Seoul - Die weltweite Wirtschaftskrise wirkt sich nach Angaben der Weltbank dramatisch auf die ärmeren Länder aus. Die Wirtschaft werde in den Entwicklungs- und Schwellenländern in diesem Jahr nur um 1,2 Prozent wachsen, teilte die Organisation am Montag mit. Vor zwei Jahren waren es noch 8,1 Prozent, im vergangenen Jahr immerhin noch 5,9 Prozent.
Das schwache Wachstum wird zudem von wenigen Schwellenländern getragen. Ohne China und Indien würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Entwicklungsländern sogar um 1,6 Prozent sinken, teilte die Weltbank in ihrem Jahresbericht zu den Außenfinanzierungsaussichten der Entwicklungs- und Schwellenländer mit. Die Folge sei, dass mehr Arbeitsplätze verloren gehen und mehr Menschen in die Armut geworfen würden.
Außerdem werde 2009 deutlich weniger Kapital in die Entwicklungsländer gelangen als in den Vorjahren, heißt es in dem Bericht, der im Rahmen einer entwicklungspolitischen Konferenz in Seoul veröffentlicht wurde. Der Kapitalfluss werde mit 363 Milliarden Dollar weniger als ein Drittel des bisherigen Höchststands aus dem Jahr 2007 erreichen. Damals kamen 1,2 Billionen Dollar ausländisches Geld in die ärmeren Volkswirtschaften.
Weltbank-Chefökonom Justin Lin warnte vor den Folgen versiegender Mittel. "Entwicklungsländer können eine wichtige Antriebskraft bei der Erholung der Weltwirtschaft werden, in der Annahme, dass die einheimischen Investitionen wieder mit internationaler Hilfe ansteigen", sagte er. Dazu gehöre, dass den Ländern wieder internationale Kredite zufließen.
Wirtschaftsleistung in Europa schrumpft
Die Weltbank hatte zuletzt ihre Prognose für die globale Konjunktur in diesem Jahr deutlich nach unten korrigiert. Sie erwartet, dass die Weltwirtschaft um 2,9 Prozent schrumpft. Für die Eurozone rechnet sie im laufenden Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 4,5 Prozent statt dem bislang vorausgesagtem Minus von 2,7 Prozent. Die US-Wirtschaft soll um drei Prozent schrumpfen, die japanische Wirtschaft sogar um 6,8 Prozent.
Die wirtschaftlichen Aussichten seien weiter ungewöhnlich unsicher, erklärte die Weltbank. Die Organisation dämpfte auch die Aussichten für 2010. Die Erholung im kommenden Jahr werde schwächer ausfallen. Dagegen blickt die Weltbank optimistischer als zuvor auf die Erholung 2010 in China, Russland und Indien.
tko/dpa/Reuters
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