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18.06.2009
 

Nordkorea

Wie Kim Jong Il ausländische Versicherungen abzockte

Nordkorea ist ein armes Land, Machthaber Kim ein reicher Mann, offenbar auch dank leichtgläubiger Versicherungen aus dem Westen. Jahrelang trickste Pjöngjang einem US-Bericht zufolge die Assekuranzen aus - und finanzierte damit Rüstungsgüter und millionenschwere Überraschungen für den Diktator.

Hamburg - Woher nur nimmt Kim Jong Il, der Herrscher von Nordkorea, das Geld für sein ausschweifendes Leben, da den Menschen in seinem Land doch oft das Nötigste fehlt? Wer finanziert seinen Luxus? Einem Bericht der "Washington Post" zufolge stammen die Mittel zum Teil aus staatlich organisierten Versicherungsbetrügereien. Geschädigte sind demnach Versicherungskonzerne wie Allianz, Lloyd's und Swiss Re.

Nordkoreas Herrscher Kim: "Staatlich sanktionierte Kriminalität"?Zur Großansicht
REUTERS

Nordkoreas Herrscher Kim: "Staatlich sanktionierte Kriminalität"?

Aus Gerichtsdokumenten geht hervor, dass Nordkorea in den vergangenen Jahren mehrere hundert Millionen Dollar von den Unternehmen kassiert hat. Das bestätigen auch nordkoreanische Flüchtlinge und die Versicherungsfirmen selbst, die sich jedoch angesichts internationaler Verfahren mit Informationen zurückhalten. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE gaben mehrere Konzerne lediglich an, es seien "Fälle in Nordkorea" bekannt.

Gemeint sind von der nordkoreanischen Regierung angemeldete Ansprüche für Transportunfälle, Fabrikbrände, Flutschäden und andere angebliche Katastrophen, berichtet die "Washington Post". Vor britischen Gerichten seien die Versicherer zuletzt gescheitert, in den USA seien noch Verhandlungen anhängig. Nach Angaben der US-Regierung und Justizbehörden aus mehreren Ländern in aller Welt handele es sich um "staatlich sanktionierte Kriminalität".

Die Zeitung zitiert einen früheren Manager des nordkoreanischen Versicherungsmonopolisten Korea National Insurance Corp. (KNIC), wonach dieses Unternehmen dem Herrscher Kim aus den Einnahmen durch die Versicherungsfälle regelmäßig mehrere Millionen Dollar zum Geburtstag schickte. So erinnert sich Kim Kwang Jin, der später nach Südkorea floh und inzwischen in den USA lebt, an den Geburtstag des Diktators im Februar 2003. KNIC-Leute stopften seinen Angaben zufolge in Singapur 20 Millionen Dollar in bar in zwei stabile Versandtaschen, die über Peking in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang geschickt wurden. In anderen Jahren seien auch Pakete aus Frankreich, Österreich und der Schweiz nach Pjöngjang auf den Weg gebracht worden.

Millionenschwere Sendung an das "Büro 39"

Die Sendungen waren an das "Büro 39" des Zentralkomitees der Koreanischen Arbeiterpartei adressiert, eine Einrichtung, die Kim Jong Il in den siebziger Jahren gegründet haben soll, um Devisen einzunehmen und ihm eine unabhängige Machtbasis zu sichern. Laut nordkoreanischen Überläufern habe dieses Gremium neben Luxusartikeln für die politische Elite auch Rüstungsgüter finanziert.

Einige Tage nach Eintreffen des millionenschweren Geschenks kam das Dankeschön von Kim Jong Il: Er schrieb den Managern einen freundlichen Brief, einige bekamen dazu Orangen, Äpfel, DVD-Spieler und Bettdecken, sagt Kim Kwang Jin der "Washington Post". KNIC habe durch Entschädigungen in Versicherungsfällen jährlich zwischen 50 und 60 Millionen Dollar eingenommen. Der größte Teil sei für Katastrophenprävention und für weitere Rückversicherung ausgegeben worden. "Was übrig bliebt, hätte dafür ausgegeben werden sollen, den von Katastrophen und Unglücken betroffenen Menschen zu helfen", sagt der Ex-KNIC-Manager. "Aber es wurde nicht dafür verwendet. Stattdessen floss das Geld in die Taschen von Kim Jong Il."

Um welche Summen die westlichen Versicherungskonzerne betrogen werden, lässt sich dem Bericht zufolge nicht exakt beziffern. Die Versicherungsbranche sei aber im Umgang mit Nordkorea zum Teil sehr leichtgläubig gewesen, zitiert die Zeitung einen Experten aus der US-Regierung. Die Unterhändler der Versicherungskonzerne seien zudem teilweise sehr uninformiert gewesen - mache dächten, sie hätten es mit einer Firma in Südkorea zu tun, andere seien sich nicht bewusst gewesen, dass Nordkorea ein totalitärer Staat ist. Zum Teil seien die nordkoreanischen Unterhändler aber auch clever vorgegangen: Kim Kwang Jin zufolge habe KNIC jedes Jahr einen neuen Rückversicherer gewählt und sehr hohe Prämien gezahlt. Das Geschäft sei in sehr kleine Einheiten aufgeteilt worden und von unterschiedlichen Maklern an verschiedenen Orten ausgeführt worden, zitiert die Zeitung einen namentlich nicht genannten Experten.

