Tonalea - Anders als im Rest der USA ist die aktuelle Wirtschaftskrise beim Volk der Navajo kaum ein Gesprächsthema. Für die Menschen, die im größten Indianerreservat des Landes leben, hat sich durch die Rezession wenig verändert.

Navajo-Pastor Whiterock in Arizona: "Da draußen flippen sie aus, aber wir hatten schon immer 50 Prozent Arbeitslosigkeit"
Das bedeutet allerdings nicht, dass die 200.000 Menschen im Reservat, das sich über Teile der US-Staaten Arizona, New Mexico und Utah erstreckt, von der Krise nichts spüren. Die Stammesführer verzeichnen Haushaltseinbußen von 25 Millionen Dollar, und die Nachfrage nach Sozialdienstleistungen ist gestiegen.
Aber gerade Navajos, die noch der Kultur ihrer Ahnen verbunden sind, können sich mit den schwierigen Umständen arrangieren. Ihre Tradition lehrt sie, dass sich Wohlstand nicht in Dollar bemisst und dass ihre Sprache, das Land und ihre Angehörigen die wichtigsten Mittel zum Überleben sind.
Dolores Claw beispielsweise fängt den Anstieg der Lebensmittelpreise damit auf, dass sie Vieh hält und Mais anbaut. Sie hat ihren Job in einer Kindertagesstätte verloren, nachdem die Zahl der Anmeldungen zurückgegangen war. Und auch ihr Mann hat als Bauarbeiter in der Krise weniger zu tun. Als das Geld knapp wurde, schlachtete die Familie zehn ihrer Lämmer. "Es heißt immer: Wenn du Vieh hast, bist du reich", sagt sie. Andere Navajos verkaufen weiterhin handgewebte Teppiche, Schmuck und Nahrungsmittel an Straßenständen oder Flohmärkten. "Wir haben auf vielfache Weise die Möglichkeit, uns zu ernähren", sagt Navajo-Präsident Joe Shirley.
Selbstversorgung seit Generationen
Unter traditionell lebenden Navajos, die sich eng an die überlieferten Traditionen ihrer Vorfahren halten, wird Selbstversorgung ohnehin hochgehalten. Dies gilt besonders für die ältere Generation. Der 76-jährige Wilson Aronlith, ein Dozent für Kultur, Philosophie und Geschichte am Diné-College, sagt, die Lehren seiner Ahnen und die Weitergabe der Sprache und Geschichten seines Volks bedeuteten ihm mehr als alles Geld. "Wenn man gute Fähigkeiten hat, ist das Wohlstand. Was sonst sollte man sich noch wünschen?"
Für den 31-jährigen Ivan Gamble bedeutet Tradition, das beste aus der Navajo-Kultur und der westlichen Gesellschaft zu vereinen. Er lebt in einem Haus ohne Wasser und Strom, baut Getreide an und hält Vieh. Aber er hat auch ein Mobiltelefon, einen Internetzugang und verschiedene Jobs, um Geld zu verdienen. "Das ist es, was uns unsere Vorfahren gelehrt haben: sich anzupassen, zu überleben."
Nach allgemeiner Definition allerdings ist das Volk der Navajo arm. Die Armutsrate unter Familien liegt bei 38,5 Prozent, die Arbeitslosenrate beständig bei 50 Prozent, das Pro-Kopf-Jahreseinkommen bei 7500 Dollar. Eine Arbeitslosenversicherung gibt es nicht.
Unzufrieden mit ihrem einfachen Leben wirken die Menschen im Reservat aber nicht. Sie leben in den hoch industrialisierten USA, trotzdem holen viele von ihnen ihr Wasser zum Kochen und für das Vieh aber aus weiter Entfernung selbst herbei. Kinder in abgelegenen Gebieten müssen ihre Hausaufgaben im Schein einer Kerosinlampe machen, und zur Hausarbeit gehört Holzhacken oder Kohlensammeln, um das Haus beheizen zu können.
Die Lebenshaltungskosten im Reservat sind niedrig, und das Einkommen aus dem Verkauf von Kunsthandwerk sowie öffentliche Unterstützung reicht vielen Menschen aus, wie Trib Choudhary sagt, ein Experte für wirtschaftliche Entwicklung des Volks. Von den Grundbedürfnissen abgesehen gebe es kaum Wünsche. "Ich sage immer, man kann einen schwarzen Teppich nicht umfärben. Das macht die Navajo-Nation aus", sagt Choudhary. "Wenn es eine Rezession gibt, macht das nichts. Wenn es einen Aufschwung gibt, macht das nichts. Wir sind glücklich."
2,5 Millionen von 787 Milliarden Dollar für Stammesprojekte
Dennoch hoffen viele Navajos auf eine wirtschaftliche Erholung, die sich auch in ihrem Reservat bemerkbar macht. Denn viele ihrer Mitglieder mussten sich außerhalb Arbeit suchen, da die Entwicklung im Reservat seit langem nicht mit dem Bevölkerungswachstum Schritt hält. Um die Arbeitslosenrate stabil zu halten, müssten jährlich 3500 Jobs geschaffen werden. Tatsächlich sind es Choudhary zufolge aber nur 200.
Einige Schritte zur Ankurbelung der Wirtschaft haben die Navajos bereits selbst unternommen, beispielsweise wurde 2008 eines von sechs geplanten Casinos eröffnet. Insgesamt spiegelt die Lage bei den Navajo aber die in vielen Reservaten der Ureinwohner in den USA wider: Die Arbeitslosenrate ist doppelt so hoch wie im Rest des Landes, das Pro-Kopf-Einkommen beträgt weniger als die Hälfte des Landesdurchschnitts, wie Dante Desiderio sagt, Experte für Entwicklungspolitik beim Nationalkongress Amerikanischer Indianer.
Anders als Städte oder US-Staaten hätten die betroffenen Völker schlicht zu wenig Steuerzahler, um eine Infrastruktur aufzubauen und seien daher auf Unterstützung der Bundesregierung angewiesen. Von deren Konjunkturpaket in Höhe von 787 Milliarden Dollar sind 2,5 Millionen für Stammesprojekte vorgesehen. "Wenn man in der Zeitung liest, womit der Rest von Amerika kämpft, entspricht das dem, womit Indianervölker zu kämpfen haben", sagt Desiderio. "Wenn wir das anpacken wollen, besteht jetzt die Chance."
Felicia Fonseca, AP
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Ja gut, Kohlebergwerke haben wir ja selber auch; aber Kinder ? Und die paar Lehrer oder Polizisten, die wir uns leisten, können wir ja schlecht umschulen ... die beschriebenen Meniskusschäden sind ja auch nicht soooo schön. [...] mehr...
Na ja, man muss aber auch wollen, dann geht einem diese Krise am A... vorbei. MfG. Rainer mehr...
Huuuuu, ich erwarte mit Spannung den nächsten Bericht über indische Slumbewohner, die ja auch irgendwie mit der bösen Welt-Krise klarkommen. Die auch ganz, ganz tolle Überlebensstrategien entwickelt haben, von denen wir alle uns [...] mehr...
Ironie on Oh je, diese Erkenntnis stammt von den Navajos ??? Interessant. Ironie off mehr...
Jetzt werd ich nochmal den Indianer Folterfilm von 1992 (Kanadischer Beitrag zum 500sten Kolumbusjahr) reinziehen. Da macht so ein moderner Indianer mit einem CEO der Häusersiedlungen auf ihrem Land bauen will langsamen Prozess. [...] mehr...
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