzarbeit gesetzt, insgesamt arbeiteten in den befragten Dax-Unternehmen im ersten Quartal 200.000 Beschäftigte kurz. Vor allem Stahlproduzenten und Autobauer griffen auf das Mittel zurück. Einige hätten allerdings inzwischen bereits wieder damit begonnen, die Kurzarbeit herunterzufahren. Die "Welt" befragte die Dax-Unternehmen mit Ausnahme der Finanzdienstleister.
Klagen über Finanzierungsprobleme
Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter mehr als 20.000 Unternehmen, die am Dienstag erscheinen soll, gibt es allerdings bei der Aufnahme von Krediten immer größere Schwierigkeiten."In wichtigen Bereichen der Wirtschaft graben sich Finanzierungsprobleme immer tiefer ein".
Vor allem Großunternehmen mit mehr als tausend Beschäftigten haben demnach Probleme. "Die Liquiditätsengpässe bedrohen zunehmend die Existenz von Unternehmen und auch die Vorfinanzierung neuer Aufträge", klagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann. "Das gefährdet einen möglichen Aufschwung."
ase/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
...am Sonntag,27.Sept. beißen die Hechte, Karpfen und Forellen nicht - weil sie wählen sind! mehr...
Ich halt nix von diesen Jammerartikeln. Ich bin Handwerker und verdien da gutes Geld. Der Fachkräftemangel macht sich bei uns ja schon absolut bemerkbar. Elektriker sind Mangelware und dementsprechen kann ich mein Gehalt schon [...] mehr...
Hi, ich will jetzt nicht darauf eingehen, ob frueher alles besser oder einfacher war .. Es war auf jeden Fall nicht so wie heute. Die Welt hat sich nunmal globalisiert. Getrieben von global agierenden Konzernen im Schulterschluss [...] mehr...
... den pustet der nächste starke Windstoß vom Pferd. Das ist nun mal so. Leider trifft es in diesem Fall genau die Generation, die den Karren eigentlich aus dem Dreck ziehen soll. Da hilft nur persönliches Zukunftsmanagement. [...] mehr...
Die deutsche Sozialpolitik ist Besitzstandwahrung. Wer bereits einen hohen Rentenanspruch hat oder einen gut bezahlten Job halten kann, dem geht es noch relativ gut. Probleme haben alle, die einen der neuen, meist schlechter [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH