München/Essen - Düstere Aussichten für die deutsche Konjunktur: Nach dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat auch das Münchener Ifo-Institut seine Prognose für 2009 noch einmal gesenkt. Auch bei der Höhe des Minus gleichen sich die Vorhersagen: Das RWI spricht von einem Rückgang von 6,4 Prozent, das Ifo-Institut geht von 6,3 Prozent aus. Ende April hatten die Münchener noch ein Minus von sechs Prozent vorhergesagt.
Hamburger Hafen: Ifo-Institut erwartet auch für 2010 kein Wachstum
Nach dem drastischen Absturz in diesem Jahr soll sich die Konjunktur laut Ifo-Institut auch im kommenden Jahr noch nicht erholen. 2010 werde die Wirtschaftsleistung noch einmal um 0,3 Prozent nachgeben.
Erst im Frühjahr 2010 sei mit einer Bodenbildung bei Produktion und Nachfrage zu rechnen: 2010 werde erst die Talsohle erreicht, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Zwar gebe es "erste Hoffnungsschimmer", meinte er mit Blick auf die USA und China. "Aber die Lage ist nach wie vor grottenschlecht." Zudem kämen viele Entwicklungen erst mit Verzögerung in Deutschland an. "Das bedeutet, dass bei uns das Schlimmste erst noch kommt."
Für den Beginn einer allmählichen Stabilisierung spreche jedoch die aktuelle Entwicklung einer Reihe von wichtigen Konjunkturindikatoren wie Produktion und Auftragseingang sowie das Ifo-Geschäftsklima. Die Arbeitslosenzahl werde im Jahresdurchschnitt voraussichtlich von 3,6 Millionen in diesem Jahr auf durchschnittlich 4,3 Millionen in 2010 steigen.
Das RWI hatte seine Prognose am Dienstag ebenfalls deutlich gesenkt. Statt eines Rückgangs des Bruttoinlandsprodukts von 4,3 Prozent, wie im März prognostiziert, werde nun für 2009 mit einem Minus von 6,4 Prozent gerechnet, teilten die Forscher in Essen mit. Für 2010 rechnet das RWI mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent.
Mit dieser Prognose sind die Wirtschaftsexperten nicht allein: Die Bundesregierung erwartet für dieses Jahr einen BIP-Rückgang von sechs Prozent und im kommenden Jahr ein leichtes Plus von 0,5 Prozent. Dies entspricht auch der Einschätzung der meisten Forschungsinstitute und Institutionen. Im vergangenen Jahr war die Wirtschaftsleistung noch um 1,3 Prozent gewachsen, 2007 sogar um 2,5 Prozent.
Als Exportnation leidet Deutschland besonders unter der Rezession. Im ersten Quartal haben sich die Ausfuhren laut Statistischem Bundesamt im Vergleich zum Vorjahresquartal um 21 Prozent reduziert. Das ist Negativrekord. Den deutschen Exporteuren ist das Geschäft auf allen fünf Kontinenten gleichzeitig weggebrochen.
"Einen Rückschlag auf so breiter Front hat es bislang nicht gegeben", sagte eine Sprecherin des Statistischen Bundesamtes am Dienstag. Sowohl im Handel innerhalb Europas als auch mit Asien, Afrika, Australien und Amerika habe es deutliche Einbußen gegeben. Umsatzzuwächse verzeichneten die Unternehmen lediglich mit einigen kleinen Handelspartnern wie Ägypten oder Panama.
Die Ausfuhren in die Türkei brachen mit 38,7 Prozent am stärksten ein. Nach Russland - bis vergangenes Jahr noch der am schnellsten wachsende Auslandsmarkt - wurden 31,4 Prozent weniger geliefert. Auch die beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und Japan kauften weniger deutsche Waren: Hier betrug das Minus 26,4 beziehungsweise 22,4 Prozent.
cte/Reuters/AP/dpa
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