Hubschrauberabsturz, Zugunglück, gesunkene Fähre

Einen Eindruck von der Größenordnung vermittelt ein Fall aus dem Jahr 2005: Nordkorea meldete, dass ein Hubschrauber in ein staatliches Warenhaus in Pjöngjang gestürzt sei. Die Versicherungsunternehmen warfen Pjöngjang vor, den Unfall inszeniert zu haben, um Geld für Kims persönliche Verwendung einzunehmen. Vor einem britischen Gericht stimmten die Vertreter der Versicherungen, laut "Washington Post" die Allianz, Lloyd's und einige andere, im Dezember 2008 einer Einigung zu, die einem Sieg Nordkoreas gleich kam: Die Versicherer zogen alle Betrugsvorwürfe zurück und zahlten 58 Millionen Dollar - 95 Prozent der Summe, die Nordkorea ursprünglich verlangt hatte.

Der Londoner KNIC-Anwalt Tim Akeroyd sagte der Zeitung, es habe "nicht einen Fetzen eines glaubwürdigen Beweises gegeben, der die Betrugsvorwürfe belegt hätte". Die Behauptung, Nordkorea würde Versicherungsbetrug begehen, seien "unglaublich unfair". Zudem zog er die Glaubwürdigkeit von Kim Kwang Jin in Zweifel, da dessen Arbeit für eine Washingtoner Menschenrechtsorganisation von Versicherungsunternehmen finanziert werde. Sein Interesse sei, "Schauergeschichten" über Nordkorea zu verbreiten. "Was er sagt, ist ganz und gar Unsinn", zitiert die "Washington Post" Akeroyd. Inzwischen finde KNIC kaum noch Rückversicherer, die bereit wären, Verträge abzuschließen.

Auch Allianz bestätigt, dass das Unternehmen keine Risiken in Nordkorea mehr absichern werde. "Das Geschäft wurde uns seinerzeit von einem sehr vertrauenswürdigen Broker vermittelt, wir hatten also keinen Grund, ihm nicht zu trauen", sagt ein Unternehmenssprecher SPIEGEL ONLINE. Doch das Vertrauen sei nicht mehr gegeben, und er könne sich nicht vorstellen, dass noch irgendein Rückversicherer mit KNIC zusammenarbeite.

Man sei immer noch davon überzeugt, dass es sich um einen Betrug handele, sagt ein anderer Versicherungssprecher, der namentlich nicht genannt werden möchte. "Aber wie will man einen staatlichen Betrug nachweisen? Wer soll das bezeugen, und dann auch noch in einem totalitären Staat wie Nordkorea?" Da das "schwierig, wenn nicht gar unmöglich" sei, hätten die betroffenen Versicherungen einer Zahlung zugestimmt. Sie hätten ihre Lektion gelernt.

2006, ein Jahr nach dem angeblichen Hubschrauberabsturz, machte Nordkorea Ansprüche für zwei Zugunfälle und eine gesunkene Fähre geltend - ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da das Land in Währungsschwierigkeiten geraten war. Nordkoreanische Vermögen im Ausland waren eingefroren worden, nachdem die USA Geldwäschevorwürfe erhoben hatten.

kaz

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insgesamt 486 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
04.09.2009 von medienquadrat:

genau! Damit könnten wir unsere Demokratie auch wieder etwas appetitlicher machen. mehr...

04.09.2009 von Sönke_k:

NOrdkorea besitzt die fünftgrößte Armee der Welt, aber deren Waffen sind auf dem Stand der 70er. Außerdem hungert das Volk seit Jahren. Es sind nicht die entsprechenden Mittel da, um Schädlinge im Reisanbau zu bekämpfen. Und wenn [...] mehr...

04.09.2009 von Viva24: Atommüllproblem gelöst

Wenn die auch Atommüll haben können wir doch unseren dorthin schicken. Ein oder zwei Asse macht denen auch nichts aus, zumal Sie ja Geld verdienen könnten? mehr...

04.09.2009 von Kalaschnikowa:

Mannomann, Sie sind ja echt putzig!! "Wenn man böswillig wäre" - Wenn Sie es nicht sind, warum schreiben Sie denn so`n Mist?? mehr...

29.08.2009 von susi_03: Stimmt

Ich habe mich mal schlau gemacht. Es gibt tatsächlich keine Linienflugverbindung zwischen Nordkorea und dem Iran. Air Koryo fliegt nur Ziele in China und Russland an. Da beide Länder die Resulution mittragen, ist es eher [...] mehr...

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